Die vorbeugende Pille für HIV wirkt tatsächlich!

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Die medizinische Wissenschaft kämpft ja nun schon seit Jahrzehnten gegen HIV, doch nun hat es einen wirklich bedeutsamen Schritt vorwärts gegeben: Eine Studie hat bewiesen, dass präventive Behandlungen noch effektiver sind als bisher gedacht.

Die Studie, die in The Lancet veröffentlicht wurde, dreht sich um vorinfektiöse Prophylaxe (pre-exposure prophylaxis oder kurz PrEP), eine neuartige präventive Behandlung, bei welcher Risikopatienten täglich eine Pille nehmen um einer Infektion vorzubeugen. PrEP kann auch in Form eines Gels verabreicht werden, um eine Übertragung von einer infizierten Mutter auf das Kind während der Geburt zu verhindern. Das gibt es nun schon ein paar Jahre und bisherige Studien haben den Schluss nahe gelegt, dass das extrem hilfreich ist.

Was macht also den neuen Bericht so anders? Laut der New York Times haben Wissenschaftler bisher vermutet, dass PrEP bei Drogenabhängigen nicht funktioniert, einfach auf Basis der Geschwindigkeit, mit der sich HIV in den 1980er Jahren in der Bevölkerung verbreitete. Daher haben sich die meisten Studien auf die Übertragung zwischen Sexualpartnern oder von der Mutter zum Kind konzentriert, einfach annehmend, dass bei Drogenabhängigen die Behandlung nicht so gut wirken würde. Wie sich herausstellte, ist dies aber absolut nicht der Fall. Die Studie testete 2400 Drogenabhängige in Thailand, wo kontaminierte Nadeln ein weit verbreiteter Übertragungsweg für HIV ist. Die Teilnehmer bekamen täglich eine Pille und wurden später auf eine Infektion mit HIV getestet – wie sich herausstellte, waren Infektionswahrscheinlichkeit derjenigen, die die PrEP nahmen, um 74 Prozent geringer.

Jetzt, wo sie wissen, dass PrEP bei so eine Risikogruppe ebenfalls wirkt, sehen sich die HIV-und AIDS-Forscher einer weiteren großen Herausforderung gegenüber: Sie müssen herausfinden, wie sie Drogenabhängige – die so schwer zu behandeln wie zu studieren sind – dazu bringen, sich behandeln zu lassen. Tatsächlich erwähnte ein kanadischer Wissenschaftler gegenüber der New York Times, dass die Logistik und die Kosten der Verteilung von PrEP womöglich den Nutzen überwiegen und dazu von erwiesenermaßen von sehr hilfreichen Programmen wie die Verteilung sauberer Nadeln, Methadon und anderer Hilfen für die Süchtigen überschattet würde.

Dennoch bleibt diese Studie extrem wichtig – sie ist, in den Worten der Wissenschaftler, „ein weiteres Puzzleteil“. Somit sind wir also einen Schritt näher an der Heilung von HIV und AIDS. [NYT, via Gizmodo.com]

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  1. wohlgemerkt, in dem Abstract von dem Artikel wird lediglich auf eine 48.9% Reduktion der Infektionsrate im Vergleich zur Kontrollgruppe hingewiesen, nicht wie in dem Artikel beschrieben von 74%… Ein Freifahrtschein zum “rumficken” ist das schon garnicht, da der i.V. Drogenabusus nicht mit ungeschütztem Geschlechtsverkehr zu vergleichen ist.

    Man muss mit der Verbreitung solcher Artikel extrem vorsichtig sein. Es gibt genug Menschen, die ohne Hintergrundwissen nach dem Überfliegen dieses Artikels glauben, dass AIDS heilbar sei. Dies führt zu einer falschen Sicherheit, und zu einem Nachlassen der Vorsicht. Die Folge sind steigende Infektionszahlen (die zwar in den letzten Jahren immer weiter gesunken waren, jetzt jedoch wieder steigende Tendenz zeigen), und damit verbunden auch steigende Resistenzraten. Letzteres macht es um so schwieriger neue Medikamente und Angrfisspunkte in einer erfolgreichen retroviralen Therapie zu finden.

    Der oben aufgeführte Artikel ist gefährlich formuliert, weil er einen “riesigen” Schritt anpreist, der (zweifelsfrei) einen interessanten Fortschritt in der Forschung zeigt, eine Heilung von AIDS jedoch nicht in unmittelbare Nähe rückt. Es wäre von daher ratsam, zumindest in dem Artikel darauf hinzuweisen, dass der einzig wirklich wirksame Schutz vor HIV das benutzen von Kondomen ist, und der verantwortungsvolle Umgang mit sterilem Besteck, wenn wir (wie in der oben erwähnten Studie) von i.V. Drogen konsumierenden Menschen sprechen.

  2. “Sie müssen herausfinden, wie sie Drogenabhängige – die so schwer zu behandeln wie zu studieren sind – dazu bringen, sich behandeln zu lassen”
    ganz einfach: LEGALISIEREN!

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