Öffentliche Bibliothek ohne Bücher

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Bücher? Wer braucht schon gedruckte Bücher? Bibliotheken vielleicht? Nein, nicht mal die brauchen Bücher, wie die öffentliche Bibliothek von San Antonio in Texas demnächst beweisen will.

Die bücherfreie Bibliothek wird „BiblioTech“ heißen und soll im Herbst eröffnet werden. Sie soll Teil eines ganzen Systems mehrerer buchloser Bibliotheken im County Bexar werden. Die Bibliothek verleiht elektronische E-Book-Reader (von welchem Hersteller wurde noch nicht verraten) für die Dauer von zwei Wochen. Es soll auch Computer und ähnliche Hardware geben, aber eben keine gedruckten Bücher. Auch die alten Zettel-Kataloge, die man bei uns noch in einigen verschlafenen Bibliotheken findet, wird es dort wohl kaum noch geben.

Wissenschaftliche Bibliotheken haben bereits in der Vergangenheit mit diesem Konzept experimentiert, aber die geplante Bibliothek von San Antonio will damit nun den ersten Schritt in die breite Öffentlichkeit wagen, indem sie gleich vom Anfang an vollkommen auf gedruckte Bücher verzichtet. Auf mögliche Probleme mit gestohlenen Geräten angesprochen erzählte Richter Nelson Wolff, der Mann hinter dem Plan, voll Optimismus:

Wir haben Ihren Namen, und wir haben Ihre Adresse. Sie leihen sich das Gerät für zwei Wochen aus, also gleich lang wie ein normales Buch. Nach diesen zwei Wochen wird sich das Gerät selbsttätig deaktivieren, dann haben Sie nichts mehr, was wert wäre behalten zu werden.

Für viele mag das ein ziemlich radikaler und bizarrer Schritt in die Zukunft sein. Die einen werden diesem Projekt vermutlich den besten Erfolg wünschen, für viele andere wäre eine Welt ohne Bücher aber ein wahrer Albtraum.

Ich sehe das gelassen. In meiner Wohnung stehen in den Regalen 43 Laufmeter Bücher (geschätzte 2500 Exemplare) und ich halte E-Books trotzdem für eine gute Idee. Ich finde, beide Systeme haben jeweils ihre Vorzüge, und ich glaube, die steigende Verbreitung von E-Books wird die Papier-Bücher vermutlich kaum wirklich verdrängen können. Wie seht ihr das?

[San Antonio Express via Gizmodo.com]

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  1. Ich finde das System begrüßenswert!
    Was mich an Ebooks wohl am meisten stört ist, dass der Kaufpreis mit 2€ weniger als ein gebundenes Buch meist relativ hoch ist!

    Vorschlagen würde ich ein System in dem jedes gedruckte Buch das gekauft wird per Registrierung eine Ebook Kopie dazu bekommt. Was für mich sofort ein Grund wäre mir einen reader zuzulegen. die umsetzung sollte rein theoretisch ja nicht zu schwer sein………..es muss halt ein verlag nur den ersten schritt machen :D

  2. Hört sich gut an, besonders weil Ebooks einfach viel Platz sparender ist :)
    Aber was ist schon eine Bibliothek ohne Bücher die Atmosphäre ist einfach nicht die selbe

  3. Gedruckte Bücher wird es hoffentlich immer geben! Ein gedrucktes Buch kann ich verkaufen, verleihen und auch verschenken wenn ich es gelesen habe. Bei einem Ebook geht das in der Regel nicht! Außerdem können die Verkäufer mir nach dem Verkauf das Ebook wieder wegnehmen(löschen). bei einem gedrucktem Buch sollen die das mal versuchen. Frei nach einem alten Filmhelden müssen sie mir das Buch auch meinen kalten toten Händen reißen.

    Ich finde Ebooks als gute Alternative, wenn die automatisch bei einem gedruckten Buch dabei sind, oder deutlich günstiger als gedruckte Bücher sind. Aber so wie das in Deutschland gehandhabt wird, ist es für mich nicht akzeptabel und so nehme ich immer das gedruckte Buch.

    ca. 60 Regalmeter Bücher zeugen bei mir davon, daß ich micht von keinem Buch trennen kann!

  4. Prinzipiell bin ich auch fürs eBook, allerdings für die Freizeit. Ich habe bisher keine guten Erfahrungen mit Fachliteratur auf eBooks gemacht. Dort muss man schnell mal was im Idex nachschlagen und schnell hin und her blättern. Das ist mit einem eBook nach heutigen Stand einfach zu langsam und umständlich.

    Ich bin froh, dass ich an so einer Uni nicht studieren musste. Ich bin für ein gedrucktes Fachbucharsenal.

    Acvhja, die Idee mit “ein eBook pro gekaufter Druckausgabe” ist klasse. Machen leider nur sehr wenige Verleger. Bisher hatte ich nur ein Buch.

  5. Wie einfach dann das Leben wird!

    Jederzeit sind die Inhalte zu verändern und keine zwei Leute lesen mehr dasselbe Buch. Tun sie ja eh nicht, hat die psycholytische Subtivitätsforschungsphilosophie osä. schon lange festgestellt.

    Doctores C&P brauchen sich um die Überprüfbarkeit ihrer Quellen keine Sorgen mehr zu machen, denn die Ghosthacks werden die gleich mit verändern oder löschen; die alten Lügen können zu neuen werden, ohne dass man auch nur einen Autor dafür bräuchte, und die Zensur wird eine fortlaufende.

    Werbeeinblendungen bringen nur die allerneusten Produkte, so dass niemand sich mehr fragen muss, was um Himmels willen denn z.B. Raider eigentlich war. Oder Imi oder so.

    Niemand raucht mehr bei Chandler oder Hammett, kein Husten verrät mehr den Detektiv – und wenn dann der Strom ausfällt, können wir uns diese Geschichten alle dann am Lagerfeuer erzählen.

    Das wird bestimmt nett.

  6. Ich verstehe nicht warum, dass Geld nicht einfach zur Erweiterung der vorhandenen Bibliotheken verwendet werden. Ich denke jede Bibliothek begrüßt es, wenn Sie Geld bekommt um ihre Online-Angebote auszuweiten. Zudem bestehen dort schon Strukturen, Personal und Erfahrungen in dem Bereich ausleihen von Büchern und Medien. Die Verleihe von EBook-Readern und das Bereitstellen von PCs ist hier relativ einfach zu integrieren. Zudem ist auch das Know-How der Recherche und Informationsvermittlung vorhanden.

  7. Find ich super. Ein Think Tank für die Zukunft der Bibliotheken. Wer glaubt die Zukunft geht woanders hin, lebt in der Vergangenheit. Sobald das DRM-Problem und die Technik in ein paar Jahren noch benutzerfreundlicher geworden ist, kann so richtig Vollgas gegeben werden.

    @Win’ner
    Den Umstand mit der Fachliteratur hat Apple bsp. erkannt und will deswegen ja die Erstellung von Lehrbüchern mit geeigneter Software fördern. Wenn Apple was sinnvolles vorlegt, werden andere Produzenten von Content (oder Rahmenbedingungen) nachziehen)

    @tom
    E-Book Reader können auch Tablets sein…mit Farbe, Videos, Ton. Was ein Mehrwert wird da möglich!

    Wünschenswert ist natürlich ein Ausbau des Service: laden von ebooks mit dem eigenem Reader (von mir aus auch DRM geschützt – aber bitte im Format ePub) bsp. und Ausleihe über entsprechende Apps (von mir aus auch mit künstlicher Verknappung durch Exemplare und Vormerkung). Leider ist die Onleihe in Deutschland in diesem Punkt ein schlecht umgesetzter Scherz und die Vertriebspolitik der Verlage ein Klotz am Bein. Vielleicht kommen jetzt die richtigen Impulse aus dem Ausland.

  8. Ebooks sind sicher eine nette Erweiterung für die Reisebibliothek. Wenn man nicht ständig ein großes Tafelwerk o. Ä. mitnehmen will. Aber eine Bibliothek wird es nie ersetzen können.
    Mal nebenbei ist die oben genannte “Bibliothek” höchstens ein Technikverleih.
    Die Reader können mit Sicherheit nicht mit der Haltbarkeit konventioneller Bücher mithalten. An der Uni haben wir Grundlagenwerke aus der 1980’ern. Die Bücher wurden schon von tausenden Menschen gelesen und die Informationen sind nach wie vor lesbar. Ich will nicht wissen wie der Ebookreader nach 20 Jahren Benutzung aussieht. Zumal man in vielen Fällen mehrere Bücher vor sich liegen hat um Dinge zu vergleichen etc. Wenn ich aber nur einen Ebookreader habe, kann ich mir auch nur ein Buch zum gleichen Zeitpunkt angucken. Das ist für ernsthaftes Arbeiten totaler Schwachsinn.
    Was da in Texas passiert ist kein Schritt in die Zukunft, sondern eine Werbeaktion für Ebookreader. Anstatt irgendwelchen technischen Schnulli anzuschaffen, sollten sie lieber die Bibliothek um Arbeitsplatze und Buchboxen erweitern. Dann kann man die schweren Bücher auch in der Bibliothek einschließen um mit ihnen an Ort und Stelle zu arbeiten.

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