Android-Tablets: Bleibt bitte so verrückt wie ihr seid

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Vor ungefähr eineinhalb Jahren teilte uns ein Vertreter einer prominenten Hardwarefirma mit, dass sich die 3 oder 4 Tablets seiner Firma zwar in Preis, Größe und Design unterschieden. Welches der Modelle der Markt allerdings annehmen würde, wisse niemand. Wie kann so etwas sein?

Die CES 2010 war gerade zu Ende gegangen, und ungefähr 80 Tablets kamen neu auf den Markt. Niemand ahnte auch nur im Entferntesten, was die Kunden daran finden sollten. Besagter Manager der Hardwarefirma führte seine Tablets vor und erklärte, dass man ausprobieren müsse, welches der Modelle der Markt annehmen würde. Er selbst wisse es nicht.

Mittlerweile ist viel Zeit vergangen und die Frage stellt sich für die Hersteller von Android-Tablets noch immer. Im Rahmen dieses Trial- und Errorprozesses sind Tablets erschienen, die teilweise so irre sind, dass man glaubt, dass es sich um einen Scherz handelt. Aber man muss den Herstellern für ihre Risikobereitschaft danken. So sieht nun einmal Innovation und Evolution aus – die meisten Ideen scheitern und nur wenige setzen sich durch.

Die Situation

Android-Tablet-Hersteller müssen versuchen, sich gegen die Allmacht des iPads von Apple zu behaupten. Mittlerweile gibt es zwar mit Android 4.0 ein vernünftiges Betriebssystem, um iOS zu kontern, aber noch immer gibt es zu wenige Apps, die speziell für Tablets angepasst sind. Und wenn man als Hersteller wirklich Pech hat, wird der eigene OS-Lieferant auf einmal zum größte Konkurrent auf dem Markt, weil er die Tablets selbst produziert: Es gibt Gerüchte, dass Google selbst Tablets entwickeln lassen und unter eigenem Namen anbieten wird.

Aus Sicht der Hardwarehersteller ist die Android-Situation also nicht gerade einfach. Das zeigt sich auch an den teilweise lächerlichen auch Ansätzen, mit einem Skin zu versuchen, Android zu verbessern: Die Hersteller können in der Regel Hardware herstellen, aber das bedeutet nicht zwangsläufig, dass man auch ordentliche Software produzieren kann. Und wenn man versucht, das einzige Tablet, das bislang wirklich vom Markt angenommen wird, nachzuahmen, dann läuft man Gefahr, von Apple in Grund und Boden geklagt zu werden.

Was bleibt einem Android-Hersteller also übrig? Wie kann man sich dennoch auf dem Markt etablieren und Geld verdienen? Man lässt sich zum Beispiel etwas ganz Verrücktes einfallen.

Zuerst einmal zur Klarstellung: Apple bestimmt nicht, wie ein Tablet auszusehen hat, noch ist das iPad der Weisheit letzter Schluss. Tablets sind noch ganz am Anfang ihrer Entwicklung. Und das Tablet, das wir in 10 Jahren verwenden werden, wird sich fundamental von dem unterscheiden, was wir heute in Händen halten. Genauso wie ein heutiger iMac sich von dem gleichnamigen Erstmodell von 1998 radikal unterscheidet.

Für einen Android-Hersteller gibt es nur einen Ausweg aus dem Dilemma: Man muss innovativ sein. Die Hersteller versuchen genau das schon seit einiger Zeit nach Leibeskräften: Das Sony Tablet P sieht zum Beispiel aus wie eine überdimensionierte Sonnenbrillenhülle und Toshibas neues 13-Zoll-Tablet ist ein Beispiele dafür, wie weit der Begriff Tablet gefasst werden kann. Acers monströses Doppeldisplaygerät Iconia und der Toshiba Libretto W 100 arbeiten zwar mit Windows 7, aber beide Hersteller sind auch große Android-Tablet-Hersteller und bereit, ein hohes Risiko eingehen, um endlich etwas auf den Markt zu bringen, was auch wirklich erfolgreich ist.

Es fällt leicht, sich über die teilweise absurden Auswüchse des Tabletbooms lustig zu machen. Aber es sind Versuche, etwas Neues zu erschaffen, was von den Kunden hoffentlich auch angenommen wird. Die Unternehmen nehmen dazu Millionen in die Hand und dennoch werden viele der gut gemeinten Ideen grandios scheitern. Aber irgendetwas wird schon funktionieren, so zumindest das Kalkül.

Der größte Fortschritt im Tablet-Design wurde im vergangenen Jahr von Sony mit dem Tablet S gemacht. Abseits aller Fehler wie dem billigen Plastik ist das Designkonzept mit der Zeitschriftenanmutung genial. Das selbst gemachte, etwas ungelenke Benutzerinterface tat dem Gesamteindruck allerdings gar nicht gut.

Es gibt schon jetzt ein Android-Tablet, das einen bleibenden positiven Eindruck hinterlassen hat und in Zukunft Apple wirklich gefährlich werden könnte. Das Kindle Fire ist nicht nur extrem günstig sondern kann auch mit einem Inhalteangebot aufwarten, mit dem Amazon Apple in weiten Teilen durchaus Paroli bieten kann. Aber das Fire ist ein Billiggerät. Es ist ein Kia in einer Welt, in der mehr BMWs gebraucht werden.

Irgendwann wird ein Android-Tablet das bieten, was der Markt will. Es mag groß oder klein, dick oder dünn sein. Es mag mit acht Ports oder mit keinem einzigen ausgestattet sein. Aber dieses Gerät wird nur dann erscheinen, wenn es weiterhin Hersteller gibt, die etwas riskieren. Und dazu gehört es, irrsinnige Geräte auf den Markt zu bringen. Einige Produktideen hätten sicherlich in der Entwicklungsabteilung bleiben sollen. Aber der Markt für Tablets ist riesig und was schadet es, wenn man es trotzdem auch mit diesen Monstrositäten versucht?

Und nun seit ihr dran: Welche Ansroid-Tablets sind eurer Meinung nach besonders gelungen? Welche sind Fehlentwicklungen? Was könnten die Tablet-Hersteller besser machen, um das iPad zu schlagen? Schreibt es einfach in die Kommentare. [Brian Barrett / Andreas Donath]

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  1. Ich besitze ein ASUS Transformer Prime TF201 und bin ziemlich zufrieden damit… Gerade die Tastatur Docking Station macht es für mich zum Studieren interessant.

    Man sollte auch bei Android auf den Education Sektor gucken und praktikable Hardware/Software Kombinationen anbieten =)

  2. Ich besitze ein Lenovo A1, habe es vor Kurzem sehr günctig gekauft. Für mich als Schüler ist es perfekt, PDFs oder Wikipediaartikel zu lesen, Facebook zu nutzen, oder auch zwischendurch world of goo oder ähnliches zuspielen. Alles in allem ein super Tablet für den Preis. Denke Android zeichnet die Vielfalt der Produkte aus. Mich würden exklusivere Apps interessiern, die speziell für Tablets gemacht werden.

  3. Das Tablet der Zukunft wird besser sein als ein Collegeblock. Nur die Firma, die das checkt und fähig ist, ein solches Konzept finanziell und technisch gelungen umzusetzen, wird das iPad hinter sich lassen.

    1. Doch, weil Apple langweilig und scheiße ist :D
      Wenn die Android und WP8 Tablets mehr zu bieten haben weiß ich wo ich suchen muss.

  4. Das Sony Tablet S ist meines Erachtens sehr gut gelungen. Nicht nur vom Design – es ist das perfekte Wohnzimmer-Tablet. Klar, es gibt mittlerweile auch Geräte, die technisch höher gerüstet sind. Aber es zählt auch das Handling, die Zuverlässigkeit und einige Extra-Features. Da hat das Sony Tablet S beispielsweise eine eingebaute (programmierbare) Fernbedienung.
    Es kommt immer darauf an, was man von einem Tablet erwartet – bzw. wie man es nutzen möchte. Ich persönlich legte keinen besonderen Wert auf Mobilität und/oder Handlichkeit. Ich wollte etwas fürs Wohnzimmer – zum Zappen auf der Couch, usw. – und da ist dieser keilförmige Sonderling nahezu perfekt. Gespannt bin ich noch auf das angekündigte Update auf Ice-cream-Sandwich (Android 4.0)

    1. ich stimme zu, außerdem finde ich das plastik nicht „billig“ – gut, es ist kein aluminium, aber auch nicht schlecht verarbeitet! mal sehen, was das ICS update bringt, mich stört zum beispiel noch, dass man nicht selber entscheiden kann, wo „unten“ sein soll, wenn man es in der hand hält, ich finde oft, dass das „dicke“ ende „unten“ sein sollte

  5. Also ich hab ein archos 101g bin superzufrieden damit und mit einer zu gekauften USB Tastatur (kabellos mit dongel) hab ich auch mein „doc“ und das für 280 Euro :-)

  6. Windows 8 ist besser – Android inkonsistent in Bedienung, Entwicklung und Optik. Ich will kein vollgemülltes ruckelndes Brett. Tu was Google, dass ihr zumindest auf einer Höhe mit Windows 8 seit.

  7. Ich habe schon seit Jahren meinen geliebten HP TC 4400. Das ist ein Convertible Notebook mit Induktivem display und einem recht genauen Stift. Sowas im tablet Format und es wäre sofort gekauft. Es gibt nichts besseres für Studenten als sowas. Ich habe nur noch mein Convertible mit. Keine Stifte keine Bücher keine skripte. Alles in Onenote eingefügt. Warum erkennen die HErstelelr nicht das man nicht nur Multimediaspielereien braucht sonder teilweise auch mit den Dinegrn arbeiten will. Wenn die Teile etwas kleiner und günstiger wären hätte ich es schon längst als Navi, Musikbib, mobiler Hotspot oder Kinderbelustigungsmaschine mit sega Emulator in mein Auto eingebaut. Ein Handy bleibt ein Handy ist ist für sowas auf dauer zu klein. Günstige Tablets mit einer Kobination aus induktivem und kapazitivem Display wäre wirklich mal Zeitgemäß.

  8. … Tabletz mit Tatschscreen, nee danke, da erkennst ja nach 10 Minuten nix mehr aufm Display …. ich bleibe bei meinem MacBookAir … mit ohne OSx … Win 7, super dafuer … :-)

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