Gamescom 2013: Messereport und Spieletipps [Galerie]

Gamescom Besucher

Wie in jedem Jahr lud die Kölnmesse zum Sommerausklang zur Gamescom. Das Event war komplett ausverkauft und die Hallen platzten aus allen Nähten. Wer reinkam, ärgerte sich über lange Wartezeiten an den Ständen. Doch es gibt auch erfreuliches zu berichten: Titanfall, Wildstar und XCOM machen Lust auf ein neues Spielejahr.

So hatten sich das die Fans nicht vorgestellt: Die kleinen Schilder an der Warteschlange vor Battlefield 4 versprachen Wartezeiten von 4-6 Stunden für ein paar Minuten Spielzeit. Das alles in einer von Lärm und Kunstrauch zugedröhnten EA- Halle, in der ein Titanfall-Roboter wie ein böses Omen über die heranströmenden Besucher wachte.

Auch Watch Dogs-Liebhaber kamen ab Freitag nicht mehr auf ihre Kosten. Aufgrund des großen Ansturms wechselte Ubisoft nämlich kurzerhand die Präsentationstaktik am Messestand. Wer zwei Stunden lang angestanden hatte, bekam bei Einlass statt des erhofften Controllers nur einen Kopfhörer in die Hand gedrückt und sah zu, wie zwei der Moderatoren eine vorbereite Sequenz spielten.

Liebe Kölnmesse – Warum ändert Ihr das nicht?

Als Beobachter der Gamescom bleibt man in Sachen Organisation zunehmend ratlos zurück. Warum denken die Veranstalter nicht über eine Verbesserung ihres Messekonzeptes nach? Die von der E3 abgeschaute Taktik, eine kleine Anzahl von Computern mit möglichst viel nutzlosem Messestand zu umgeben, machte die Messe für Fans zur Tortur.

Wer die Spiele sehen wollte, musste stundenlang anstehen. Was spräche dagegen, mehr Platz mit Computern zu füllen, an denen auch Nicht-Fachbesucher in den reibungslosen Genuss der Vorabversionen kämen? Die absurde Konsequenz der aktuellen Strategie war es in diesem Jahr, sogenannte „VIP-Besucher“ auf Pressetage und -bereiche zu laden, weil es dort nicht so voll war wie an den regulären Messetagen. Das wiederum sorgte natürlich bei den geladenen Medienvertretern für Unmut.

Es bleibt zu hoffen, dass sich auch in Deutschland irgendwann das Prinzip durchsetzt, eine Spielemesse tatsächlich für die Spieler zu gestalten. Man könnte sich beispielsweise an den PAX-Messen orientieren und wieder einen Schritt weiter von der anstrengenden Marketing-Maschine wegkommen, zu der sich die Gamescom immer mehr hinentwickelt.

Die schönen Seiten der Gamescom

Genug gemeckert. Auch wenn die Besuchermassen das Messekonzept des öfteren zum Kippen brachten, war die Stimmung auf der Messe über weite Strecken überragend. Die angereisten Fans ließen sich von den organisatorischen Wirrungen nur selten daran hindern, den Hype um ihre Spiele angemessen zu feiern.

So hätte man mit den Leuten vor dem League of Legends-Stand locker eine eigene Halle füllen können, obwohl dort „nur“ Live-Matches und keine neuen Inhalte gezeigt wurden. Direkt nebenan posierten engagierte Fans als Cosplay-Versionen ihrer digitalen Helden.

Auf den Pressekonferenzen von Sony und Microsoft wurden Neuigkeiten zu Indie-Spielen und das Releasedatum der PS 4 geboren. Die XBOX One gab sich ordentlich Mühe, die PR-Katastrophen der letzten Monate vergessen zu machen. Und hinter dem ganzen Schall und Rauch, der von den mächtig ins Horn blasenden Marketingprofis generiert wurde, fanden sich tatsächlich auch einige wirklich interessante Spiele.

Die diesjährige Gamescom war für mich eine Messe der Überraschungen. Titel wie Battlefield oder Watch Dogs präsentierten sich eher als gehobener Durchschnitt, nicht als die erhofften Knaller. Dafür überzeugten andere Kandidaten.

Wildstar (Carbine Studios / NCSoft)

WildstarEin MMO mit monatlichem Gebührenmodell und Comiclook, Ex-Macher von WOW im Boot, ein neues Kampfsystem und das alles mit Humor – irgendwie wollte sich beim Durchlesen der Wildstar-Ankündigungen bei mir keine rechte Freude einstellen. Bestimmt ein weiterer WOW-Klon, der bald sang- und klanglos ins Vergessen abschmieren würde.

Weit gefehlt. Das Spiel kommt tatsächlich nur in Sachen Kampfsystem mit neuen Ideen daher. Alles andere ist schon mal irgendwie dagewesen, oder zumindest eine Weiterentwicklung bekannter Mechanismen. Trotzdem – so witzig wie das Spiel verpackt wurde, so hübsch wie die Welt präsentiert wird und so mutig wie Wildstar das klassische MMO-Konzept wieder aufleben lässt, kann man dem Spiel nur alles Glück der Welt wünschen.

Wildstar versprüht Charme an allen Ecken und Enden – man wird bei der Mischung aus geekigem Comicstil und durchdachtem Gameplay an die Anfänge des großen World of Warcraft erinnert, als die (digitalen) Gräser noch grün und die Portale zum Brennenden Kreuzzug noch geschlossen waren. Das Entwicklerteam wird denn auch von Ex-Blizzard-Mitgliedern geleitet, die wohl mit dem aktuellen Stand der Genrereferenz (Fucking Pandas…) nichts mehr anfangen konnten.

Das Spiel punktet besonders mit seinem Kampfsystem. Das beruht auf einer für Freund und Feind sichtbaren Bereichsanzeige. Die erscheint bei Nahkampfattacken zu Füßen Eures Helden, bei Fernkampfattacken in Reichweite der jeweiligen Fähigkeit. Zusätzlich lässt sich ein Standardangriff ausführen, der keine Anzeige hat und wenig Schaden macht.

Im Kampf müsst ihr abwägen – versucht ihr euch an der schwierigen Kombo, die dem Gegner bei Gelingen ordentlich schadet, oder beschränkt ihr euch aufs sichere Ausweichen kombiniert mit Standardangriffen? Das Versprechen der Entwickler, Wildstar mit einem auf Skill basierenden Kampfsystem auszustatten, wurde also eingelöst. Wer sich hier reinfuchst, wird mit dem schnelleren Ableben der Gegner und einem wiederum an die positiven Seiten von WOW erinnernden Gameflow belohnt, inklusive rasant anklopfendem Suchtpotential.

Bedenken verspürte ich einzig bei der Ankündigung, Wildstar werde genau wie The Elder Scrolls Online eine monatliche Gebühr verlangen. Doch auch hier sind die Entwickler pfiffig: Wem das traditionelle Bezahlmodell nicht zusagt, der kann als Alternative sogenannte C.R.E.D.D. kaufen. Die werden von Spielern mit Echtgeld erworben, und dann auf einer Warenbörse zum Verkauf angeboten. Leute mit viel Zeit zum Spielen können C.R.E.D.D. dann gegen Ingame-Gold kaufen. So sollen zum einen diejenigen ohne viel Zeit schnell zu Gold kommen können, ohne dabei Goldfarmer zu unterstützen, zum anderen soll Spielern mit viel Zeit die Möglichkeit geboten werden, sich ihre Spielzeit rein aus Ingame-Währung zu finanzieren.

Die offene Beta für Wildstar ist Anfang 2014 für den PC geplant. Zur Anmeldung für die Closed Beta auf der Wildstar-Website braucht ihr einen NCSoft-Account.

[Seite 2 – Titanfall und XCOM, Fazit und Galerie]

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