Gefängnisse: Videokonferenzen statt Verwandtenbesuche

Gefängnis

Wie persönlich ist eine Videokonferenz gegenüber einer echten menschlichen Begegung? Diese Frage erübrigt sich für immer mehr Insassen in US-Gefängnissen, wo die persönlichen Besuche durch Videoanrufe ersetzt werden..

Die Insassen des Gefängnisses im Distrikt von Columbia nutzen 108 Videokonferensysteme, um mit ihren Freunden und Familien in Kontakt zu treten. Die Umstellung erfolgte Ende Juni 2012 und scheint einen Trend zu markieren. Immer mehr US-Strafanstalten setzen auf Video-Besuche statt auf echte menschliche Kontakte. Manche nehmen für die Videokonferenz sogar Geld. Die „Besucher“ müssen dazu in ein Konferenzentrum ausserhalb des Knasts kommen. Befürworter des Systems sehen darin einen Sicherheitsgewinn und eine für die Besucher angenehmere Atmosphäre. Kritiker sehen darin eine Entfremdung mit einem negativen Effekt auf die Moral der Insassen.

Und das lässt sich auch nicht einfach von der Hand weisen. Selbst wenn der Kontakt sonst von Glaswänden getrennt stattfindet, können beide Personen doch viel mehr Körpersignale erkennen als am Bildschirm. Die Videoanrufe können bis zu 30 US-Dollar pro Stunde kosten. Wie findet ihr das? Mir ist das sehr suspekt und erscheint mir schon fast unmenschlich. [Kyle Wagner / Andreas Donath]

[Via NY Times; Bild: Jennifer Boyer/ CC BY 2.0]

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  1. „…Mir ist das sehr suspekt und erscheint mir schon fast unmenschlich….“
    Das sollte man sich überlegen, bevor man eine Straftat begeht.
    Wenn’s ein bisschen zur Abschreckung beiträgt…. Knast ist kein Hotel!

  2. natürlich ist es das nicht.
    nichtsdestotrotz halte ich es für nicht richtig, mal abgesehen davon das man sich in sachen resozialisierung ins eigene Fleisch schneidet…

    1. Aber in den USA geht es nicht um Resozialisierung. Das mag vielleicht hier in der BRD (teilweise) zutreffen. Dort drüben mit Sicherheit nicht.

  3. Ich möchte anmerken, dass Gefängnisse in den USA zum Teil von privater Hand betrieben werden.
    Die Nutzung von Videokonferenzen ermöglicht es den Betreibern Personalkosten zu sparen, die anfallenden Gebühren für Besuche stellen eine weitere Einnahmequelle dar, also alles ganz im Sinne der Kostenersparnis und der Gewinnmaximierung.

    1. Vor allem kommt man in den USA schon wegen ein paar Gramm Gras und vieler anderer kleinerer Vergehen ins Gefängnis. Die USA haben einen um Größenordnungen größeren Anteil ihrer Bevölkerung inhaftiert als Putins lupenreine Demokratie. Da machen die Privaten richtig Reibach.

      Die Regierung sollte das Gefängniswesen wieder verstaatlichen und humane Standards durchsetzen.

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