Test – Ni No Kuni: Der Fluch der weißen Königin

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Ni No Kuni für die PS3 entführt den Spieler in ein Old-School-Japan-RPG der Extraklasse. Hier stimmt fast alles: knuffige Charaktere, stimmige Atmosphäre, abwechslungsreicher Spielverlauf und kinoreife Ziwschensequenzen. Doch wo viel Licht ist findet sich auch Schatten. Unser Review zu Ni No Kuni.

Was für ein tragischer Start ins Spielgeschehen! Der kleine Durchschnittsjunge Oliver wird von seiner Mutter vor dem Ertrinken gerettet. Doch die Rettungsaktion bleibt für Olivers Mutter nicht ohne Folgen. Sie erleidet kurz darauf einen Herzinfarkt und stirbt. Der am Boden zerstörte Oliver zieht sich daraufhin zurück. Erst als sein Plüschtier Tröpfchen nach den Kontakt mit Olivers Tränen zum Leben erwacht und ihm verspricht, dass es eine Möglichkeit gibt, Olivers Mutter wieder zurück in das Reich der Lebenden zu holen, werden Olivers Lebensgeister wieder geweckt. Zu zweit ziehen sie in die fremde Welt „Ni No Kuni“ um sie von der bösen weißen Königin zu befreien. Auf seiner langen Reise verändert er nicht nur sein eigenes Schicksal, sondern auch das von unzähligen Einwohnern Ni No Kunis. Die Geschichte von Ni No Kuni wirkt zunächst etwas hausbacken, ist aber herzerwärmend erzählt. Auch sorgen viele Wendungen dafür, dass das RPG bis zum Ende fesselt.

Ni No Kunis Zuckerguss

ni no kuni 02Verantwortlich für dieses zuckersüße Game zeichnen sich die Entwickler von Level-5 und die Zeichner sowie Geschichtenerzähler von Studio Ghibli. Während die japanische Spielschmiede Level-5 wahrscheinlich nur Gaming-Insidern ein Begriff ist, sollte Studio Ghibli jeder kennen. Schließlich produzierten die Japaner selbst hier erfolgreiche Anime-Filme wie „Prinzessin Mononoke“, „Das wandelnde Schloss“ und „Chihiros Reise ins Zauberland“. Zuletzt genannter Streifen gewann 2003 gar einen Oscar in der Kategorie „Bester Animationsfilm“.

Und tatsächlich merkt man Ni No Kuni Studio Ghiblis Handschrift in jeder Szene an – zumindest optisch. Denn kratzt man etwas an der bunten Oberfläche wirken einige Charaktere doch etwas austauschbar. Allen voran der Protagonist Oliver. Der Waisenjunge ist schlicht zu gutmütig, ihm mangelt es an jeglichen Ecken und Kanten. Das passt zwar zur Geschichte, schließlich kann nur der Reinherzige Ni No Kuni vom Bösen befreien, aber langweilt doch recht schnell. Zum Glück hat er den frechen Tröpfchen zur Seite. Die untypische Fee (wie nennt man eigentlich eine männliche Fee?) mit dem Laternenring durch die Nase ist schnippisch, ungehalten und pointiert. Wären doch nur alle Figuren so fein ausgearbeitet!

It`all about emotions!

ni no kuni 05Wie ein roter Faden zieht sich das Thema „Emotionen“ durch Ni No Kuni. Das startet mit dem mitreisend erzählten Verlust von Olivers Mutter und setzt sich im gesamten Spielverlauf fort. So hilft Oliver allerlei Bewohnern von Ni No Kuni denen eine gewisse emotionale Eigenschaft wie Mut oder Enthusiasmus fehlt. Dafür zwackt er Mitmenschen mit einem Übermaß der jeweiligen Emotion nach deren Einverständnis einen Teil davon ab und gibt es an die Bedürftigen weiter. Das ist in der Art neu und hat uns richtig gut gefallen.

Selbstverständlich gibt es aber auch Standard-Quests wie „säubere dieses Dungeon“ oder „Suche XY und bringe es zu mir“. Insgesamt bietet Ni No Kuni jede Menge Abwechlung, auch wenn der Spielverlauf für heutige Verhältnisse etwas zu langsam voran schreitet. Ni No Kuni sieht sich hier in der Tradition von RPG-Klassikern wie Secret of Mana oder die frühen Final Fantasy Teile. Das muss man mögen. Einige wird es positiv an alte Videospielzeiten erinnern, andere schalten aus und spielen eine Runde Modern Warfare oder God of War.

Knuffiges Monstermetzeln

ni no kuni 03Beim Erkunden der Welt von Ni No Kuni werdet ihr hunderte Kämpfe gegen knuffige aber meist nicht zu unterschätzende Gegner absolvieren müssen. Diese Kämpfe sind eine gelungene Mischung aus Echtzeit und Rundenstrategie. Ihr rennt um den Gegner und weicht direkt seinen Angriffen aus während ihr euch für einen passenden Angriff entscheidet. Jede Aktion besitzt eine gewisse Abklingzeit bevor sie ein weiteres Mal angewendet werden kann. Dieses Element bringt eine gewisse taktische Tiefe ins Monstergeschnetzel.

Allerdings solltet ihr hier nicht viel erwarten. Meist verlaufen die Kämpfe nach „Schema F“. Richtig hektisch wird es wenn eure Gruppe mit zwei Mitstreitern und ihren Pokemon-ähnlichen Seelenverwandte vollständig ist und ihr gegen mehrere Monster kämpft. Wenn zehn kleine Fuguren durchs Bild wuseln geht bei einem Kampf schnell die Übersicht verloren. Etwas enttäuscht waren wir von den Bosskämpfen die uns selten richtig fordern konnten. Auch die Kampf- und Siegesanimationen nervten nach dem tausendsten Mal, auch wenn sie an sich unglaublich geschmeidig realisiert wurden.

Grafik aus einer anderen (Rollenspiel-)Welt

ni no kuni 06Überhaupt ist die Grafik ein wahre Pracht und lässt ähnliche Spiele vor Neid erblassen! Nicht nur die Hauptcharaktere, auch die unzähligen Nebenfiguren sind mit derart viel Liebe zum Detail gezeichnet und animiert, dass man meist gar nicht anders kann als sie in sein Herz zu schließen. Auch die abwechslungsreichen Umgebungen strotzen nur so vor kleinen Details die selbst die mürrischsten Mitmenschen in ihren Bann ziehen wird.

Die Klangkulisse passt wie die Faust aufs Auge und nervt (fast) nie. Die Sprachausgabe lässt sich leider nur auf Japanisch und Englisch stellen – alles Geschriebene erscheint auf Wunsch auf Deutsch. Ein kleiner Kritikpunkt: Die Entwickler hätten gerne mehr synchronisieren können. Vor allem im Mittelteil fängt man an die hervorragenden Synchronsprecher zu vermissen, die leider nur in den Studio Ghibli typisch animierten Zwischensequenzen zu Wort kommen. Die schriftliche Übersetzung im Spiel ist übrigens ganz hervorragend gelungen. Die Übersetzer haben die kleine Meisterleistung vollbracht richtig viel Wortwitz in ihre Texte zu legen. Kompliment!

Fazit

Es war mit eine große Freude mit Oliver Ni No Kuni zu besuchen! Ich kann das Game nicht nur jedem ans Herz legen, der sich an die goldenen Zeiten der Nippon-RPGs zurück erinnert fühlen will. Auch RPG-Neulinge werden an Ni No Kuni ihre Freude haben – eine gewisse Geduld vorausgesetzt. Denn Ni No Kuni gehört zu den besten typisch japanischen Rollenspielen die jemals produziert wurden. Auch wenn ich im Text an einigen Stellen gemeckert habe, weil ich das Gefühl hatte hier wäre noch mehr drin gewesen, ist dies Meckern auf allerhöchstem Niveau. Level 5 & Studio Ghibli – Herzlichen Glückwunsch zu diesem Klassiker!

GizRank: 4,5 von 5 Sternen

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PS.: Ni No Kuni ist mit all seinen Funktionen und Features derart umfangreich, dass wir hier nur auf einen Bruchteil eingehen konnten. Viel mehr Informationen zum Beispiel zu den Seelenverwandten, zur Magie oder zu dem großartigen Zauberbuch findet ihr auf der offiziellen Homepage von ni No Kuni.

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