Hands-On: Das superflexible DJ-System Pioneer XDJ AERO [Galerie]

pioneer xdj aero gizrank 5

Als DJ wird man seit einiger Zeit immer stärker mit neuen technischen Entwicklungen konfrontiert. Old-Schooler schwören weiterhin auf Platten und ein analoges Mischpult, doch seit dem Siegeszug von mp3 und iPod sind auch die digitalen Controller und Notebooks aus den Clubs nicht mehr wegzudenken. Pioneer hat als Premium-Hersteller von DJ-Equipment die Zeichen der Zeit längst erkannt und letztes Jahr mit dem XDJ AERO einen Controller vorgestellt, der zwar auch auf das Notebook verzichten kann, aber mit eben diesem oder einem Smartphone sein volles Potenzial entwickelt. Bei dem DJ-Equipment-Händler Electronic Star in der Berliner Kantstraße durfte ich das Gerät auf Herz und Nieren testen – und war schwer beeindruckt.

Ein bunter Strauß an Features

Der XDJ AERO fällt zwar laut dem Hersteller Pioneer in die Kategorie der Controller und ist auch als reiner MIDI-Controller mit eingebauter Soundkarte verwendbar, allerdings kann man ihn genauso gut als Stand-Alone-Gerät einsetzen. So kann man entweder Tracks von einem USB-Stick auf die Decks laden oder eine externe Audioquelle wie CD-Player oder Plattenspieler anschließen und das Gerät als Mixer nutzen; konzipiert wurde das Gerät aber für den Einsatz mit Pioneers hauseigener DJ-Management-Software rekordbox. Dieses Tool für PC sowie Android- und iOS-Smartphones und –Tablets kann verwendet werden, um auch unterwegs Tracks aus der eigenen Musikbibliothek zu organisieren und analysieren, Cue-Points und Loops vorzubereiten und Playlisten für die Sets vorzubereiten, so dass am Ende das Gerät nur noch mit dem XDJ AERO oder einem Pioneer-CD-Player verbunden werden muss und man das Set sofort starten kann.

Gerade diese Verbindung ist eine der größeren Innovationen bei diesem Controller: Er kann als WLAN-Hotspot bis zu vier Geräte drahtlos anbinden und die zu spielenden Lieder bei sehr guter Audioqualität direkt auf das Gerät streamen. Auch wenn die Verbindung zusammenbrechen sollte, ist das kein unmittelbares Problem: Als ich mein iPad als Quelle für Tracks mal bewusst außer Reichweite gebracht habe, lief der aktuelle Track trotzdem bis zum Ende durch – Zeit genug, um einen USB-Stick einzustöpseln und von dort weiterzumixen.

Verarbeitung

Was die Qualität der Hardware angeht, so sollte man bei Pioneer ja eigentlich davon ausgehen, dass nichts klappert oder knarzt und alle Fader und Knöpfe sich gut anfühlen und robust verbaut sind. Tja, was soll ich sagen – genau so ist es auch. Das kompakte Gehäuse ist solide verarbeitet und alle wichtigen Kontrollelemente fühlen sich hochwertig an und sind angenehm griffig. Die wichtigsten und vermutlich am meisten beanspruchten Teile – Jog-Wheels, Play- und Cue-Tasten sowie Pitch-Fader – sind zudem aus Metall gemacht, so dass man hier eine gewisse Langlebigkeit erwarten kann. Schade, dass die Kanal- und der Crossfader dagegen nur Plastikkappen besitzen. Die glänzende Oberfläche des Gehäuses sieht zwar an sich edel aus, allerdings sieht man jeden Fingerabdruck darauf und kann in einer Clubumgebung mit entsprechender Beleuchtung unter Umständen zu etwas nervigen Reflektionen führen – ein eher kleines Manko in einem ansonsten wirklich gut gebauten Gerät.

Bedienung

Bei meinem Test habe ich bewusst auf einen Blick in das Handbuch verzichtet – was leider ein Fehler war. Zwar hatte ich mit der grundlegenden Bedienung des Geräts und dem Mixing kein Problem, jedoch gelang es mir zunächst nicht, mein iPad mit der rekordbox-App mit dem Gerät zu verbinden, da mir das Standard-Passwort für WiFi-Netz des Geräts nicht bekannt war. Zwar bietet der XDJ-AERO auch die Möglichkeit der Verbindung per WPS-Knopf, dies wird jedoch von iOS-Geräten nicht unterstützt. Nachdem ich aber nachgeschlagen hatte, wie ich das Setup-Menü am Gerät erreiche, war das Auslesen des Passworts und der Aufbau der Verbindung kein Problem. Ich konnte die Tracks auf dem iPad aus der nach eigenen Vorstellungen sortierbaren Liste auf dem iPad auswählen und per Touch auf die jeweiligen virtuellen Decks „auflegen“ oder auch mit dem Dreh-Drück-Knopf am XDJ AERO selbst durch die Listen auf dem iPad navigieren.
Auch die Benutzung der Effekte war soweit selbsterklärend – die eingebauten Beat-Effekte orientieren sich automatisch an der entweder bei der Songanalyse ermittelten oder im Livebetrieb vom Gerät ermittelten BPM. Mit einem Drehknopf stellt man dann einfach das Geschwindigkeit des Trans-, Flanger- Echo- oder Roll-Effekts ein – von 4 Beats runter bis zu 1/16 – und mit dem anderen seine Intensität im Mix. In der Mixer-Sektion gibt es zudem einen Knopf für einen Bandpass-Filter, der coole Übergänge ermöglicht. Hier hätte ich gern noch eine Möglichkeit gehabt, den Q-Parameter des Filters anzupassen, da er mir persönlich etwas zu hoch liegt.

Test-XDJ-AERO

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XDJ AERO
Dieses DJ-System von Pioneer ist wirklich extrem flexibel, es kann mit PC, Smartphone / Tablet oder auch nur einem USB-Stick genutzt werden.

Preis und Verfügbarkeit

Da das Gerät ja schon seit ein paar Monaten auf dem Markt und in jedem gut ausgestatteten DJ-Store zu finden ist, kommen wir gleich zum leidigen Thema des Kostenpunkts. Hier kann man sich jetzt streiten, ob die 999 Euro für das Gerät doch etwas zu viel sind – ich finde nicht. Allein die hochwertige Verarbeitung des All-In-One-Geräts ist schon eine Menge wert, aber die Vielseitigkeit des Pioneer XDJ AERO dürfte dem Ganzen das Sahnehäubchen aufsetzen. Allein die Tatsache, dass er als Gebrauchtgerät bislang eher schwer zu finden ist und selbst da kaum günstiger wird, dürfte für sich sprechen.

Fazit

Ganz ehrlich? Ich habe mir wirklich Mühe gegeben, irgendwelche Nachteile an dem Gerät zu finden, doch das ist verdammt schwer. Die erwähnte glänzende Oberfläche ist ein wirklich zu vernachlässigendes Manko, da die Displays so oder so ausreichend hell sind. Einzig die Tatsache, dass zu jeder Zeit nur zwei Decks genutzt werden können und diese beim Anschluss durch externe Geräte ersetzt werden, ist vielleicht für echte Profis ein Nachteil. Gerade beim Clubeinsatz sollte man auch bedenken, dass es sich eben um ein All-In-One-Gerät handelt – wenn also mal ein Drink darin landet, ist gleich das komplette Gerät hinüber. Aber wer bisher als Bedroom-DJ bestenfalls mit einem Billigst-Controller am Notebook und exzessivem Einsatz des Sync-Buttons gearbeitet hat, dürfte beim Übergang zum Profi mit diesem Gerät aufgrund seiner extremen Flexibilität sehr viel und sehr lange Freude haben. Und im Vergleich zum Kauf von einzelnen Decks und einem Mixer sowie aller möglichen und unmöglichen Kabel und ggf. Effektgeräte sind die 999 Euro für den Pioneer XDJ Aero durchaus günstig.

Großer Dank sei an dieser Stelle noch an das nette und kompetente Team von Electronic Star in Berlin gerichtet, die geduldig Rede und Antwort und mir bei dem Test mit Wort und Tat zur Seite standen.

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