Reinhold Messner im Interview über Copyright, Facebook und zurückfließende Energien

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Reinhold Messner (68) vertritt gerne radikale Meinungen. So empfindet er die zunehmende Kommunikation über Facebook als „eine der größten Katastrophen der wir entgegen gehen“. Das und mehr hier im Gizmodo-Interview.

Reinhold Messner ist eine lebende Legende. Er bestieg als erster ohne Atemmaske den Mount Everest und durchquerte zu Fuß die Wüste Gobi, Grönland sowie die Antarktis. Außerdem widerlegte er die Legende vom Yeti und wehrt sich seit Jahrzehnten erfolgreich gegen die auferlegten Zwänge der Gesellschaft. Jetzt wurde sein wahrhaft außergewöhnliches Abenteurerleben mit „Messner“ verfilmt und kommt am 27. 9. 12 in die Kinos.

Gizmodo: Wie fühlt es sich an, eine Dokumentation über sich selbst zu sehen?

Messner: Mich berühren nur die Klettermomente oder bestimmte Bergmomente, die natürlich dann sofort in die Realität springen bei mir. Was so auf der Bühne über das Psychogramm Messner abläuft, interessiert mich relativ wenig.

Aber generell, wenn ich an einer Arbeit beteiligt bin, egal ob ich ein Buch schreibe oder wie hier Objekt im Film bin, in dem Moment, wenn das Ganze an die Öffentlichkeit kommt, ist es als ob es ein fremdes Werk wäre.

Was kann die junge Generation aus Ihrem Film herausholen?

Für junge Leute ist eindeutig die Aussage drin: Lasst euch nichts gefallen! „Der Stein ist meine Sache.“ Das ist von Albert Camus. Und ich sage, ich bin nicht euresgleichen, ich bin meinesgleichen.

Ecken Sie deshalb oft an?

Ich ecke an, weil ich die Radikalität lebe. Ich gehe meinen Weg, und ich lasse mir von keinem Pfarrer, keinem Politiker, keinem Alpenvereinschef und keinem Polizisten vorschreiben, wie ich zu leben habe.

Wie würden Sie es finden, wenn ihr Film im Internet über illegale Plattformen kostenlos verteilt wird und so zwar ein großes Publikum erreicht aber kein Geld einspielt?

Das geht mich nichts an, weil ich den Film nicht finanziert habe. Aber ich finde, dass für geistige Leistung oder auch für wirtschaftliche Leistung eine Gegenleistung da zu sein hat, sonst kann man keine Filme machen. Die Geldgeber wie die Förderungen wollen ihr Geld schließlich zurück, sonst kann der nächste Film nicht gefördert werden. Nach dem hinter jedem Film ein Wirtschaftsgebaren steht, muss auch eine Einnahme dagegen stehen.

Sie haben auf Facebook 17.000 Fans. Freut Sie das?

Ich bin nicht auf Facebook. Mich gibt es auf Facebook nicht. Ich finde, es ist eine der größten Katastrophen der wir entgegen gehen, dass Menschen sich heute als Fiktionen mit anderen Fiktionen unterhalten. Nicht als Menschen, sondern als reine Internetfiktionen auf Facebook und in Foren.

Auf Facebook gibt es einige Profile, die sich als Reinhold Messner ausgeben.

Das sich jemand eine Biografie zulegt die unter meinem Namen läuft finde ich nicht so schlimm. Aber trotzdem sage ich klar in der Öffentlichkeit: Mich gibts auf Facebook nicht. Ich tue das nicht. Ich bin natürlich präsent im Internet, weil ich viele Sachen mache, meine Bücher kommen ins Internet, meine Museen sind im Internet aber ich selber bin nicht in Facebook.

Wie finden Sie die zunehmende Kommunikation über Facebook?

Ich habe nichts dagegen, wenn sich junge Leute mit Persönlichkeit A und Persönlichkeit B unterhalten und dann ganze Gruppen von Freunden haben. Aber ich habe ein Problem damit, dass sich Fiktionen mit Fiktionen unterhalten und vielleicht sogar ein emotionales Liebesverhältnis haben. Ich möchte wissen, wer die wahre Persönlichkeit im Hintergrund ist.

Facebook kann für Jugendliche tatsächlich wie eine Flucht aus der Realität sein. Aber sehen Sie da keine Parallelen zu Ihrem eigenen Verhalten? Schließlich sind Sie als junger Mann aus der Schule in die Berge geflüchtet.

In der Schulzeit hatte ich eine doppelte Identität. Ich war Schüler, war mit den Klassenkameraden in gutem Einvernehmen und ich war Bergsteiger und damit mit den Bergsteigerkollegen in gutem Einvernehmen. Die Bergsteiger wussten nicht, was ich in der Schule machte. Sie wussten nicht einmal welche Schule ich besuchte.

Sie lebten also in zwei Realitäten?

Für die Bergsteiger war die Schule eine andere Realität und für meine Mitschüler war die Bergsteigerei nicht auszudenken, die konnten sich das nicht vorstellen. Ich lebte damals in zwei Welten, aber real in zwei Welten.

Was wollen Sie den internetaffinen Gizmodo-Lesern mit auf den Weg geben?

Dass sie selbstbestimmt leben. Selbstbestimmt und auch alle ihre Kräfte, ihre Begeisterung, ihre Fantasie, ihre Kreativität einbringen. Sie sollen nicht sagen: „Die Welt ist jetzt nicht mehr, wie sie früher war. Es gibt nicht mehr so viele Möglichkeiten. Wir werden eh alle arbeitslos sein. Wir werden eh alle keine Rente bekommen.“ Das hängt nur davon ab ob man sich einbringt. Indem man sich einbringt, drückt man sich aus und holt damit Selbstwertgefühl, Erfolg und Energie. Jede Energie, die man in eine begeisternde Tätigkeit setzt, auch wenn sie scheitert, die kommt als Energierückfluss wieder zurück.

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  1. „Ich ecke an weil ich die Radikalität lebe. Ich gehe meinen Weg und ich lasse mir von keinem Pfarrer, keinem Politiker, keinem Alpenvereinschef und keinem Polizisten vorschreiben wie ich zu leben habe.“

    Gut das solche egoistischen Extzentriker so selten sind, sonst würde unsere Gesellschaft noch ganz andere Probleme haben.

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