Atommüll soll durch Neutronenbeschuss ungefährlicher werden

akw

Die Energiegewinnung durch Kernspaltung hat neben einigen Vorteilen (kein, bzw. vernachlässigbarer CO2-Ausstoß, witterungsunabhängig) auch zwei gravierende Nachteile: Der Reaktor selbst ist eine Gefahrenquelle (siehe Fukushima und Tschernobyl) und der Abfall, der dabei entsteht, muss mehr als 100.000 Jahre lang sicher in einem Endlager verwahrt werden. Ein neues Verfahren mit dem Namen „Partitioning & Transmutation“ soll eine Teillösung des zweiten Problems bringen. Der damit behandelte Atommüll wäre schon nach rund 1000 Jahren wieder harmlos.

„Radiotoxizität“ wird die Maßzahl genannt, die die Gefährlichkeit radioaktiver Stoffe für Lebewesen wiedergibt. In diese Zahl fließt die Art der Strahlung (Alpha, Beta oder Gamma) ebenso ein wie die Stärke der Strahlung und die durchschnittliche Verweildauer des strahlenden Stoffes im Körper. Atommüll wird dann als harmlos eingestuft, wenn seine Radiotoxizität auf jenes Maß abgesunken ist, das man bei natürlich vorkommendem Uranerz findet. Dieses natürliche Uran strahlt zwar auch noch recht beachtlich, aber es ist ein Teil der Natur und damit leben wir schon seit es uns gibt.

Bis abgebrannte Brennstäbe aus einem Atomkraftwerk auf diese Stufe abgeklungen sind, vergehen rund 100.000 Jahre. Zum Vergleich: Vor 100.000 Jahren wohnten unsere Vorfahren in Höhlen, kannten keine Schrift und sie teilten sich den Lebensraum mit anderen Menschen-Arten die inzwischen alle ausgestorben sind, wie z.B. dem Neandertaler. Wir stehen also vor dem Problem, dass wir eine tödliche Substanz für einen unüberschaubar langen Zeitraum vor unseren neugierigen Nachkommen schützen müssen.

Die Wiederaufbereitung der Brennstäbe, wie sie z.B. in Frankreich praktiziert wird, entschärft das Problem bereits, weil die stark strahlenden Stoffe von den schwächer strahlenden getrennt werden. Aus den stark strahlenden kann man neue Brennstäbe machen, und der weniger heftig strahlende Teil kommt ins Endlager und ist nach „nur mehr“ 10.000 bis 20.000 Jahren so „harmlos“ wie natürlich vorkommendes Uran.

Bei der Partitionierung, dem ersten Schritt des neuen Verfahrens, wird mit chemischen Methoden der Atommüll aufgetrennt. Die langlebigen Stoffe werden von denen mit kurzer Halbwertszeit getrennt. Der wichtigere zweite Schritt ist die Transmutation. Dabei werden die Stoffe, die lange Halbwertszeiten haben, mit energiereichen Neutronen beschossen. Dieser Beschuss führt dazu, dass sich die langlebigen Elemente in andere chemische Elemente mit kürzeren Halbwertszeiten umwandeln.

Dadurch entstehen Stoffe, deren Radiotoxizität schon nach wenigen Jahrhunderten auf den Wert von natürlichem Uran abgesunken sein könnte. Die Dauer, für die der Müll endgelagert werden müsste, sinkt auf 300 bis 3000 Jahre, je nachdem, wie effizient das Verfahren arbeitet. Ganz ums Endlager kommt man also auch mit dieser Methode nicht herum, aber es muss weniger Abfall dort gelagert werden (nämlich nur mehr rund ein Zehntel der jetzt anfallenden Menge) und die Gefahr, dass unsere Nachfahren während der heißen Phase an den Müll rankommen ist geringer.

Joachim Nebel, Concata Fazio, Werner Maschek und Walter Tromm vom Karlsruher Institut für Technologie erproben bereits eine Versuchsanlage, bei der das Kühlmittel (eine 550°C heiße Schmelze aus Blei und Wismut) gleichzeitig die Neutronenquelle ist.

[Spektrum der Wissenschaft]

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  1. Welch demagogischer Artikel, soll hier die Verharmlosung von Kernspaltung wieder in Gang gebracht werden??? Welche „Spende“ hat gizmodo hierfür erhalten?
    Abgesehen von den immens hohen Energiekosten, die für den Neutronenbeschuss anstehen, die wer genau zahlt, ach ja der Steuerzahler oder der Energieverbraucher(der ja dann wieder der Steuerzahler ist), was geschieht mit den Brennstäben die dann wieder hergenommen werden und dann verbraucht sind??? Milchmädchenrechnung, Desinformation, Verharmlosung, nichts anderes ist dieser Artikel.

    1. Lieber Manontree,
      Gizmodo hat dafür natürlich nichts bekommen. Ich habe einen Artikel zusammengefasst, der in der aktuellen Ausgabe des renomierten Wissenschaftsmagazins „Spektrum der Wissenschaft“ (Heft Februar 2013) als Titelthema erschienen ist (siehe Quellenangabe im Artikel).
      In meinem Artikel wird die vorgestellte Methode lediglich vorgestellt, aber nicht bewertet. Weder positiv noch negativ. Dass Atomenergie gefährlich ist, ist allgemein bekannt und wurde von mir im Artikel auch mehrfach angesprochen. Die beschriebene Methode kann vielleicht helfen, eine der Gefahren abzuschwächen.
      Was die Methode kostet weiß ich nicht. Aber ich weiß wer das bezahlen wird: Nicht die Steuerzahler, sondern die Konsumenten von Atomstrom. Wenn du keinen Atomstrom konsumieren willst, dann wechsle zu einem Energieanbieter, der seine Energie nur von konventionellen Kraftwerken bezieht. Es gibt auch reine Öko-Anbieter, die nur von ökologisch unbedenklichen Lieferanten Energie beziehen.
      Der Strom, der durch die Leitungen fließt, kann zwar nicht einem bestimmten Kraftwerk zugeordnet werden, dein Geld aber schon. Wenn alle Bürger ihren Strom von atomstrom-freien Anbietern beziehen, bekommen die Atomkraftwerke kein Geld mehr und müssen zusperren.

      1. „Was die Methode kostet weiß ich nicht. Aber ich weiß wer das bezahlen wird: Nicht die Steuerzahler, sondern die Konsumenten von Atomstrom.“

        Das glaubst du ja wohl selbst nicht!? Wer bezahlt den die aktuellen Castor Transporte? Und die „Suche“ nach einem „geeigneten“ Endlager? Etwa die Konsumenten von Atomstrom? Oder besser noch die Betreiber von AKW´s?? Nein das und alles andere wird schön der allgemeinheit bzw. dem Steuerzahler auf´s Auge gedrückt, egal was für ein Strom er bezieht und daran wird sich auch nichts ändern… wo kämen wir denn auch hin wenn die grossen Energie konzerne für diese Kosten aufkommen müssten? Dann wär ja Atomstrom auf einmal gar nicht mehr so billig! Am ende würden die Konsumenten tatsächlich noch auf Öko Strom umsteigen und da sind ja die Gewinnmargen für die Konzerne wiederum nicht so hoch! …zum Glück wird die Atomlobby das zu verhindern wissen! Die Wirtschaft muss ja wachsen und da sind ja bestimmt auch Arbeitsplätze gefährdet ;)

        @Manontree:
        Geld wird wenn es soweit ist fließen aber wohl kaum an Gizmodo…

      2. Daß »Atomenergie gefährlich ist, ist allgemein bekannt«, behauptet der Artikel. Sagen wir lieber: ist eine allgemeine Annahme. Die Zahlen sprechen eine völlig andere Sprache, nämlich wenn man sich anschaut, wieviele Opfer die verschiedenen Energiearten fordern, und zwar jeweils bezogen auf eine produzierte Strommenge von einer Terawattstunde (TWh). Der Sydney Morning Herald hat die Ergebnisse verschiedener Studien in http://www.smh.com.au/comment/want-to-kill-fewer-people-go-nuclear-20130710-2pqbq.html zusammengefaßt und nennt die die folgenden Zahlen für Tote pro TWh.

        Kohle: 100; Öl: 36; Biogas/-treibstoff: 12; Erdgas: 4; Wasserkraft: 1,4; Solarenergie: 0,44; Windkraft: 0,15; Kernenergie: 0,04.

        Damit ist Kernenergie nicht nur sicherer, als die meisten dachten, sondern auch noch von sämtlichen Energiearten die sicherste.

  2. Moin Moin,
    kommt den alle Jahre wieder die Mähr von der Transmutation?
    Ich kenne kein Land der Erde die auf dieses Verfahren der Atommüll-Endsorgung setzt. Aber in regelmäßigen Abständen wird von der „Neuenddeckung“ der Transmutation berichtet. Und bislang ist es denn auch immer nur in Laborversuchen gelungen.
    Ich denke über diese Leute wurde schon im Mittelalter berichtet: da hießen sie Alchimisten (http://de.wikipedia.org/wiki/Alchemie). Bei denen ist wenigstens noch was brauchbares raus gekommen. Der mir geläufigstes war Johann Friedrich Böttger, und der hat mit seinem „weißen Gold“ wenigstens seinem Arbeitgeber damit was brauchbares abgeliefert. Aber wenn man sich anschaut wer die Verfasser sind und deren Arbeitgeber dann kann man auch erkennen was die sich als Ergebnis wünschen. Und nein ich glaube nicht das dem Herrn Schölnast Geld zugeflossen ist, denn dann würde meine Auffassung von der aufklärenden und freien Presse zusammenbrechen. Bei den Verfassern und deren Arbeitgebern sehe ich es anders! Und die Kosten für „das Endlager“ werden noch unseren Enkeln und deren Nachkommen aufgehalst, obwohl unsere Generation dieses Verbrechen begangen hat. Aber es hat ja immer schon Leute (Politiker) gegeben die den Versprechen von anderen Leuten (Profiteure) aufgesessen sind. Oder sollte da meine Welt schon wieder zusammenbrechen? Und diese Herren doch nur das „Beste“ wollten? Geschichte wiederholt sich, mal schneller, mal langsamer!

  3. Nun müßte aber erst 10 Mrd Euro für die Rückholung des Atomdrecks aus Asse aufgewändet werden. Und wer zahlt die Mrd für die Forschung u. den späteren Betrieb der Transmutation? Die Verursacher des Atommülls????

  4. ich finde es ein wenig verstörend wenn man den Neandertalerals Beispiel anführt, wenn es den sesshaften Menschen erst seit ungefähr 20.000 Jahren gibt.
    Wenn man dann noch vergleicht, dass es die ersten Hochkulturen erst vor ca. 5500 Jahren gab und diese Zeitspanne uns immer noch unverantwortlich erscheint, finde ich es schon dramatisch mit solch großen Zahlen zu spielen und somit ihr wahres Ausmaß dem geneigten Leser herunterzuspielen.
    Hier wird bewusst mit vielen Adjektiven wie harmlos um sich geworfen um dem Leser ein wohliges Gefüjl beim lesen unterzujubeln. Es sollte in diesem Artikel meiner Meinung nach also noch viel stärker herausgestellt werden wie groß das die Gefahr trotz allem noch bleibt.

    LG

    http://www.wissen.de/thema/die-ersten-hochkulturen-5500-2600-v-chr
    http://de.wikipedia.org/wiki/Sesshaftigkeit

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