XCOM reloaded: Enemy Within im Test

XCOM Enemy Within Gizrank

Mit Enemy Within schiebt Firaxis eine Erweiterung für XCOM: Enemy Unknown nach. Wir haben uns mit MEC-Aliens geprügelt und sind in die Tiefen der EXALT-Basis gestiegen, um euch nach schweren Kämpfen von den Änderungen in der XCOM-Welt zu berichten.

Mein erster Gedanke nach ein paar Stunden Spielzeit: Das hier ist das Roland Emmerich Add-On. In Enemy Within explodiert im Gefecht schon mal die halbe Karte. Aliens fliegen tödlich getroffen durch die Gegend und baumeln an Tentakeln von Hochhausfassaden, die neuen Mech-Soldaten setzen ihre Gegner per Flammenwerfer in Brand oder rammen sie mit der Eisenfaust ins Nirvana. Durch neue Upgrademöglichkeiten sind eure Soldaten stärker geworden, und das schlägt sich aufs Gameplay nieder. Wo ich früher auf „schwer“ keinen Schritt ohne Overwatch getan habe, weil sonst der Sektoid über die halbe Karte meinen Soldaten per Kopfschuss erledigte, lasse ich jetzt den Mech vorlaufen, der ruhig eine Runde lang Tank spielen kann, während sich der Rest des Squads in Position bringt. Danach zerplatzen die Viecher wie bei Starship Troopers, und mein Mechakrieger heilt sich in den nächsten Runden per Implantat langsam selbst hoch.

Viel Feind, nicht mehr ganz so viel Ehr

Dadurch wird die Angst, die ich im Originalspiel zu Anfang um meine Kämpfer hatte, stark gemindert. Ein Muton-Berserker ist kein ganz so schlimmer Gegner mehr, wenn der eigene MEC-Trooper 12-15 Schadenspunkte durch einen einzigen Nahkampfangriff austeilen kann. Die neuen „Stealth-Tintenfische“ (eine Aufklärungseinheit der Aliens), die sich unsichtbar anschleichen und den Soldaten dann ins Gesicht springen, sind auch eher lästig als bedrohlich, sorgen aber durch ihr Auftauchen immer für einen kurzen Schreckmoment im Kampfgeschehen. Schwierig geblieben sind die Fernkampf-Mutons, die aus der Deckung mit ihrer „Einschüchtern“-Fähigkeit meine Leute handlungsunfähig machen, gut zielen können und eine Menge Schaden wegstecken.

Der Kampf gegen die neue EXALT-Fraktion fügt sich nahtlos ins gewohnte Spielgeschehen ein. Die Missionen, in denen deren Basen infiltriert, sind nett designt, hier hätten die Entwickler aber ruhig mehr auffahren können, als immer dieselbe Spielvariante auf bekannte Karten zu verteilen. Auf der Taktikkarte wirken die ersten Begegnungen mit den neuen Gegnern erfrischend ungewohnt. Die vermummten Verräter treten als gespiegelte Versionen des eigenen Squads auf und sind mit bekannten Spezialfähigkeiten ausgerüstet. Die Sniper haben beispielsweise fast alle Snap Shot, können also im selben Zug laufen und schießen. Die Heavies tragen zwar Raketenwerfer auf dem Rücken, setzen diese aber leider selten bis nie ein. Insgesamt sind die Aliens mit den MEC-Troopern und Sektoiden-Commandern die schwereren Gegner, die EXALT-Truppen sehen gegen eine erfahrene Einheit mit Laserwaffen recht schnell alt aus.

Basisverteidigung – Terror from the Deep

Eine der neuen Missionen ist dann aber doch überraschend fordernd: Die Basisverteidigung bringt plötzlich puren Terror ins gemütliche Satellitenbauen, als würde sich mitten im Spiel ein Dimensionstor in vergangene Zeiten öffnen und man wäre wieder im Uralt-XCOM gelandet. Von allen Seiten stürmen die Aliens auf meine überraschten Soldaten ein, die keine Deckung finden und spätestens wenn der Anführer im Mind Control hängt in Panik ausbrechen. Hier habe ich auf Anhieb sechs meiner Rookies verloren. Mit dem Fischerdorf voller Zombies ist das die beste Mission im Spiel, solche speziellen Storymissionen würde ich in XCOM gerne viel häufiger sehen.

XCOM Enemy Within Übersicht

Zusätzlich zu den Action-Neuerungen ist Enemy Within übrigens auch ein wenig taktischer geworden. Per Knopfdruck lassen sich nun endlich die Wahrscheinlichkeiten hinter jedem Schuss aufschlüsseln, dabei werden die negativen und positiven Einflüsse schön übersichtlich gegenübergestellt. Ihr solltet beim Spielstart unbedingt überlegen, die neue Second Wave Funktion zur Berechnung der Deckung zu nutzen. Damit schützt die Deckung nur noch abhängig vom Winkel, in dem das Feindfeuer eintrifft, was das Positionsspiel noch einmal realistischer macht.

MELD – Magisch mit strengem Verfallsdatum

Mit der neuen MELD-Ressource baut ihr MEC-Trooper und rüstet Soldaten im Genlabor mit Modifikationen aus. Letztere bleiben dabei etwas blass – stehe ich vor der Wahl, mir mehr Trefferchance zu kaufen, oder doch lieber in einen selbstheilenden Killerroboter zu investieren, dann werde ich nicht lange überlegen. Trotzdem sind die Modifikationen sinnvoll, wenn man einen bereits erfahrenen Soldaten noch etwas verbessern möchte, oder einfach nicht genügend Ressourcen für einen MEC besitzt.

XCOM Enemy Within MELD

Warum das Zeug MELD heißt, habe ich ehrlich gesagt sofort wieder vergessen. Ich denke mal, die Abkürzung steht für Maximum Energy L33T Deposit, kann das aber nicht beschwören. Jedenfalls ist MELD ziemlich magisch, und wohl deswegen von der instellaren Kontrollbehörde mit einem strengen Verfallsdatum versehen. Wenn ihr euch pro Missionen nicht arg beeilt, verpuffen die gelben Kanister auf der Karte einfach. Auch versehentliche Kollateralschäden mit dem Raketenwerfer sind schlecht fürs MELD, mit viel Pech können sogar Fehlschüsse die Ressource unrettbar zerstören. Das bedeutet, dass ihr zu Anfang schnell und vorsichtig vorgehen müsst, oder eben die Upgrades für MEC-Trooper und Gensoldaten erheblich langsamer freischaltet.

Fazit

XCOM Enemy Within ist ein gelungenes Add-On für ein großartiges Spiel. Wer wie ich das Original viele Stunden lang gezockt hat und einen Grund braucht, seine XCOM-Einheit wieder auf Alienfang zu schicken, wird hier mehr als genug neue Inhalte für einen zweiten Durchlauf finden. Auch die Detailänderungen sind sinnvoll, Wahrscheinlichkeitsanzeige und Schusswinkelberechnung bieten logische Ergänzungen fürs Taktikgefecht. Von der vielzitierten Action sollte sich der Stratege übrigens nicht abschrecken lassen. Hier knallt es zwar lauter als in Enemy Unknown, aber die taktischen Möglichkeiten wurden dadurch nicht verwässert. Vielleicht ist das Spiel an einigen Stellen etwas leichter, unvorsichtige Generäle werden aber immer noch genauso bestraft wie früher. Insgesamt ist Enemy Within ein überzeugendes Paket, mit dem sowohl Fans des Originals als auch Neueinsteiger viel Freude haben werden.

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