Vor-Ort-Bericht „Campus Party Europe“ – Rösler lobt, Coelho warnt, Alexis schwebt

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Berlin ist das Zentrum der Macht in Deutschland, dit iss nüscht Neues. In dieser Woche ist Berlin aber auch das Zentrum der europäischen Technik-, Innovations- und Nerd-Gemeinde. Auf dem stillgelegten Flughafen Tempelhof findet von 21. bis 26. August die „Campus Party Europe“ statt. 10.000 Besucher, 500 Redner, Wettbewerbe, Workshops und ein gigantisches Camping-Areal bilden letztendlich eine riesige LAN-Party (und weit mehr), die seit ihrer erstmaligen Veranstaltung im Jahr 1997 in Malaga unaufhörlich wächst und wächst.

Um dem Andrang und dem hohen Anspruch für Innovation und Technik gerecht zu werden, wurde der gesamte Hangar des Flughafens in Beschlag genommen. Weiße Tische und Stühle soweit das Auge reicht, jeder einzelne Platz ist ausgestattet mit Steckdosen und Internetzugang. Hinzu kommen neun Bühnen auf denen über die Tage verteilt renommierte Namen aus den Weiten der Technologie ebenso zu den Besuchern sprechen werden, wie solche aus Gesellschaft und Politik – und halt irgendwie ne Menge Leute, die sich dazu berufen fühlen.

Röslers warme Worte

Am Eröffnungsabend war die Politik an der Reihe. Zum Start wünschte EU-Kommissionspräsident Manuel Barroso der Veranstaltung per Videogrußbotschaft viel Erfolg: „Campus Party kann wirklich einen Unterschied machen!“ Und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler eröffnete die erste Campus Party in Berlin mit den Worten: „Menschen wie Sie hier auf der Campus Party gestalten unsere Zukunft, angetrieben von ihrem Sinn für Optimismus und Enthusiasmus für Technologie.“

Party-Flair mit Minus-Punkten

Dit is doch watt. Warum nicht mal ein wenig den Bauch streicheln lassen, wenn man schon extra mit Bus, Bahn oder Flugzeug anreist?! Eben. Obendrein gibt es auch weniger schöne Aspekte der Veranstaltung. Dass es auf dem gesamten Areal nur alkoholfreies (!) Bier gibt, kann man zwar noch verschmerzen – schließlich gibt’s Berliner Kindl um die Ecke für 1,10 Euro (Futschi auch!). Mit den kalten Duschen und den engen Zelten, die Kopf an Kopf und Ende an Ende aneinander gereiht stehen, fühlt man sich jedoch weniger wie auf einer Party der „Optimisten und Enthusiasten“, sondern viel mehr wie bei der Bundeswehr – wobei, da kommt man leichter an den Alkohol. Aber die Entbehrungen, und darüber soll der kurze Einblick in die Schattenseiten dieses Erlebnisses nicht hinwegtäuschen, lohnen sich.

„Urheberrechtsregime“

Am 22.08. gegen Mittag sprach der Schriftsteller Paulo Coelho zu den Besuchern und ging gleich in die Vollen: „Das Internet ist ein Segen für uns und zugleich eine Bedrohung für die Herrschenden.“ Das sowas in den stark hispanisch geprägten Besucherreihen gut ankommt, darüber muss man sich nicht streiten. Der Brasilianer, der selbst seine Bücher via Internet verbreitet, steht dem derzeitigen „Urheberrechtsregime“ (Ja, Regime, so steht es in der Pressemeldung) kritisch gegenüber.

Coelho vs. Alexis

Aber die „Campus Party Europe“ ist mit Nichten eine reine Veranstaltung der großen Phrasen. Insbesondere die Umstellung des Internetprotokolls „IP4“ auf „IPv6“ mit dem spanischen Experten Jordi Palet zog massenhaft Teilnehmer an. Solche Workshops oder Vorträge finden entlang der Haupthalle in kleineren Areas statt. Und das bunte Programm auf dem alten Flughafen bedenkt nicht nur bereits bekannte Größen wie Coelho, sondern auch bislang wenig bekannte Namen: Alexis etwa. Nein, das ist keine Wurstbraterin vom Kotti. Zwölf Kilogramm schwer ist sie – und fliegt als dicker Brummer bereits weitgehend autonom. Alexis ist ein Robotikprojekt, entwickelt von Studenten der Technischen Universität Berlin.

Die folgenden Tage dürften also spannend werden. Denn es winken weitere Hochkaräter, Newcomer und Experten rund um Technik und Innovation. Und jene Besucher, die dem ganzen Gelaber und Gedudel überdrüssig werden, können sich jederzeit einer der LAN-Partys anschließen oder einfach ruhigblut durch das gigantische Areal tingeln. Jetzt aber genug Informationen. Ick geh erstma aufn‘ Feierabend-Futschi, wah!

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