10 verpasste Chancen in der IT-Geschichte

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Die Computerwelt ist voller Fehlschläge, Flopps und Niederlagen. Hier soll es aber nicht um Pleiten, Pech und Pannen sondern um Unternehmen und ihre Produkte gehen, die unglaublich erfolgreich waren und dann wie ein Meteorit abstürzten.

Bei unserer Top-10-Liste geht es nicht um Unternehmen oder Personen, die eine Idee hatten, für die die Zeit noch nicht reif war. Vielleicht war es einfach Pech oder die Unfähigkeit, sich dem rapiden Wachstum anzupassen oder fehlende Konkurrenzbeobachtung, die unsere Preisträger aus dem Olymp warf. Diese Unternehmen waren einmal richtig groß und sind jetzt nur noch ein Schatten ihrer selbst.

AOL

Hätte annehmbar werden können.

Irgendwo muss eine riesige Mülldeponie mit AOL-CDs sein. Abermillionen dieser Datenträger landeten in den Briefkästen und sollten dazu animieren, sich bei AOL anzumelden. AOL war einmal ein richtig großer ISP und ein Onlinedienst, der Compuserve aus dem Rennen warf. AOL war für Viele das Sprungbrett ins Internet, machte Chatrooms salonfähig und schaffte es dennoch, unterzugehen. Das Unternehmen war so mit dem Wachstum beschäftigt, dass es den Ausbau seiner Technik vernachlässigte. 1997 war es in den USA soweit, dass fast zwei Drittel aller Einwahlversuche fehlschlugen. Das Besetztsignal wurde zum unfreiwilligen Markenzeichen von AOL. Den Trend in Richtung Breitband verschlief das Unternehmen fast vollständig, so dass zahlreiche Kunden abwanderten.

Friendster

Hätte die Social-Netzwerkszene revolutionieren können.

Frienster ist auf den Philipinen noch extrem populär aber im Rest der Welt fehlen die Fans. Die Gründer schreien vermutlich jedes Mal auf, wenn sie einen Bericht mit den Stichworten “Facebook”, “Zuckerberg” und “Milliarden” lesen. 2002 war Frienster so etwas wie ein halbfertiges soziales Netzwerk. Damals nannte man diese Dienste nur noch nicht so. Es gab eine Art Wall, auf die man schreiben konnte, und man konnte andere Mitglieder befreunden. Die wachsende Popularität von Friendster stellte das Unternehmen jedoch vor massive technische Probleme und die Website wurde extrem langsam, so dass die Anwender sich von ihr abwandten.

[Bild: Shutterstock]

Motorola

Wäre mit einem echten Razr-Nachfolger groß rausgekommen

Wer erinnert sich noch an die Zeiten, in denen das Motorola Razr das Maß aller Dinge war? Das Razr war das Gadget überhaupt. Das hatte nichts mit der Benutzeroberfläche (welcher Oberfläche?) oder den Funktionen zu tun, die das Handy bot. Es war sein Design und die Tatsache, dass das Razr extrem dünn war, die es erfolgreich machten. 2004 kam das Razr auf den Markt und bis zum Sommer 2006 wurden weltweit rund 50 Millionen Stück verkauft.

Aber leider war das Razr ein One-Hit-Wonder. Motorola schien nicht einmal zu versuchen, einen guten Nachfolger zu entwickeln. Das Unternehmen ruhte sich hingegen auf seinen Erfolgen aus und brachte nur immer wieder leicht modifizierte Versionen des Razr auf den Markt. Die Kunden waren alles andere als begeistert. Als Apple dann das iPhone auf den Markt brachte, warf Motorola immer mehr Razrs und Krzrs ins Rennen. Motorola verstand es einfach nicht, sich dem Trend anzupassen: Die Anwender wünschten sich auch ein interessantes Softwareangebot und nicht nur ein schönes Handy.

MySpace

Hätte Facebook überlebt, wenn es verbessert worden wäre

Frienster war langsam und MySpace war schnell. Als die Social Networks auftauchten und in Konkurrenz zueinander traten, hatte MySpace gute Karten: Die Website funktionierte und zog Musiker in Scharen an, die sich auf der Plattform präsentieren und mit ihren Fans in Kontakt treten konnten. Doch auch MySpace hatte mit einem massiven Problem zu kämpfen: Die Website war extrem chaotisch aufgebaut, was unter Umständen am Anfang ein junges Publikum anzog. Irgendwann nervten die animierten GIF-Hintergründe und die selbststartenden Songs aber auch den letzten Anwender. Was aber noch schlimmer war: Als News Corp. MySpace 2005 für 580 Millionen US-Dollar kaufte, tat das Unternehmen nichts, die Website aufzuräumen oder ein neues Publikum heranzuziehen. Währenddessen baute Facebook seine Features aus und vernaschte MySpace zum Frühstück.

Microsoft

Hätte den Tablet-Markt beherrschen können

Als Microsoft 2001 zusammen mit seinen Hardwarepartnern den modernen Tablet-PC auf den Markt brachte, existierte das iPad höchstens als Idee im Kopf von Steve Jobs. Vielleicht war Microsoft seiner Zeit jedoch etwas voraus. Preiswerte kapazitative Displays, die ohne Stift benutzt werden konnten, kamen erst später auf den Markt. Und sicherlich war es ein Fehler, einfach ein leicht modifiziertes Windows-Betriebssystem auf ein Tablet zu spielen. Aber immerhin hatte Microsoft fast 10 Jahre Zeit, daraus etwas zu machen und schaffte es in dieser Zeit nicht. Nun muss Microsoft mit dem kommenden Windows 8 versuchen, das Ruder herumzureißen. Gegen die starke Konkurrenz von Apple und Google.

Sony

Hätte der Major-Player im mobilen Musikbereich werden können

Die 80er Jahre waren vom Walkman geprägt. Er schaffte eine ganz neue Form der Unterhaltungselektronik. Dann kam mit dem Discman der erste tragbare CD-Player für den Massenmarkt in den Handel und Sony schaffte es abermals, den Markt zu beherrschen. Doch Sonys Verliebtheit in propritäre Dateiformate sorgte dafür, dass sich der Erfolg bei den digitalen Abspielgeräten, die nach dem Discman auf den Markt kamen, nicht wiederholen ließ. Es dauerte Jahre, bis das Unternehmen einen Player auf den Markt brachte, der auch MP3s abspielen konnte. Zudem zwangen die Produkte die Anwender ihre Musik mit unglaublich schlechter Software zu konvertieren, um sie überhaupt mobil abspielen zu können.

Hätte Sony ein besseres Produkt gehabt, wäre der iPod kaum ein so großer Erfolg geworden. Und Apple wäre vermutlich nicht das Unternehmen, das es heute darstellt.

Palm

Hätte das Netbook entwickeln können

Wir wollen nicht über Web OS reden – dieses Desaster ist noch viel zu neu. Nein, hier geht es um ein anders, kollossales Versagen:

Erinnert sich noch jemand an den Palm Foleo? Das war ein Netbook von Palm, das 2007 angekündigt wurde und eine Mischung zwischen Smartphone und Notebook darstellte. Es war klein, leicht und konnte mit einer langen Akkulaufzeit glänzen. Dazu kam ein niedriger Preis. Doch das Publikum und vor allem die Presse verstand nicht, was der Sinn dieses Gerät war. Er wurde in Grund und Boden geschrieben, noch bevor er erhältlich war. In der Folge ließ sich Palm verunsichern und brachte den Foleo nie auf den Markt. Monate später kamen die ersten Netbooks wie der Asus Eee PC auf den Markt, die auf einem ähnlichen Prinzip basierten: Ein kleines Notebook mit geringer Prozessorleistung, das zu einem extrem günstigen Preis verkauft wurde. Bekanntlich wurden Netbooks ein Erfolg.

Yahoo

Hätte es schaffen können

Yahoo hätte vielleicht Facebook kaufen sollen. Yahoo wäre vielleicht von Microsoft gekauft worden. Yahoo hätte vielleicht etwas aus seinen teuren Übernahmen wie Flickr und de.icio.us machen können. Yahoo hätte vielleicht sogar einen CEO einstellen können, der tatsächlich einen Informatik-Abschluß hat und das nicht nur vorgab.

[Image: Michael Macor / The Chronicle]

Digg

Hätte wichtig bleiben können

Wer 2008 im Bereich Computernews arbeitete, war am Ende eines Tages stolz, wenn seine Story auf Digg landete. Am besten auf der Startseite. Es gab zeitweilig Medienunternehmen, die ihre Berichterstattung nach dem ausrichteten, was bei Digg auf den ersten Plätzen stand. Aber nach einem komplett fehlgeschlagenen Redesign schaffte es das Unternehmen, sich selbst in die Bedeutungslosigkeit zu katapultieren. 2010 erschien das Redesign unter dem Namen Digg v4. Die Website wurde dadurch instabil, unübersichtlich und verlor ihren Reiz. Funktionen wurden abgeschaltet und die Besucher flohen in Scharen.

RIM/Blackberry

Hätte der Smartphone-Markt beherrschen können

Wer ein Blackberry besaß, tippte sich die Finger wund. Dank eines genialen Systems war die Messaginglösung preiswerter als SMS und für Unternehmenskunden gab es maßgeschneiderte Lösungen, die für eine hohe Sicherheit sorgten. Doch dann kam Apple, Android und Windows Mobile. RIM machte eine Reihe fataler Fehler und brachte Hardware wie das Playbook auf den Markt, das sich mit der Konkurrenz nicht messen konnte, verpasste fast den Apps-Zug, verlor Entwickler und schließlich auch seine Führungsspitze. Mit einem gigantischen tagelangen Serviceausfall schaffte es RIM zudem, dass viele Kunden das Vertrauen in das Unternehmen verloren. [Seth Porges / Andreas Donath]

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  1. Nokia fehlt noch. Waren bei den Mobilfunkgeräten zu Anfangs die Marktführer schlechthin. Was heute die Smartphones sind waren bei Nokia die Communikator (ich hatte selbst 3). Aber die haben das Geschäft gründlich in den Sand gesetzt.

  2. MySpace ist eh schon lange tot.
    Motorola, das kommt davon wenn man sich auf dem Erfolg ausruht.
    Blackberrys find ich eigentlich noch ganz ok. Wenn man einfach nur ein gutes gerät zum Texten will.

    Ansonsten stimmt das, das Nokia fehlt.
    Früher waren die der marktführer.
    Ich hatte das 3210, 3330, 7650,8850 und noch ein paar andere.
    Jeder zweite hatte ein Nokia in der Tasche.
    Dann kam das 7650, das erste Kamera Handy, mit symbian einer Top Software damals.
    Man konnte spiele und Programme draufladen.

    Und was ist heute mit nokia?
    Heutzutage hat doch jeder ein Galaxy oder iPhone in der tasche, bzw. iOS oder android.

    Aber ich denke man könnte diese liste noch um einige Sachen erweitern.

  3. Palm Foleo:

    “Doch das Publikum und vor allem die Presse verstand nicht, was der Sinn dieses Gerät war.”

    Schlecht wenn man als Autor das Gerät selbst nicht verstanden hat. Das Foleo sollte ein Palm Smartphone ergänzen und hätte nur mit einem solchen funktioniert. Also eher der Vorläufer eines ClamBooks.

  4. Gähn. In 10 Jahren werden einige der vermeintlichen Gewinner auch von der Bildfläche verschwunden sein. Also wem nutzen solche Abgesänge? Die meisten hatten doch ihre guten Zeiten. Muss alles am Facebook-Erfolg gemessen werden? Albern!

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