SpaceX Falcon 9: Die Zukunft des kommerziellen Raumflugs

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Noch vor wenigen Jahren war die bemannte Raumfahrt den Supermächten vorbehalten. Denjenigen Nationen, die zum Beispiel sagen konnten: Wir fliegen auf den Mond, egal was es kostet. Dieses Zeitalter ist zu Ende. Aber das Ende des Raumflugzeitalters ist damit nicht eingeleitet worden.

Das Zeitalter der bemannten Raumfahrt. Im Gegenteil, ein neues Kapitel wird gerade aufgeschlagen. Die SpaceX Falcon 9 hebt am Samstag dem 19. Mai 2012 um 10.55 Uhr MESZ vom Cape Canaveral in Florida ab und bringt mit der Dragon-Kapsel Vorräte zur International Space Station ISS. Sie ist damit das erste kommerzielle Raumschiff, die an die Station andocken wird.

Die SpaceX Falcon 9 wurde von Space Exploration Technologies. ( SpaceX) gebaut und ist eine zweistufige Rakete, die 54,9 Meter hoch ist und einen Durchmesser von 3,6 Metern aufwies. Sie wiegt 367,5 Tonnen und besteht im Wesentlichen aus einer Aluminium-Lithium-Legierung. Die Dragon-Kapsel an Bord soll eine halbe Tonne Vorräte zur ISS bringen.

Neun Merlin 1C-Raketentriebwerke mit jeweils 569 kN Schub machen die Hauptstufe der Falcon 9 aus. Als Treibstoff dient ein Gemisch aus flüssigem Sauerstoff (LOX) und dem Kerosin-basierten Raketentreibstoff RP-1. Die Brenndauer liegt bei 345 Sekunden. Danach wird die erste Stufe abgetrennt. Danach übernimmt ein weiteres Merlin-Triebwerk, das für den restlichen Schub sorgt, der notwendig ist, um die Dragon-Kapsel zur ISS zu bringen. Die Falcon 9 kann bis zu 10,4 Tonnen in ein Low Earth Orbit (LEO) und 4,5 Tonnen in eine geostationäre Transferbahn (GTO, Geostationary Transfer Orbit) bringen.

Die wiederverwendbare SpaceX Dragon Kapsel besteht aus drei Hauptkomponenten: An der Spitze befindet sich beim Schutzkappe für den Start, danach kommt eine Druckkabine für Nutzlasten und eine maximal siebenköpfige Besatzung sowie ein Servicemodul, das unter anderem die Avionik und den Treibstoff beherbergt.

Nach einer zweitägigen Reise nähert sich die Kapsel der ISS. Die diesmal unbemannte Kapsel wird dann einige Zeit damit verbringen, das Annäherungsmanöver zu üben. Der Prozess soll vollautomatisch laufen, kann aber natürlich abgebrochen und manuell ausgeführt werden. Die ISS setzt einen Roboterarm ein, um das Dragon-Modul einzufangen. Das soll Unfallgefahren minimieren. Danach wird die Kapsel entladen und triff nach einem Tag die Rückreise zur Erde an. Die Wasserung soll im Pazifik erfolgen.

ISS-Astronaut Donald Pettit teilte der Nachrichtenagentur AP mit, dass diese Flüge irgendwann zur Routine werden sollen. Auch die NASA hofft auf einen Erfolg der Mission. Mittlerweile wurden 381 Millionen US-Dollar in SpaceX investiert. Das Unternehmen selbst hat über eine Milliarde US-Dollar ausgegeben. Wird der Flug ein Erfolg, werden auch andere Firmen in die kommerzielle Raumfahrt einsteigen. Das wird der Weg zu einem neuen Raumfahrtzeitalter eröffnen, in dem die Supermächte auf den bemannten Raumflug kein Monopol mehr haben werden.

Update: Leider musste der Start aus technischen Gründen abgebrochen werden.
[Andrew Tarantola / Andreas Donath]

[Via SpaceLaunchReport, SpaceX, Wikipedia, AP; Bilder: SpaceX]

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  1. Die Tatsache, dass dieses Trägersystem von einer „privaten“ Firma gebaut wurde, ist nicht Neues. Auch schon Wernher von Brauns gute alte SATURN V aus dem Apollo-Programm wurde ausschließlich von Privatfirmen gebaut. Die war aber so groß, dass gleich mehrere Firmen daran beteiligt waren. Die erste Stufe mit ihren 5 F1-Triebwerken wurde z.B. von BOEING gebaut.

    Die nächste Gemeinsamkeit: Die „Space X Falcon 9“ wurde ebenso wie die SATURN V vom ein und dem selben Auftraggeber bezahlt: die NASA. Und die ist ja bekanntlich der „zivile“ Ausleger des Pentangon, dem US-Verteidigungsministerium.

    Merke: es ist egal, WELCHE Firma es baut – wichtig ist: WER bezahlt die ganze Sache! (-> NASA)

    Der einzige Unterschied zu damals: für die Dauer bei der NASA waren ALLE Astronauten (also die Piloten von US-Luftwaffe und Marine) vom Militärdienst „freigestellt“. Sie bekamen Ihr Gehalt über den Umweg der Abrechnung via NASA. So waren also auf dem Papier „Zivilisten“. (Da aber noch keine bemannten Flüge im Spiel sind, können wir hier abwarten.)

    Die Militärs wurden damals deswegen genommen, weil die zivilen Testpiloten im Durchschnitt 200-350% mehr Lohn als ihre Kollegen vom MIlitär forderten. Man konnte so erheblich Geld sparen! Sie mussten die Uniformen wegpacken und durften sich nur noch mit Name und nicht mehr mit Dienstgrad anreden.

    TIPP: Vergleichen Sie mal die Leistung der 9 „Merlin“-Triebwerke mit nur einem einzigen F1-Triebwerk der damals fünfmotorigen SATURN V ………

    1C: http://de.wikipedia.org/wiki/Merlin_%28Triebwerk%29#Merlin_1C ( 596 kN Schub) x 9
    F1: http://de.wikipedia.org/wiki/F-1_%28Raketentriebwerk%29 (6.670 kN Schub) x 5

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