Elf aussterbende Töne

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Wer noch weiß, wie sich ein Modem beim Verbindungsaufbau anhört, ist vermutlich schon etwas älter. Und das ist nicht das einzige technische Geräusch, das bald in Vergessenheit geraten wird. Hier eine Liste von Tönen, die aus unserem kollektiven Nerd-Bewusstsein ausscheiden werden. Bei uns könnt Ihr sie euch anhören.

Wir steuern auf ein Zeitalter geräuschloser Gadgets zu, die nicht mehr auffallen sollen. Das führt meiner Meinung dazu, dass wir gar nicht mehr wertschätzen, was für Technik unter der Haube steckt. Es ist noch nicht lange her, dass unsere Gadgets und Gerätschaften und daran erinnerten, dass sie etwas wichtiges für uns tun: Sei es die Verbindung zum Internet herstellen oder eine VHS-Kassette abspielen. Für einen Sounds haben wir leider nicht einmal mehr ein Beispiel gefunden – vielleicht habt ihr eine Ton-Datei, die ihr zu Youtube heraufladen könnt, damit wir sie verlinken können.

Der Mac OS „Uh-Oh“-Ton


Fehlermeldungen sind für sich genommen ja schon nichts Schönes, aber wenn der Rechner jedes Mal, wenn man einen falschen Knopf getroffen hat, aufjault, dann ist das Terror. Dennoch sind viele Mac-Anwender von dem seltsamen Ton amüsiert, der sich wie ein dämonisches Eichhörnchen anhört. Die ersten 300 Mal war es vielleicht noch niedlich. Aber dann hat’s genervt. ICQ hat ihn auch verwendet.

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VHS zurückspulen

Sky, Youtube, Hulu und Netflix machen beim Abspielen keine Geräusche mehr. Ganz anders war das, als wir noch Videokassetten in der Videothek ausliegen. Die mussten zurückgespult werden, sonst kostete das Strafgebühren. So musste man nach dem Filmvergnügen immer einige Minuten warten, bis das Band zurückgesurrt war, um dann mit quietschenden Reifen zur Videothek zu fahren, um ja nicht zu verpassen, die Kassetten abzugeben, bevor ein neuer Tag berechnet wurde. Das schönste am Zurückspulen war, dass das Geräusch lauter wurde, je näher die Kassette an den Anfang kam.

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Das Sirren der Floppylaufwerke

Die schnellen USB-, Firewire- und Thunderbolt-Anschlüsse unserer Rechner berauben uns einer gewissen Vorfreude. In den 80ern und sogar den 90ern mussten wir warten, während unsere PCs versuchten, Daten von Floppys zu lesen. Wir hofften, dass das laute Sirren und Kratzen der Leseköpfe nicht bedeutete, dass unser Referat geschrottet oder das Spiel nicht mehr laufen wird. Ein kratzendes, wiederkehrendes Geräusch verhieß Pest und Verderben.

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Modem-Handshakes

Wir leben im Zeitalter von 4G, UMTS und DSL. Es ist schwer vorstellbar, aber über lange Zeit gab es nur eine Möglichkeit, von zuhause online gehen zu können und das war die analoge Telefonleitung, die mit einem kreischenden Modem genutzt wurde. Als es noch AOL und MSN als Internetprovider gab, wurden lokale Einwahlnummern genutzt, um ins Internet zu kommen. Das höchste der Gefühle war irgendwann ein 56K-Modem, das uns irre schnell vorkam. Rief in der Zeit jemand an, legte so ein Modem auch kurzerhand einmal auf. Einwahlprobleme waren an der Tagesordnung. Das Ding-Donng-Schhhhhhhhhhhhh-iiiiiiiep des Modems verhieß: Gleich sind wir online.

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Wählscheiben

Heutzutage sind Telefone mit Tastenfeldern ausgestattet – das Wählen erfolgt digital. Aber es gab eine lange Zeit, in der man mit dem Finger ein Rad drehen musste. Je nachdem, in welches Loch des Rades man den Finger steckte und dann zum Anschlag drehte, wurden unterschiedliche Nummern erzeugt. Das war vor allem dann ein Graus, wenn man mehrmals die gleiche Nummer wählen musste, weil auf dem anderen Ende besetzt war. Dennoch war dieses Geräusch beim Zurückschnellen des Rades ein echtes Highlight meiner Kindheit. Es verhieß den Kontakt zur Welt, ohne das Haus verlassen zu müssen.

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Boot-Pieperseien

Früher machte jeder Rechner beim Einschalten ein lautes Beeep-Geräusch. Da wusste man: Alles in Ordnung, dem Rechner geht es gut, nun dauert es nur noch ein paar Minuten, dann kann ich ihn benutzen. Böse Doppel- und Dreifachbeeps signalisierten hingegen, dass etwas am Rechner nicht funktionierte oder gar kaputt war.

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„Sie haben Post“

Es ist kaum vorstellbar, aber es gab früher Tage, an denen sehnte man sich geradezu nach einer E-Mail. Heute wäre man froh, wenn nur E-Mail ankäme – mittelweile sind es Dutzende, nicht zu vergessen auch zahlreiche unerwünschte Spams. Als das Web neu war, und BTX, AOL und Compuserve der populärsten Dienste da gab es zumindest bei AOL den Ansagetext „Sie haben Post“ – oder im englischen „You’ve got mail“ , wenn eine Nachricht eintraf.

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Windows 95 herunterfahren

Bevor es Windows 95 gab, wusste jeder Computernutzer, wann sein Rechner aus war. Ältere Windows- und DOS-Versionen wurden beendet, indem man den Aus-Knopf am PC drückte. Dann war der Rechner sofort aus. Mit Windows 95 kam der „Herunterfahren“-Knopf auf. Dann hieß es warten. Je nach Rechner und Installation dauerte es Sekunden bis Minuten, bis wirklich Schluss war. Mein Rekord: 4 Minuten Wartezeit. An der Musik beim Auslösen der Herunterfahr-Vorgangs, die über die Lautsprecher verteilt wurde, erkannte ich sogar, dass mein Nachbar über mir seinen Rechner für heute ausschaltete. Um 3 Uhr morgens.

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Nadeldrucker

Lange vor der Zeit der Laserdrucker gab es Tintenstrahler und noch davor Nadeldrucker. Es hatte durchaus etwas einschläferndes, wenn der Druckkopf mit seinen 9 oder gar 24 Nadeln zirpend von Links nach rechts fuhr und dann das Papier weiter geschoben wurde und sich der Vorgang wiederholte. Druckjobs von mehreren Stunden waren zwar selten, aber nicht extrem. Heute sind 100 Seiten in wenigen Minuten ausgedruckt.

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Röhrenfernseher

Beim Einschalten von Flachbildschirmen und Displays gibt es in der Regel kein Geräusch mehr. Beim Einschalten von Röhrenfernsehern und echten Monitoren machte es Zooooooooooonk und beim Ausschalten konnte man eine Art Zischen hören.

Hier fehlt uns leider ein gutes Beispiel – könnt Ihr uns mit einem Link helfen?

Klackertasterturen

Auch heute noch verwenden einige Anwender mechanische Tastaturen, die richtig laut klacken. Aber bei Notebooks und vielen Desktop-Tastaturen hört man das Tippen kaum noch. Als IBM den Schreibtisch beherrschte, machten PC-Tastaturen einen heftigen Krach, wenn man die Tasten drückte. Für Maschinenschreiber war das sehr günstig, weil sie dann wussten, dass sie die Taste auch wirklich erwischt haben.

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So, und nun seid wie immer ihr gefragt: Gibt es noch weitere Töne, die vom Aussterben bedroht sind? Schreibt es einfach in die Kommentare und verlinkt eine Sounddatei, damit wir sie uns anhören können. [Avram Plitch / Andreas Donath]

[Via Laptop Mag, Titelbild: Markus Gann/Shutterstock]

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  1. Das Geräusch, das ihr als „VHS zurückspulen“ bezeichnet, ist nicht das Geräusch einer VHS-Kassette sondern das einer Audio-Kassette (Musikkassette).
    Diese beiden Geräusche sind schon eher die von zurückspulenden VHS-Kassetten:
    http://www.freesound.org/people/Corsica_S/sounds/39493/
    http://www.freesound.org/people/Corsica_S/sounds/39490/

    Booten eines Computers (incl. Beep):
    http://www.freesound.org/people/guitarguy1985/sounds/52050/
    Bootvorgang eines anderen Modells (auch mit Beep):
    http://www.freesound.org/people/vtkproductions.com/sounds/42123/

    Alter Fernseher:
    http://www.freesound.org/people/ERH/sounds/30950/
    Geräusch einer Bildröhre beim Ein- und Ausschalten:
    http://www.freesound.org/people/orehek/sounds/30666/

    1. Das Zurückspulen ist ja super, habe ich gleich ausgetauscht.

      Beim Booten gefiel mir das von Mr. Pieeeps allerdings besser.

      Beim Fernseher müssten wir nochmal gucken, das wir etwas repräsentativeres bekommen als die beiden Beispiele.

    1. das liegt so viel ich weiß an den durchschlägen die ja bei krankmeldungen immer noch dran sind. da gibt es ja keine andere möglichkeit, ausser alle formulare zu überarbeiten.
      korrigiert mich gern, wenn ich falsch liege

    2. OKI verdient zwar nicht schlecht daran, aber die Kunden sind mit den Dingern auch sehr glücklich. einer hat mir mal erzählt, dass er seit 15 jahren in einer Tischlerei neben der Kreissäge einen benutzt.

  2. Also mein PC, gekauft ende 2011, piepst noch immer beim Hochfahren. Ich finde es auch durchaus sinnvoll dass er es macht. Immerhin lässt sich so schnell feststellen, dass was nicht stimmt.
    Der einzige unterschied in meinem Fall ist, dass der Piepser nicht verlötet, sondern bei Bedarf einfach über einen Stecker am Mainboard aufgesteckt werden konnte.
    Und Nadeldrucker sind in der Tat wegen der Durchschläge noch sehr beliebt in der Industrie. Wobei die Ersatzteile bzw Verbrauchsgüter wirklich immer teurer werden. Wird wahrscheinlich nur noch eine Frage der Zeit sein, bis es sich eher lohnt mit einem Laserdrucker ein Dokument zweifach zu drucken.

    Oh man, dass ich mit meinen 22 Jahren scheinbar schon zum alten Eisen gehöre hätte ich ja nicht gedacht. Ich kenne jedes einzelne Geräusch. Wobei ich zugeben muss, dass ich das „oh oh“ nur von ICQ kenne. Aber bei dem Ton bin ich auch froh, dass ich das nie als Fehlermeldung erleben musste :D

    1. War das nicht relativ geräuscharm? Ich hatte so etwas auch und soweit ich mich erinnere, war nur das Eindrücken der „Play“ Taste und das leise Laufen das Bandes zu hören. Gequietscht hat es nur, wenn man so eine Kassette in einen normalen Player mit Lautsprecher gesteckt hatte :)

  3. Ausgestorben ist auch der original Klingelton von Nokia, welcher für lange Zeit das Handyklingeln dominierte. http://www.youtube.com/watch?v=QgjVxFcBO0c

    Und wenn wir schon beim Handy sind. Der Klingelton „Marimba“ vom iPhone wird auch zur Seltenheit. Eine Zeitlang war er auch sehr dominant. Es sind also nicht nur die alten Töne die verschwinden.

    Spontan fällt mir als aussterbender Ton noch das Anfangsknacken / Rauschen einer Schallplatte ein. Auch wenn Vinyl immer noch genutzt wird, ist der Ton definitiv nicht mehr alltäglich.

    Und für die Zukunft prophezeie ich schon mal das Aussterben des Tons für surrende Festplatten. SSDs werden sich einfach immer mehr verbreiten und sie sind komplett lautlos.
    Ebenfalls wird wohl auch irgendwann wieder das schöne „Klackklack“ beim drücken auf den Auslöser auf eine Kamera verschwinden, was durch das Wegklappen des Spiegels entsteht und das öffnen/schließen von der Blende. Bei digitalen DSLRs ist es immer noch vorhanden, doch aktuelle Entwicklungen zeigen, dass auch da vermutlich irgendwann das aus kommen wird. Ich mag das Geräusch aber eigentlich sehr gerne. Ausgestorben ist es aber definitiv bei Kompaktkameras. Auch hier musste man den Film im Übrigen zurück spulen, wenn er voll war. Manuell oder in manchen Fällen auch mit Hilfe eines Motors der das dann automatisch machte.

    1. Der Nokia-Klingelton wurde übrigens als Teil eines Gitarren-Walzers von dem spanischen Gitarristen und Komponisten Francisco Tárrega (1852-1909) komponiert:

      Grand Vals de Francisco Tárrega: http://www.youtube.com/watch?v=Hsp6dR-fL4A

      Achtet auf die Takte 14 bis 17 (jeder Takt ist ca. 1 Sekunde lang, Takt 14 beginnt daher ungefähr bei 0:14. Ab 2:56 sind diese vier Takte nocheinmal zu hören.)

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