Flugzeug: Schnelleres Boarding mit Mathematik

flugzeugkabine

Es dauert meist ziemlich lange, bis sich die Passagiere in einem Flugzeug gesetzt haben. Ein Mathematiker behauptet, dass das durch geschicktes Profiling viel schneller gehen kann.

Es kostet viel Zeit und Nerven, seinen Sitzplatz in großen Passagierflugzeugen zu finden, weil die Menschen in der Schlange unterschiedlich viel Zeit brauchen, sich zu orientieren, ihr Bordgepäck zu verstauen und sich hinzusetzen. Ein chinesischer Mathematiker behauptet, dass das viel schneller gehen könnte.

Normalerweise setzen Airlines auf eines von zwei Systemen: Ein totales Chaos mit freier Sitzwahl oder zugewiesenen Sitzplätzen. Es macht zwar viel Spaß, wenn man als Unbeteiligter sieht, wie sich die leute beim ersten Modell versuchen selbst zu organisieren, aber wer das als Passagier erlebt hat (in Deutschland gibt es das kaum) der möchte das kein zweites Mal mitmachen müssen.

Dr.Tie-Qiao Tang behauptet, noch ein drittes System erfunden zu haben:

Jeder Passagier hat seine Eigenheiten. Zum Beispiel sorgt die Gepäckmitnahme in die Kabine für ein anderes Verhalten und auch sein Alter und seine Erfahrung spielen eine Rolle. Jeder Passagier hat eine unterschiedliche optimale und eine maximale Geschwindigkeit, mit der er boarden kann.

Was der Forscher letztlich will ist, ein Profiling der Passagiere. Sie sollten ihre Sitzplatznummern abhängig davon erhalten, wie schnell sie sind, welches Gepäck sie mit sich tragen und ähnliches. Bei Simulationen war diese Boardingtechnik die schnellste. Die langsamste war die feste Sitzplatzvergabe, die zweit-schnellste das Chaosprinzip.

Diese Theorie in die Praxis umzusetzen dürfte dennoch etwas schwerer sein – wenn auch nicht unmöglich. Die Airlines könnten natürlich herausbekommen, wie sich die Mitnahme von Bordgepäck auf die Boardinggeschwindigkeit auswirkt und die Laufgeschwindigkeit könnte zum Beispiel nach dem Alter eingestuft werden.

Die Airlines müssten dann allerdings Profile der Passagiere erstellen – und darüber dürfte die Menschen nicht unbedingt erfreut sein. Vielleicht sollte man es dennoch einfach ausprobieren – denn schlimmer als jetzt kann es kaum noch werden. [Jamie Condliffe / Andreas Donath]

[Transportation Research Part C: Emerging Technologies, Science Network]

[Bild: StudioSmart/Shutterstock]

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  1. Profile der zum Flug gehörigen Passagiere sind erforderlich. Soso. Nennt man sowas nicht „Passagier-Liste“? Beim Einchecken wird doch eh noch Handgepäck vermerkt.
    Was kann dann so problematisch sein die zugehörigen Daten „schnell“ durch einen Optimier-Algorytmus zu schicken, der die Reihenfolge der Zusteiger vorschlägt.
    Da für jeden Flug sowieso eine völlig neue Konstellation an Passagieren auftritt ist die Liste (und das jeweilige Profil) nur einmal gültig; somit kann nach erfolgtem Boarding die Boarding-Liste wieder gelöscht werden.

    Ein dauerhaft gespeichertes zu Fluggast gehörendes Profil erscheint mir völlig unnötig. Zumal die Datenlast schnell gigantisch werden dürfte, und dass, obwohl viele Passagiere wohl eher nur 1-2 Mal im Jahr in den Urlaub und wieder zurück fliegen dürften.

  2. Wird man diesen ganzen lächerlichen Aufwand für Check-In, Boarding, Sicherheitskontrolle usw. der meine Zeit und Nerven kostet auch einführen, wenn es endlich internationale Vakuum-Tunnel-Trains gibt? Hoffentlich nicht.

    1. Ganz einfach zu lösen ohne Profile erstellen zu müssen.
      Mein System Vorschlag:
      der wo den Sitzplatz ganz hinten hat darf zuerst in die Maschine, wie beim Busfahren.
      der hat dann ganz viel Zeit sich einzurichten.
      counter

      1. Im Prinzip ist das ja auch jetzt schon so – bzw. sollte so sein. Es müsste halt 1. etwas feiner granuliert (nicht „erst die hintere Hälfte, und später sagen wir vielleicht auch noch was zum Rest“) werden und 2. müssten die Fluggesellschaften die Eier haben, ihre eigenen Regeln auch durchzusetzen. Gleiches gilt für das Bordgepäck – wenn da irgendwelche Flitzpiepen Koffer hinter sich her bewegen, die sie kaum ziehen und schon gar nicht in die Ablage heben können, läuft irgendwas gewaltig schief.

        Sehr gut hat mir das mal in NYC gefallen: da stand vor dem Sicherheitsbereich eine ziemlich biestige Dame, die alles, was für das Handgepäck zu groß, zu schwer oder sonstwie ungeeignet war, nicht durchgelassen und die Leute zur Gepäckaufgabe geschickt. Und am Gate stand einer, der in Blöcken à 2 Reihen die Passagiere zum Boarding aufgerufen hat und die Bordkarten kontrollierte. So schnell und so entspannt habe ich das Boarding noch nie erlebt.

  3. …nur die amerikanische Methode, wie von „Dingenskirchen“ geschildert funktioniert wirklich; alles andere wird von den Italienern ad absurdum geführt…

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