Ausprobiert: Abgehoben im Flugsimulator Berlin [Video] [Galerie]

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Wer kennt das nicht: Man hat einen wirklich tollen PC daheim, den neuesten Joystick mit vielen Buttons und natürlich einen Flugsimulator installiert. Doch trotz allem fehlt einfach was… die Atmosphäre will einfach nicht stimmen. Abhilfe schafft hier nur ein echter Flugsimulator, wie er zur Pilotenausbildung genutzt wird – sofern man das bezahlen kann. Bis vor kurzem hätte ich diesen Traum begraben… bis ich auf den Flugsimulator Berlin gestoßen bin.

Denn in Berlin-Wedding, unweit des Virchow-Klinikums, haben es sich vor fünf Jahren ein paar Enthusiasten wie auch echte Piloten zur Aufgabe gemacht, es jedem zu ermöglichen, einmal im Cockpit einer Boeing 737 zu sitzen. Mit einem Berufspiloten an der Seite kann da also jeder Hobby- und Kellerpiloten einmal das „echte Ding“ ausprobieren. Gut, es ist eben doch nur ein Simulator. Aber das Cockpit selbst hat schon so manche Flugstunde auf dem Buckel, ist es doch früher einmal ein richtiges Flugzeug gewesen. Auch die Instrumente im Innern haben schon viele Starts und Landungen erlebt: Etwa die Steuerhörner, die Schubhebel und viele der unzählbaren Schalter sind Originale, die schon unzählige Male in der Luft waren.

Und wie baut man so einen Flugsimulator? Was steckt da unter der Haube? Das Rezept erscheint relativ einfach: Man nehme einen Stammtisch am Potsdamer Platz, wo sich echte und Simulatorpiloten regelmäßig treffen. Man lasse sie eine eBay-Auktion entdecken, wo ein solches Cockpit versteigert wird. Jetzt wird es ein wenig kompliziert, aber wir haben da schon mal etwas vorbereitet: Das Cockpit aus der Auktion wurde seinerzeit aus einer abgestürzten Boeing 707 gerettet und von einem Liebhaber in mühevoller Kleinarbeit zu einem 737-Cockpit umgebaut. Zuletzt stand es in einer Ausstellung im Terminalgebäude des Flughafens Bremen. Nun kaufe und schaffe man dieses Cockpit unter großem logistischen Aufwand nach Berlin, stelle acht vernetzte PCs mit der professionellen Simulationssoftware Prepar3D darunter und mache ihn binnen zwei Tagen einsatzbereit. Über die Zeit kann man dann dies auf drei aktuelle Hochleistungsrechner zusammenschrumpfen und das Bild mit drei Beamern auf eine 180°-Panoramaleinwand bringen.

„Von Anfang an gab es ein super Kundenfeedback, es gab einen Schneeballeffekt“, erzählt Chefpilot Maik Schindler, der die Kunden vorab auf den Flug vorbereitet und sonst selbst im Kundenauftrag in einer Gulfstream G550 über den Wolken unterwegs ist. Stolz berichtet er auch, dass im Verlaufe diesen Jahres der Simulator für die Pilotenausbildung zertifiziert werden soll.

Flugsimulator Berlin

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Cockpit
Das Cockpit wurde in detailgetreuer Kleinarbeit einer echten Boeing 737-700 nachempfunden

Wer einmal selbst in diesem Simulator Platz nehmen möchte, was ich an dieser Stelle allein aufgrund des tollen Feelings und des großartigen Sounds dringend empfehlen muss, kann seinen Flug unter www.flugsimulator-berlin.de buchen. Die Preise reichen von 159 Euro für eine Stunde Flug plus 15 Minuten Briefing bis zu 399 Euro für dreieinhalb Stunden Flug, Eine Stunde Briefing und eine leckere Antipasti-Platte zur Stärkung. Dabei wird nicht nur stupide von A nach B geflogen, sondern immer auf die Kundenwünsche eingegangen: So kann von der Platzrunde bis hin zum Online-Flug mit Fluglotsen sowie allerhand Systemausfällen alles probiert werden. Wer jetzt immer noch nicht überzeugt ist, kann die Simulator-Crew auch einfach mal persönlich auf ihrer Facebook-Page ansprechen.

Ganz im Ernst, ich kann es nur dringend empfehlen. Dabei ist es übrigens völlig egal, ob man fliegerisch völlig unbedarft ist oder bereits selbst kommerzielle Airliner fliegt: Dank der Hilfe von Maik Schindler kann hier jeder zum Captain werden. Dass das wirklich funktioniert, durfte ich selbst erleben. Kleiner Spoiler vorab: Ich bin wider Erwarten nicht abgestürzt…

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