Erstflug des Airbus A350 XWB: Hier kommt der Alptraum des Dreamliners [Video]

Erstflug des Airbus A350 XWB

Was ihr hier seht, ist Geschichte: Der Triumph von sieben Jahren Design und und Ingenieurskunst. Denn gestern war der erfolgreiche Erstflug des Airbus A350 XWB. Hier bei uns gibt’s das Video von dem neuen Riesenvogel am Himmel.

Statt nur eine weitere Blechdose am Himmelszelt zu sein, ist der A350 eher ein Kohlefaserwunder. Sein Rahmen ist zu 53 Prozent aus Kompositmaterialien gemacht – weit mehr als bei konkurrierenden Flugzeugen – und er hat eine Menge spritsparende Technologie an Bord, wie etwa LED-Beleuchtung im Innern. All diese Features machen den A350 zum effizientesten zweimotorigen Großflugzeug, das je in der Luft war – zumindest den Zahlen von Airbus nach.

Der A350 sauste gestern Vormittag vom Flughafen Blagnac im französischen Toulouse los und führte einen vierstündigen Testflug durch. Dies markiert damit den Anfang eines einjährigen, 2500 Flugstunden umfassenden Zertifizierungsprozesses, an dem insgesamt 5 Maschinen teilnehmen werden. Wenn also alles klappt, könnte das Flugzeug schon 2014 von einem Flughafen in eurer Nähe starten.

Der europäische A350 ist der direkte Konkurrent zu Boeings 787 Dreamliner und der etwas größeren Boeing 777. Dabei ist der Dreamliner deutlich kleiner als der neue Airbus, fasst er doch nur 250 Passagiere im Gegensatz zu den bis zu 350 Plätzen im A350. Der Grund, warum beide Flugzeuge dennoch als Konkurrenten gelten, ist die Verwendung von Spritspartechniken und der massive Einsatz von Kompositmaterialien. Tatsächlich sind die 53 Prozent Verwendung solcher Materialien im Airbus eine nicht allzu subtile Antwort auf die 50 Prozent des Dreamliners.

Der Dreamliner hat mit seinem Erstflug 2009 zwar einen gewissen Zeitvorsprung und sollte den A350 mit Leichtigkeit ausstechen, jedoch war dieses Vorhaben ein gewaltiger Schlag ins Wasser. Boeings neuestes Kind ist seit jeher von Problemen geplagt, so wurde die gesamte Dreamliner-Flotte dieses Jahr monatelang am Boden festgesetzt, weil es mehrere Brandfälle gab, die auf das neuartige Batteriesystem zurückzuführen sind, welches auf Lithium-Ionen-Akkus setzt. Zuletzt wurde vom zweitgrößten Betreiber von Dreamlinern ein regelmäßiger Flug der Maschine komplett gestrichen, weil die Triebwerke der Maschine sich nicht starten ließen – dreimal die Woche.

Airbus mag also ein bisschen spät auf der Party erschienen sein, doch hat man schon aus Boeings Fehlern gelernt und die Pläne für ein Lithiom-Ionen-Batteriesystem verworfen. [Airbus, via Gizmodo.com]

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    1. Ja, das haben öffentlich angekündigte Testflüge so an sich, dass die hervorragende Testergebnisse liefern. Wenn es nicht so wäre, würden diese Testflüge nicht öffentlich beworben.
      Man darf also gespannt sein, welche Kinderkrankheiten dem Airbus bevorstehen, nachdem er dem ursprünglichen Auslieferungstermin ja schon Jahre hinterherhinkt.
      Wenn das Teil längere Zeit am Himmel bleibt, wäre das ja schön. Ist aber Naivität, bei so einem Riesenvogel davon auszugehen, dass da im laufenden Betrieb nicht noch ordentlich nachgebessert werden muss.
      Der besser/schlechter-Vergleich mit Boeing hinkt also schon jetzt wie ein 90jähriger Opa mit Holzbein.

  1. Versucht es doch einmal mit ein wenig Kompetenz ! Das Ein- und Ausfahren des Fahrwerks während des Erstfluges kann, muss aber keinesfalls getestet werden. Es stellt, wie man sich vorstellen kann, ein zwar minimales, aber zusätzliche Risiko dar.

    Und natürlich hat der Vogel zahlreiche Tests erfolgreicg bestanden, bis hin zum Hochgeschwindigkeitstest. Alle denkbaren Situationen wurden in Simulatoren und im Iron Bird ausprobiert. Aber abgehoben ist MSN 0001 bist zum Erstflug noch nie. Deshalb ist das Risiko zwar denkbar gering (sonst dürfte nicht über bewohntem Gebiet geflogen werden), aber es ist keineswegs null.

    Und natürlich ist die A350 ein Alptraum für Boeing. Er wird erst drei Jahre nach dem Dreamliner augeliefert werden können, ist aber nicht um drei Jahre, sondern um wenige Monate verspätet (ein Erstflug, der bequem in der gesetzten Frist zu schaffen ist, bedeutet nur, dass man die Ziele nicht ehrgeizig genug gesteckt hat, das wissen nicht zuletzt die Käufer). Während aber Boeing ein Maschinchen baut, das bei zwei Gängen und maximal 250 Passagieren (die jetzt ausgelieferten sind mit rd. 180 Passagieren kaum wirtschaftlich zu betreiben) niemals ein echter Wettbewerber zur A350 sein wird, arbeitet Airbus mit Hochdruck an der -1000 Variante, die die erfolgreiche 777 agreift, ein wirklich tolles und ausgereiftes Flugzeug: Das wiederum zwingt Boeing dazu, eine neue 777 Variante, was erhebliche Ressourcen bindet, die dann nicht z.B. für einen neuen Single Aisle zur Verfügung stehen.

    Und ebenso natürlich hat die 787 Probleme, die die A350 nicht hat: Die Ursache der Batteriebrände ist noch nicht gefunden. Eine Frage der Zeit, bis die Passagiere einer 787 mit brennenden Batterien unter dem Hintern (es muss ja niemand zu Schaden kommen) stundenlang zum nächsten Flughafen segeln muss. Niemand wird mehr mit der 787 fliegen wollen, ETOPS in Gefahr, die Nacharbeit ist Existenzbedrohend. und der Rumpf des Dreamliners ist gewickelt, der des Airbus beplankt. Während man bei Planken noch bequem beschädigte Teile (Rempler mit den Bodenfahrzeugen) austauschen kann, ist mir nicht bekannt, dass man bei Boeings Wickeltechnik bereits eine Lösung in Aussicht hätte.

  2. Auch wenn aus unserer Fa. MTU dieses Mal kein Twk-Teil mit an Bord war – Gratulation an die KollegInnen bei EADS und vor allem Airbus!

    Ein vierstündiger Erstflug, nach dem die Crew so relaxt aussteigt, ist ein echter Erfolg. Auch wenn das Fahrwerk entgegen vorheriger Verlautbarungen nicht eingefahren wurde – wäre lediglich ein unnötiges, zusätzliches Risiko gewesen.

    Bin mal gespannt, ob und wie der Vogel in Le Bourget auftreten wird …

    Ich wünsche jedenfalls allen Beteiligten weiter viel Erfolg – und Spaß bei den anstehenden Tests! Und daß demnächst auch unser TCF im GEnx zum Einsatz kommt!

  3. Schaut Euch doch einfach mal das Protokoll des Erstflugs durch, dann werdet Ihr auch sehen, dass das Fahrwerk sehr wohl ein- und ausgefahren wurde.

    Aber nach einem 2-Minuten-Film gleich über den kompletten Flug palavern…

  4. … also auch diese Ankündigung erfüllt!

    Im übrigen wäre ein GTF der AE natürlich die noch bessere Lösung – und ein richtiger Hammer!

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