Interaktionsstudent schafft einen taktilen Comic für Blinde

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Comics und Graphic Novels sind üblicherweise ziemlich schwer in Braille zu übersetzen; normalerweise werden sie in reinen Text übersetzt oder im Audioformat wiedergegeben. Doch ist es möglich, eine visuelle Story allein durch taktile Methoden wiederzugeben? Der Berliner Interaktionsstudent Philipp Meyer glaubt dies.

Zusammen mit einem blinden Helfer und dem Kopenhagener Institut für Blinde, NOTA, verbrachte Meyer sieben Wochen mit dem Ausarbeiten und Testen eines taktilen Bilderromans komplett ohne Text. „Ich sah es als Herausforderung und eine Chance, die Möglichkeiten des taktilen Geschichtenerzählens zu ergründen“, erklärt er. „Mein Ziel war es, eine Geschichte zu schreiben, die für Leute mit und ohne Augenlicht gleichermaßen nachzuvollziehen ist.“

Meyers Buch heißt Life und erzählt die herzerwärmend einfache Geschichte vom, naja, Leben. Mit Hilfe eines Braille-Druckers und einem System geometrischer Formen erzählt das Buch die Geschichte der Geburt, des Lebens und des Todes seines Helden auf ein paar kurzen Seiten. Es ist ein simples Projekt, doch es brauchte Wochen, um das Konzept mit Hilfe einer Handvoll blinder Leser und technischer Hilfe von NOTA zu verfeinern. Meyer ist auch schnell dabei zu erklären, dass er Life nicht als Alternative zu Braille sieht – es ist ein Experiment, mehr nicht. „Ich möchte klarstellen, dass ich nicht weiß, ob dies der beste oder einzige Weg ist, einen taktilen Comic zu kreieren und ob dieser Comic für jeden blinden Leser funktioniert“, erklärt er. „Es ist ein Experiment, das von den Interviews mit Michael und dem Feedback von ihm sowie den anderen Lesern inspiriert wurde.“

Es ist recht selten, dass Designstudenten dazu herausgefordert werden, darüber nachzudenken, wie ihre Arbeit von behinderten Nutzern zu Nutze gemacht werden kann. Aber wie wir es etwa bei Smartphones gesehen haben, können die Effekte lebensverändernd sein. Vielleicht werden wir in Zukunft nicht viel mehr taktile Comicbücher sehen, aber als Übung zum Thema Design insgesamt ist Life unbezahlbar. [Philipp Meyer, via Gizmodo.com]

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