Injustice – Götter unter uns (Wii U) im Test

Injustice - Gods among us, via injustice.com

Injustice - Götter unter uns für Wii U erschien mit wenigen Tagen Verspätung nach den anderen Plattform-Ablegern am 26. April. Seitdem verging genug Zeit für einen ausführlichen Test des DC-Prüglers der Mortal Combat-Macher. Was das Spiel zum Leckerbissen macht, lest ihr im Test.

 

Die Story von Injustice

Die meisten Beat ’em Ups spinnen eine Geschichte, soweit sie existiert, um die Kämpfe, um das Spiel vermeintlich aufzuwerten. Dass so manch verkorkste Story daraus hervorgeht, verwundert dann noch kaum. Anders verhält es sich bei Injustice: Die Handlung des Einspielermodus bietet rund 50 Kämpfe und wurde vor allem von den Autoren Justin Gray und Jimmy Palmiotti erdacht und könnte beinahe einen Comic füllen. Um die verwobene und anfangs schlichtweg verwirrende Geschichte zu verstehen, muss man sich erst einige Zeit mit dem Spiel beschäftigen:

Metropolis ist zerstört – Tausende sind tot. Der Joker hat eine Atombombe in der Stadt gezündet und alles in Schutt und Asche gelegt. Durch einen Hinterhalt von Batmans Erzfeind verlieren auch Lois Lane und Supermans Sohn ihr Leben. Geblendet vor Wut und Verzweiflung greift der Mann aus Stahl zum äußersten. Fortan baut er das totalitäre „Eine Welt“-Regierungssystem auf und unterdrückt den Planeten. Dimensionswechsel: Der Joker ist kurz davor, den nuklearen Sprengkopf zu zünden. Bevor Batman und Co. ihn daran hindern können, werden sie alle in die Parallelwelt gezogen, in der Superman bereits regiert. Dort finden sie in ehemaligen Feinden Verbündete oder müssen sich den bösen Ebenbildern ihrer Freunde stellen. Eine packende, nach und nach greifbarere Geschichte entsteht.

Kenntnisse aus dem DC-Universum sind nicht unbedingt nötig, helfen aber sichtlich schneller, sich auf die verwobene Handlung einzulassen. Sie wird über die aufwendigen Sequenzen erzählt, die die Konfrontationen der Charaktere erklärt, bzw. einleitet. Sie sind meist nachvollziehbar, wirken aber vereinzelt gewollt. Nichtsdestotrotz haben sich die Entwickler um eine gute deutsche Synchronisation gekümmert. Womöglich ungleiche Kontrahenten weiß die Story auszugleichen: Durch eine Wunderpille, die zusätzliche Stärke und Resistenz verleit, kann es Green Arrow durchaus mit Doomsday aufnehmen.

 

Umfangreiche Modi

Neben dem Story bietet der Einzelspieler Kämpfe unter bestimmten Voraussetzungen (z.B. nur Helden oder nur Schurken), den mit einem Arcade-Modus vergleichbaren Einzelkampf, der je nach Charakter eine Minigeschichte erzählt, das Training inklusive Tutorials sowie die S.T.A.R.-Laps Missionen. Dies sind sehr kurzweilige Aufgaben, die nicht immer unbedingt auf Kämpfe ausgelegt sind. So müsst ihr beispielsweise als Superman Bürger vor herannahenden Trümmerteilen bewahren, Situationen durch das Drücken bestimmter Tasten durchstehen oder 20 Sekunden überleben, ohne einen Treffer zu kassieren. Zweispielerpartien lassen sich lokal oder online ausfechten. Viele Boni sorgen für Langzeitmotivation. In Injustice lassen sich Dekorationen für die eigene Heldenkarte freischalten, neue Herausforderungen, Konzeptskizzen, Hintergrundinformationen, Kostüme, usw. Künftig sollen sogar zusätzliche Kämpfer als Download bereit gestellt werden. Zwar gab es seitens der Entwickler für die Wii U-Version noch keine offizielle Bestätigung darüber, Nintendo kündete dies aber in einer seiner Direct-Ausgaben an. So werden demnächst, vorerst für PS3 und Xbox 360 Lobo und Batgirl ladbar sein, um sich in die Riege aus ursprünglich 24 wählbaren Figuren einzureihen.

Injustice, via denofgeek.us

Lobo wurde als erster zusätzlicher Charakter angekündigt. Ihm wird Batgirl folgen.

Steuerung und Gameplay

Ein Prügelspiel ohne vernünftig ausgeklügelte Steuerung kann das komplette Spiel schnell in die Ramschtheken verbannen. Die Verbindung von Injustice zu Mortal Kombat lässt sich trotz abgeänderter Steuerung dennoch spüren. Hier wurde überlegt und eine ordentliche Spielmechanik abgeliefert. Einzig störend fiel das Springen durch einen nach oben gedrückten Stick auf. Gerade Kombos, von denen es in Injustice weder zu viele, noch zu wenige gibt, die eine Drehbewegung des Analogsticks erfordern, scheitern gelegentlich, da der Held sich in die Luft erhebt. Auch das Blocken funktioniert nicht mittels Tastendrück. Um gegnerische Salven und Fäuste abzuwehren müsst ihr euch von ihm weg bewegen oder ducken. Das wirkt anfangs befremdlich, funktioniert nach etwas Übung aber ganz passabel.

Neben Standardschlägen, Griffen und Kombos verfügen Hawkgirl, Killerfrost und Co. über individuelle Spezialangriffe. Der Einsatz solcher füllt nach und nach eure Superleiste. Ist sie gefüllt, könnt ihr zum gewaltigen Super-Angriff ausholen, der enormen Schaden verursacht. Diese sind jedes Mal spektakulär inszeniert. Habt ihr Erfolg und trefft den Gegner, betäubt ihn beispielsweise Batman mittels Gasgranate, verpasst ihm einen elektrischen Stoß, wirft einen Baterang nach ihm und springt in letzter Sekunde nach oben, um den Gegner die Motorhaube des Batmobils schmecken zu lassen. Superman hingegen befördert den Herausforderer mit einem Kinnhaken in die Umlaufbahn, fliegt hinterher und schleudert ihn zurück. Es macht jedes mal Spaß, diesen gewaltigen Angriffen zuzusehen – und die Lebensanzeige schrumpfen zu sehen.

Apropos: Wurde davon der erste Balken hinfort geprügelt, habt ihr die Chance zum Konflikt, sobald ihr einen Treffer einsteckt. Die Kontrahenten spotten kurz, laufen aufeinander zu und werden von einer Druckwelle erfasst. Ihr habt nur kurz Zeit, einen Teil eurer Superleiste zu verwetten. Je nachdem wer als Sieger hervor geht, kann als Angreifer extra Schaden verursachen oder als Verteidiger einen Teil seiner Lebensenergie regenerieren.

Zusätzlich könnt ihr die vielfältigen Arenen von Injustice zweckentfremden und gewaltige Gegenstände auf euren Gegner schleudern. Die Einbindung der Umgebung ist sehr intuitiv und fügt sich reibungslos in das Gameplay ein. Ebenso herrlich übertrieben wie die Superangriffe sind die Würfe in andere Ebenen der Arenen inszeniert. Die Umgebung bietet also viele Möglichkeiten zur Interaktion.

Injustice - Gods among us, via injustice.com

Zahlreiche Objekte lassen sich dazu verwenden, dem Gener eins überzuziehen.

 

Kleine Wermutstropfen

Injustice – Götter unter uns ist ein sehr gutes Beat ’em Up, hat aber, vor allem auf der Wii U ein paar kleine Schwächen. Der Übergang von Cutscenes zu den Kämpfen geht nicht ohne eine optische Minderung einher. An der Optik lässt sich ablesen, wann es soweit ist, den Controller wieder in die Hand zu nehmen. Für eine bessere Steuerung empfielt sich der Gebrauch eines Gamepad Pros oder Classic Controllers, da das Gamepad bei heißen Gefechten einfach etwas zu schwer wird. Zudem kommt auf den alternativen Controllern mehr Prügel-Feeling auf.

Schade ist außerdem der vollständige Verzicht auf die Features der Wii U. Das Gamepad wird ausschließlich als zweiter Bildschirm verwendet. So könnt ihr zwar weiterzocken, wenn Mutti das Musikantenstadl sehen möchte, aber wenigstens die Menüführung hätte den Touchscreen einbinden können. Abzuwarten bleibt, ob die zusätzlichen Spielfiguren auch für Nintendos Konsole kommen werden. Alles andere wäre sehr fragwürdig. Ansonsten tun diese kleinen Mankos dem Spielspaß aber keinen Abbruch.

 

Fazit

Die Macher der Mortal Kombat-Reihe ziehen ihren Games nicht einfach nur die DC-Socke über und nennen es ein neues Spiel. Mit einer vernünftigen Story, verbesserter und individueller Spielmechanik braucht sich Injustice – Götter unter uns hinter keinem anderen Game zu verstecken. Der Umfang neben der Story ist ordentlich, die Charaktere vielfältig und die Superangriffe spektakulär. Es macht herrlich Spaß, die Arenen zu zweckentfremden. Die kleinen Wii U-spezifischen Mankos fallen nicht schwer ins Gewicht. Die DLCs wurden offiziell noch nicht für Nintendos Konsole abestätigt, nach offizieller Aussage arbeitet Warner aber mit Nintendo daran, die zusätzlichen Charaktere auf für Wii U anzubieten. Injustice – Götter unter uns ist ein solider Prügler und kann durchaus mit anderen Genrevertretern wie Tekken mithalten.

[Bilder: injustice.com]

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