Forschung: Kameraposition nach der Aufnahme verändern

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Im Gewusel des Filmsets müssen Kameraleute Blickwinkel, Ausschnitt und Tiefenschärfe der Kameras festlegen. Künftig können Filmemacher solche Parameter noch in der Postproduktion ändern. Möglich macht es eine neuartige Kameratechnologie.

Beim Filmen war es bislang extrem wichtig, den richtigen Blickwinkel der Kameras am Set festzulegen. Auch die Frage, welcher Teil des Bildes scharf sein sein soll und werlcher unscharf musste exakt definiert werden, weil sich diese Parameter nachträglich nicht mehr ändern lassen. Zumindest bislang nicht.

Das Fraunhofer IIS hat Software und ein neuartiges Kameraarray entwickelt, die künftig auch noch natürlich eine Perspektivänderung möglich machen soll. Filmemacher können dann auch im Nachhinein noch entscheiden, welcher Bereich der Szene scharf abgebildet sein soll. Oder aber virtuell um eine Szene herumfahren, so wie bei dem Film Matrix

Möglich macht dies ein Kameraarray, das Forscher am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen entwickelt haben.

“Das Array besteht aus insgesamt 16 Kameras, die in vier Zeilen und vier Spalten angeordnet sind”, erläuterte Frederik Zilly, Gruppenleiter am IIS. Statt wie üblich nur eine einzige Kamera zu haben, die die Szene von genau einer Position aufnimmt, sammeln die 16 Kameras die Lichtstrahlen an verschiedenen Punkten der Fläche ein, auf der sich die Kameras verteilen. Die Forscher sprechen davon, dass sie teilweise das Lichtfeld der Szene einfangen, statt nur einer speziellen Perspektive. Obwohl das Array aus 16 Kameras besteht, umfasst es lediglich 30 mal 30 Zentimeter. So lässt es sich auf dem Filmset und im Studio problemlos einsetzen.

“Für jeden Pixel, den die Kameras aufnehmen, schätzt die Software die Tiefe ab. Sie ermittelt also, wie weit das abgebildete Objekt vom Kameraarray entfernt ist. Aus dieser Tiefeninformation können in der Postproduktion Zwischenbilder errechnet werden, so dass wir virtuell die Daten nicht nur von 4 mal 4 Kameras, sondern von 100 mal 100 Kameras haben”, sagte Zilly.

Filmt der Kameramann den Schauspieler, so schauen die jeweils äußeren Kameras ein wenig hinter den Akteur. Sie haben einen anderen Blickwinkel als die Kameras, die sich in der Mitte der Anordnung befinden. Dies erlaubt es den Filmemachern, virtuell um eine Person oder einen Gegenstand herumzufahren, den Blickwinkel und die Tiefenschärfe der gemachten Aufnahmen zu ändern.

Die Software dazu existiert bereits, doch an der grafische Benutzeroberfläche wird noch gearbeitet. In einem halben Jahr soll sie fertig sein.

[Via Fraunhofer-Gesellschaft, gizmodo.com]

Bild: Fraunhofer IIS

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