Wie man das Gehirn dazu bringt unsere Hände mit Luft zu verwechseln

Invisible-hand-illusion

Du kennst deine Hand? Fünf Finger, kann greifen und tragen. Irgendwie recht simpel, oder? Aber nicht für dein Gehirn. Das checkt nämlich ständig was genau deine Hand ist und was nicht. Und dabei kann man es austricksen. Der Trick mit der Gummihand, die man für die eigene Hand hält, ist ein alter Hut. Der neue Trick ist noch viel unglaublicher!

Arvid Guterstam, Giovanni Gentile und Henrik Ehrsson vom Karolinska Institut in Schweden stellten bei einem Experiment mit Gummihänden fest, dass man dem menschlichen Gehirn Tast-Wahrnehmungen vorgaukeln kann obwohl die Hand von nichts und niemandem berührt wird.

Das Experiment geht so: Auf einem Tisch vor dem Probanden liegt eine Gummihand in einer Position die auch die echte Hand einnehmen könnte. Die echte Hand liegt daneben, ist aber durch einen Karton oder ein Tuch vom Probanden aus nicht sichtbar. Der Versuchsleiter berührt nun in regelmäßigen Abständen zugleich die Gummihand und die echte Hand an jeweils derselben Stelle. Man sieht also die Gummihand, sieht wie und wo sie berührt wird, und fühlt diese Berührung auch tatsächlich an derselben Stelle an der echten Hand, weil die echte Hand ja auch tatsächlich berührt wird.

Das bringt nun unser Gehirn dazu zu glauben, die Gummihand wäre die echte Hand. Das geht nach einiger Zeit sogar so weit, dass man tatsächlich Berührungen an der Hand spürt wenn nur die Gummihand berührt wird. Man sieht dass die Hand berührt wird, und das Gehirn erwartet einen gleichzeitigen Tast-Reiz, den es aber diesmal nicht gibt. Aber anstatt dem Bewusstsein zu melden: „Ich habe etwas gesehen, aber dabei nichts gespürt“ lügt es das Bewusstsein an und sagt: „Ich habe gesehen dass die Hand berührt wurde und ja, ich habe es natürlich auch gespürt.“

Bis hierher war der Trick ja schon bekannt und ist mittlerweile ein alter Hut. Aber die schwedischen Forscher gingen noch einen Schritt weiter. Die Forscher ließen einfach im ganzen Experiment die Gummihand weg und berührten stattdessen bestimmte Stellen in der Luft, nämlich genau dort wo die Gummihand liegen würde wenn es sie gäbe.

Und das unglaubliche dabei: Es funktioniert trotzdem! Nochmal zum Mitdenken (siehe Bild): Ein Proband sitzt an einem Tisch, seine Hand liegt etwas abseits auf dem Tisch, der Proband kann sie wegen einer Sichtblende aber nicht sehen. Der Versuchsleiter berührt hinter der Sichtblende die Hand und „berührt“ gleichzeitig direkt vor dem Probanden – nichts.

Wenn da eine Gummihand liegen würde, hätte der Versuchsleiter die Gummihand berührt, aber da ist nur der leere Tisch, und das können alle gut sehen. Und so tippt der Versuchsleiter geduldig immer zugleich auf die echte aber unsichtbare Hand des Probanden und auf eine leere Stelle wenige Zentimeter über der Tischplatte. Und nach einer genügend langen Zeit hält das Gehirn die Luft über dem Tisch tatsächlich für die eigene Hand. Dass man klar und deutlich sehen kann dass da nichts ist, und dass man natürlich weiß, dass die Hand in Wahrheit ein paar Zentimeter daneben hinter dem Karton liegt, ist dem Gehirn dabei herzlich egal.

Sticht man nämlich mit einem spitzen Messer in das Luft-Areal das für die Hand gehalten wird, spürt man nicht nur den Schmerz, sondern es erhöht sich in diesem Augenblick auch die Schweiß-Produktion und auch alle anderen Körperreaktionen zeigen klar an, dass der Stich in die Luft wie ein Stich in die echte Hand wahrgenommen wird.

[National Geographic via Gizmodo.com]

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