Google wischt Datenschutzbedenken bei Glass einfach beiseite

(Bild: Google)

Gestern musste sich Google einigen Fragen zum Thema Privatsphäre bei Google Glass stellen, unter anderem auch acht Fragen vom US-Kongress. Ihre sinngemäße Antwort? "Macht euch nicht ins Hemd, ihr wisst, wenn euch jemand ausspioniert, ihr Deppen."

Als Sprecher bei einer I/O Session erklärte Steve Lee, Glass‘ Produktmanager, dass die „Privatsphäre das oberste Gebot war als wir das Produkt designten.“ Er erläutert, dass erste Prototypen das Auge des Benutzers vollständig verdeckten, was sich als schlechte Idee herausstellte. Die finale Version lässt das Auge unbedeckt, damit man sieht, wohin der Benutzer schaut. Deshalb sind Bedenken hinsichtlich der Privatsphäre in den Augen von Lee eine Trivialität:

„Ihr werdet wissen, wenn jemand mit Glass euch beobachtet. Wenn ihr auf Glass schaut, schaut ihr nach oben… Wenn ich euch aufnehme, muss ich euch anstarren – als Mensch. Und wenn euch jemand anstarrt, dann müsst ihr das bemerken. Wenn in eine Toilette geht und jemand schaut nur euch an – ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich mache mich dann schleunigst aus dem Staub.“

Auch wenn das so stimmen mag, was Lee erzählt – immerhin muss man natürlich den Kopf in die entsprechende Richtung drehen, wenn man wen mit Glass beobachten will – so ist es doch ein eher lahmes Argument. Ihr könnt schließlich auch eure Augen schließen oder einfach woanders hinsehen, ohne den Kopf zu drehen oder das Gerät rooten und einfach nur zwinkern, um ein Bild zu machen.

Wenn Google also auch recht zuversichtlich bezüglich Privatsphären- und Datenschutzbedenken ist, so werden solche Argumente wohl kaum die breite Masse – vom US-Kongress mal ganz abgesehen – überzeugen können, dass man im Hause Google alles bedacht hat. Eines ist jedenfalls sicher: Die Privatsphären-Angelegenheiten lassen im Augenblick immer nur einen Schluss ziehen: Laufen. Schnell. Weit. [The Verge, Ars Technica, via Gizmodo.com]

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  1. also ich hab in meinem bekanntenkreis und mindesten 3-4 leute die sehr häufig blinzeln, fast wie ticks, ihr kennt so leute sicher auch. heisst dass das die mich die ganze zeit fotografieren wenn sie glas benutzen und ich mich mit ihnen unterhalte?

  2. mal ganz ehrlich, diese ganze datenschutz debatte geht mir sowas von auf den käse. es wäre am besten die daten würden gläsern werden. denn vom „gläsernen menschen“ sind wir dann noch immer jahrhunderte entfernt. kaum etwas, was als data erfasst wird, ist es auch nur im ansatz wert gelesen zu werden.

    mich stören die millionen smartphone kameras auch nicht, die hierzulande durch die straßen irren. gab es dazu proteste? nein. google kommt mit seiner brille einfach zu früh. der nutzen wird nicht in dem maße erkannt, wie es bei einer smartphone kamera der fall war. damals gab es auch keine diskussionen.

  3. Es reicht, wenn nur EIN Promille der Computernutzer Google Glass verwenden – und damit ihre Gegenüber „taggen“; früher oder später landen diese Daten in sozialen Netzwerken (oder beim amerikanischen Geheimdienst), und jedes Gesicht ist „erfaßt“. Zusammen mit den Fortschritten der heutigen Gesichtserkennungssoftware reicht das aus, um Überwachungskameras „abzugleichen“ oder nachträglich auszuwerten. Dann ist wirklich jeder Schritt nachvollziehbar; nehmt dazu noch die emails und Telefonate (die nach dem neuesten Bestandsdatengesetz ebenfalls ausgewertet werden können) – und jede Regierung hat die absolute Macht. Sie weiß genau, wo JEDER Bürger ist, und was er gerade macht.
    So ungefähr, wie Eltern die absolute Gewalt über Kleinkinder haben – oder Tierbesitzer über ihre Haustiere. Klar kann man auf die Demokratie (und auf die Gewaltenteilung vertrauen), aber der Fall Mollath (in Deutschland) und das „Department of Homeland Security“ (in Amerika) beweisen, daß dieses Vertrauen trügerisch ist. Und daß Google mit dieser Behörde zusammenarbeitet, hat es schon oft bewiesen.

  4. Lahm ist hier dann wohl eher die „Argumentation“ des Authors:

    „Ihr könnt schließlich auch eure Augen schließen oder einfach woanders hinsehen, ohne den Kopf zu drehen oder das Gerät rooten und einfach nur zwinkern, um ein Bild zu machen.“

    ah ja… ich nehme jemanden heimlich auf, indem ich meinen Kopf in seine Richtung drehe und dabei die Augen schließe. UNGLAUBLICH unauffällig!!! Und was hat das „Auslösen per Zwinkern“ damit zu tun?

    Johannes: Lauf. Schnell. Weit. Danke!

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