Agbogbloshie: Wo der Elektroschrott der Westlichen Welt landet

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Während Konsumenten ständig die neuesten und tollsten Produkte der Unterhaltungselektronik wollen, überschwemmen und vergiften die älteren Geräte einen Stadtteil der ghanaischen Hauptstadt Accra. Michael Ciaglo, Fotograf der Colorado Springs Gazette, hat kürzlich die größte Elektromülldeponie Afrikas besucht und diese Bilder mitgebracht.

Die Deponie befindet sich im Stadteil Agbogbloshie, außerhalb von Accra. Mit einer Größe von etwa 1.600 Hektar ist Agbogbloshie die größte digitale Müllhalde der Welt, pro Jahr werden hier Millionen Tonnen Elektroschotts verwertet. Dies geschieht durch junge Männer und Kinder, die durch Verbrennen der Elektronikprodukte den wertvollen Kupfer extrahieren. Während man so an einem guten Tag etwa 3 Euro macht, lässt man ebenso unzählige giftige Chemikalien in die Umwelt frei. Diese wiederum vergiften Land, Luft, Wasser und Arbeiter.

Ein Großteil der hier gelandeten Geräte stammen aus der Westlichen Welt. Seit den 90ern exportieren Länder Second-Hand Elektronik nach Afrika, um die digitale Kluft zu überwinden – was auch funktionierte. Ghanaer können sich endlich selbst Elektronik leisten, aus der „Spendenaktion“ entwickelte sich aber schnell ein System illegaler Entsorgung und Exports. Gegenmaßnahmen wie das Basler Übereinkommen zur Kontrolle der grenzüberschreitenden Verbringung gefährlicher Abfälle und ihrer Entsorgung sollen solche Entwicklungen zwar verhindern, neben Haiti und Afghanistan hat aber die USA sich geweigert, das Übereinkommen zu unterzeichnen. Und viele Firmen von Unterzeichner-Ländern haben Wege gefunden, die Einschränkungen zu umgehen.

Für Recyclingunternehmen ist es wesentlich günstiger, Elektroschrott einfach nach Afrika zu bringen, als ihn selbst verwerten, viele der exportierten Produkte sind schon bei Ankunft defekt. Da die Geschwindigkeit, mit der Unterhaltungselektronik produziert wird, geradezu explodierte, hat auch die Zahl illegaler Elektronik-Exporte stark zugenommen. Zwar hat die ghanaische Regierung Gegenmaßnahmen wie das Korle Lagoon Ecological Restoration Project (KLERP, Projekt zur Müllbeseitigung und Installation von Filterungsstationen) eingeleitet, wirklich verbessern werden sie die Lebenssituation der Bewohner aber nicht. [The WeekWiki – Bilder: Michael Ciaglo, Marlenenapoli / Wiki]

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  1. Es wäre aber die Aufgabe der Regierung von Ghana, das Zeug nicht ins Land zu lassen, bzw. die Importe zu kontrollieren!
    Aber wie so oft in Afrika, schiebt man die Verantwortung gerne an die ehemaligen Kolonialmächte im Besonderen oder die “westliche Welt” im Allgemeinen weiter. Staatsgelder werden liebr für Waffen oder Spielzeuge der Regierenden ausgegeben.

    Auch traurig, aber leider auch wahr.

    1. Die Regierungen der Staaten, aus denen dieser Schrott kommt sollte entsprechende Gesetzte erlassen und vor allem auch durchsetzten, daß dieser Müll das Land nicht verlässt. Und wir sollten verantwortungsvoller mit unserer Technologie umgehen und nicht permanent den aller neuesten Schrott kaufen, nur weil es die Werbung von uns fordert. Es ist immer leicht die Verantwortung auf Andere abzuwälzen.

    2. Was ist das für eine Argumentation. Du hast überhaup keinen Schimmer oder?? Die alten Kolonialmächte haben nun mal immer noch fuß an diesen Ländern das ist das eine!
      Zweitens; du gibst einem Verhungerndem ein bischen Geld und scheißt davür einfach ins gesicht und regst dich noch darüber auf, dass dieses Verhalten doch in Ordnung ist. Ich fasses nicht… kein Schlechtes Gewissen??

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