Riesiges Planeten-Baby entdeckt

protoplanet2g

Wissenschaftlern ist es gelungen, einen Proto-Planeten, also einen gerade entstehenden Planeten, in der Staub- und Gas-Scheibe eines ebenfalls gerade entstehenden Sterns zu beobachten.

„HD 100546“ heißt der 337 Lichtjahre entfernte Stern im Sternbild Fliege am Südhimmel. Er ist den Astronomen schon länger bekannt, und er weißt alle Merkmale eines sehr jungen, sich gerade erst bildenden Sterns auf. Er ist vermutlich erst wenige Millionen Jahre alt (zum Vergleich: unsere Sonne hat rund 4,5 Milliarden Jahre auf dem Buckel) und bildet das Zentrum einer beeindruckend großen Scheibe aus Staub und Gas, die dreimal so groß ist wie bei vergleichbaren Sternen und daher gut mit Teleskopen beobachtet werden kann.

Aufgefallen ist diese Staubscheibe schon vor zwei Jahren, weil sie ungewöhnliche Asymmetrien aufweist, die es bei einer homogenen Staubscheibe eigentlich nicht geben dürfte. Nun hat man aber die mutmaßliche Ursache für diese Störung entdeckt: Ein heller Lichtpunkt umkreist in einem Abstand, der dem 70-fachen des Abstands Sonne-Erde entspricht, das Zentrum der Scheibe. Helligkeit und Größe des Punktes, und noch einige andere Parameter lassen darauf schließen, dass es sich dabei tatsächlich um einen Protoplaneten handelt, also um eine Zusammenklumpung von Staub und Gasen, die gerade dabei ist, noch mehr Staub und Gase einzufangen, um zu einem richtigen Planeten zu werden, nämlich zu einem großen Gasriesen. Kleinere Planten würden nämlich in dieser Entfernung von der Erde auch mit modernen Teleskopen nicht sichtbar sein.

Es wird vermutet, dass dieser Klumpen gerade mal 100.000 Jahre alt sein könnte, ein Wimpernschlag gemessen an astronomischen Zeiträumen. Damit wäre der Baby-Planet etwa gleich alt wie die Menschheit. Sonderbar ist nur der große Abstand vom zentralen Stern. Gängige Theorien sagen die Entstehung von Gasriesen viel weiter innen in der Staubscheibe voraus. Das kann entweder bedeuten, dass die bisherigen Hypothesen durch bessere zu ersetzen sind, oder dass der Planet doch nicht so jung ist wie er scheint. Vielleicht hat er sich schon viel früher weiter innen gebildet und wurde dann durch einen anderen Planeten auf die äußere Bahn abgelenkt. Allerdings fehlt jede Spur dieses zweiten Planeten.

Sacha Quanz von der ETH Zürich, der als erster über diesen Protoplaneten berichtet hat, spricht sich daher auch dafür aus, dieses Objekt über einen längeren Zeitraum zu beobachten, um anhand der Beobachtungsdaten dann eine Entscheidung zwischen mehreren Erklärungsmodellen treffen zu können.

[scinexx.de]

Tags :

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Advertising