Test: Lytro Lichtfeldkamera – die Zukunft der Fotografie?

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Schon vor mehr als 100 Jahren stellte der Physiker Gabriel Lippmann erste theoretische Überlegungen zur Lichtfeldfotografie an. Doch erst jetzt gibt es die ersten Kameras mit dieser Technik, die sich auch an normale Konsumenten richten. Eine davon ist die Lichtfeldkamera von Lytro, die es seit kurzem ab 399,- Euro in Deutschland zu kaufen gibt. Wir haben sie für euch getestet.

Was ist Lichtfeldfotografie?

Im Gegensatz zu einer konventionellen Kamera, die das 2D-Lichtfeld eines Motivs erfasst, nimmt eine Lichtfeldkamera das 4D-Lichtfeld auf. Das bedeutet, dass sie nicht nur Position und Intensität des einfallenden Lichtstrahlt registriert, sondern auch die Richtung, aus der dieser kommt. Ein Fokussieren des Motivs fällt also weg – es ist zunächst einmal alles und nichts scharf. Erst im Nachhinein wird ausgewählt, welcher Bereich des aufgenommenen Motivs scharf gestellt wird. Fotografiert man etwa eine Person vor einem Hintergrund, kann im Nachhinein entschieden werden, ob die Person oder eben der Hintergrund fokussiert werden soll. Dem Fotografen eröffnen sich mit der Lichtfeldfotografie so ganz neue Gestaltungs- und Anwendungsmöglichkeiten.

Design und Handhabung der Lytro Lichtfeldkamera

Das Design der Lytro Lichtfeldkamera erinnert mit seiner langgestreckten Form an ein Fernrohr oder ein Kaleidoskop. Die ungewöhnlichen Proportionen erklären sich mit dem Aufbau der Kamera: vor dem Bildsensor befindet sich ein Gitter aus mehreren Mikrolinsen, die die Lichtfeldfotografie überhaupt erst möglich machen. Der Korpus der Lytro besteht aus hochwertigem Aluminium, der hintere Bereich mit den Steuerelementen ist gummiert. Hier befinden sich die Taster zum Ein- und Ausschalten und zum Auslösen, der USB-Eingang und das Tastfeld für das 8-fache optische Zoom. Alle weiteren Funktionen werden über den Touchscreen gesteuert. Das Display der Lytro ist sehr klein und verfügt über gerade einmal 49.000 Bildpunkte. Die Auflösung ist also mehr als bescheiden, die Steuerung der Zusatzfunktionen folglich etwas knifflig. Der Akku ist fest verbaut und lässt sich über USB-Kabel aufladen.

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Frontansicht der Lytro

Das Fotografieren mit der Lytro

Das schlechte Display sorgt natürlich auch für ein schlechtes Vorschaubild – einer der größten Makel der Lytro, wie wir finden. Für fast 400,- Euro hätte ein besseres Display drin sein müssen. Das Fotografieren selbst hingegen funktioniert sehr einfach, denn dank der Lichtfeldtechnik muss die Lytro nicht fokussieren, was bei normalen Digitalkameras durchaus zeitraubend sein kann. Auch das optische Zoom lässt sich über das Tastfeld leicht und präzise steuern. Über den Touchscreen lassen sich Verschlusszeit (1/250 – 8 Sekunden) und ISO-Wert (80 – 3200) einstellen, was die Kamera jedoch auch zuverlässig automatisch erledigt.
Die Lytro macht Aufnahmen mit 540 x 540 Bildpunkten, was mageren 0,29 Megapixeln entspricht. Professionelle Fotos lassen sich so nicht machen. Da die Lichtfeldtechnik jedoch weitaus größere Datenmengen erzeugt als 0,29 Megapixel vermuten lassen, lassen sich mit dem internen Speicher von 8 GB nur um die 350 Aufnahmen machen. Wer einen größeren Speicher möchte, kann die Lytro in einer 16 GB-Version kaufen, die kostet jedoch um die 90,- Euro mehr. Externe Speichermedien wie SD-Karten unterstützt die Kamera nicht.

Die Fotos

Die geringe Anzahl an Bildpunkten sorgt für Fotos in mäßiger Qualität. Spaß macht es dennoch, mit den geschossenen Aufnahmen herumzuspielen. Die Lytro-Software, die von der Homepage heruntergeladen werden muss, eröffnet vielfältige Bearbeitungsmöglichkeiten. Sie ist für Windows 7 und 8 (nur 64 Bit) und MAX OS X 10.7 oder höher erhältlich. Mit ihr kann, wie erwähnt, ein beliebiger Bereich des Fotos fokussiert werden (‚Perspective Shift‘). Das macht jedoch nur Sinn bei Aufnahmen mit einem klaren Vorder- und Hintergrund, am besten funktioniert es, wenn sich ein Objekt sehr nahe an der Kamera befindet, ein anderes etwas weiter entfernt. Auch extreme Makroaufnahmen gelingen sehr gut. Bei Landschaftsaufnahmen etwa macht die Funktion jedoch wenig bis gar keinen Sinn. Auch müssen die Lichtverhältnisse bei der Aufnahme gut sein: die Lytro verfügt über keinen Blitz.
Ein weiteres Feature sind die sogenannten Living Filter, mit denen sich das Bild kreativ nachbearbeiten lässt. So lässt sich beispielsweise das fokussierte Objekt farbig halten, während dem Hintergrund die Farbe entzogen wird.
Mit dem Feature 3D-Living-Pictures, das in der neuen Version der Lytro-Software integriert ist, lassen sich die Lichtbildfotos sogar in Aufnahmen mit 3D-Effekt umwandeln. Das funktioniert über ein entsprechendes Fokussieren von Vorder- beziehungsweise Hintergrund, das die Software automatisch erledigt.
Das Bearbeiten der Bilder, die im .lfp-Format gespeichert werden (Light field picture Datei) funktioniert nur mit der Lytro-Software. Hier können sie dann etwa als JPEG abgespeichert werden, ein weiteres Bearbeiten in Bezug auf die Lichtfeld-Funktionen ist dann aber freilich nicht mehr möglich. Auf der Lytro-Homepage lassen sich viele der Funktionen live ausprobieren. Die Lytro Gallery zeigt euch die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten.

Fazit

Fotografieren und Nachbearbeiten mit der Lytro machen viel Spaß, die Möglichkeiten zum Herumspielen an den gemachten Aufnahmen sind dank nachträglichem Fokussieren und den diversen Bildfiltern fast unbegrenzt. Dennoch: das Display ist eindeutig zu schlecht, die Auflösung der Fotos zu gering. Auch der interne Speicher ist begrenzt. Das macht die Lytro mit 399,- Euro (8 GB Speicher) beziehungsweise 489,- Euro (16 GB) zu einem teuren Spielzeug – das in sich jedoch möglicherweise die Zukunft der Fotografie vereint.

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  1. kann mich dem Fazit nur anschließen. Das Fotografieren macht mordsmäßig viel Spaß, aber vor allem das Display könnte besser sein. Hinsichtlich der Bildqualität gibt es sicherlich auch noch Steigerungspotenzial, aber für die Webintegration reicht es auch heute schon aus. Bin gespannt, mit welchen Neuerungen Lytro nächstes Jahr aufwarten wird.

  2. Diese Kamera ist schon seit gefühlt ein oder zwei Jahren auf dem Markt. In dem Artikel steht nichts was in der Erstveröffentlichung nicht auch schon genannt worden wäre.

    Die Idee hinter der Kamera finde ich insgesamt super, und hoffe schon seit geraumer Zeit darauf das die Firma Nachfolgemodelle auf den Markt bringt. Es wird Zeit das die Technik vorankommt. Insofern ist es auch garnicht schlecht wenn das Gerät immer mal wieder in den Medien auftaucht.

    Aber doch bitte nicht so das man der Meinung sein könnte das ist jetzt eine absolute Neuigkeit. Eine kleine Anmerkung im Text, z. B. “wie xx berichtet”, und schon wäre der Artikel erlich gewesen….

  3. Wenn ich das so übern Daumen gepeilt durchrechne, ist bei 8Gb und 350 Aufnahmen so mit 22,85 MB pro Aufnahme (0,29 Megapixel) zu rechnen. Bei EINER 5 MP Aufnahme wären das dann schon knapp 400MByte Daten und bei 12MP wiederum 950MByte pro Bild! Ich denke nicht, dass da in Sachen Lichtfeldfotografie überhaupt höhere Auflösungen zu erwarten sind – die Datenmengen werden wahrscheinlich einfach zu groß.

  4. Sinnlose Spielerei. Und neu ist das auch nicht.. Nichts für den Konsumentensektor, mag sein dass ein Gerät mit entsprechend besseren Leistungsmerkmalen im professionelen Bereich irgendwie sinnvoll eingesetzt werden kann, aber das ist wie mit Highspeedkameras, eine die was kann kostet mindestens einen fünfstelligen Betrag, eine richtig gute sechsstellig, was unter 1000 da angeboten wird ist auch nur Spielerei.

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