Zwischen Lachen und Weinen: Gizmodo testet das Solowheel

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Ein motorisiertes Einrad - was man eher in einem Zirkus verorten würde, gibt es mit dem Solowheel für jedermann zu kaufen. Wir haben das 1.899 Euro teure Gefährt getestet, dabei viel Spaß gehabt - uns aber auch die eine oder andere Blessur geholt!

Sonntag Nachmittag, ein großer Parkplatz. Nur wenige Autos stehen hier, Verkehr gibt es so gut wie keinen. Wie sich bald herausstellen wird ist das auch gut so, denn unsere Testfahrten mit dem Solowheel geraten schnell etwas außer Kontrolle. Da wären zu viele Autos nur störende Hindernisse.

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Der erste Eindruck vom Solowheel: ganz schön schwer! Etwas mehr als 12 Kilo wiegt das Einrad, das wir zu unserem als Teststrecke auserkorenem Parkplatz schleppen. So wird schon der Transport zu einem kleinen Kraftakt. Das hohe Gewicht bedeutet aber auch eine sehr gute und stabile Verarbeitung. Das Solowheel besteht aus einem Reifen, über dem, von einer Abdeckung aus hartem Kunststoff geschützt, Motor, Akku und Technik verbaut sind. Zwei ausklappbare Metallpedale an den Seiten dienen als Trittbretter.

Gefragt sind: Körperhaltung und Balance

Griffe zum Festhalten, wie es sie etwa beim Segway gibt, hat das Solowheel nicht. Es ist tatsächlich ein Einrad, auf dem man steht und mit dem Körper die Balance halten muss. Mit bis zu 16 km/h soll man sich auf dem Solowheel fortbewegen können. Gesteuert wird es durch die Körperhaltung. Beugt man sich nach vorne, fährt das Solowheel an. Lehnt man sich zurück, wird es langsamer, kommt zum Halt und fährt schließlich rückwärts. Gelenkt wird, indem man sich in die entsprechende Richtung neigt. Da das Solowheel nur ein einziges Rad besitzt, sind so sehr enge Kurven möglich. In 1,5 Stunden ist der Akku aufgeladen und erlaubt mehr als eine Stunde Fahrzeit.

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Wenn… ja, wenn es denn so einfach wäre, sich mit dem Solowheel fortzubewegen! Denn wie ihr auf unserem mit einer GoPro gedrehtem Video sehen könnt, hatten wir so unsere Probleme mit dem motorisierten Einrad. Das beginnt schon mit dem Aufsteigen. Man kann sich nirgends festhalten, lediglich ein Band soll Anfängern das Aufsteigen erleichtern. Aber kaum hat man einen Fuß auf eines der Trittbretter gesetzt, neigt sich das Solowheel meist schon in eine Richtung, fährt los und ist nur zu bremsen, wenn man es wieder in die Waagerechte bringt. Anfangs braucht man also unbedingt einen Partner, der einem beim Aufsteigen hilft, oder eine Wand, an der man sich abstützen kann. Nur mit sehr viel Übung ist es uns gelungen, selbstständig aufzusteigen und loszufahren.

Wir lernen: Asphalt + Rollsplit = Aua!

Hat man den Start dann erst einmal geschafft, wird es aber kaum leichter. Denn man muss sich extrem konzentrieren und anstrengen, um die Balance auf dem nach vorne und hinten schwankenden Solowheel zu behalten. Und erst mit Erreichen einer gewissen Geschwindigkeit erlangt man auch eine gewisse Stabilität. Dann sind Lenken und Beschleunigen recht einfach. Das Gleichgewicht zu halten, allerdings nicht. Und so endeten unsere Testfahrten meist auch schon nach wenigen Metern – nicht selten auf dem Asphalt. Wenn auf dem dann auch noch Rollsplit liegt – Aua!

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Auch Anhalten und Absteigen sind keine leichten Übungen. Oft fährt das Solowheel einfach noch ein paar Meter ohne Fahrer weiter oder dreht sich wie ein Huhn, dem man den Kopf abgeschlagen hat, auf dem Boden ein paar Sekunden um die eigene Achse. Dann heißt es: schnell Abstand halten, sonst bekommt an die harten Trittbretter des Solowheels an den Knöchel geknallt. Und das kann höllisch schmerzen!

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Fazit Sven

Auf den offiziellen Promo-Videos von Solowheel sieht es so aus, als sei nichts leichter, als mit dem Einrad durch die Stadt zu fahren, dabei mit den freien Händen zu telefonieren, an Ampeln anzuhalten, abzusteigen und wieder weiter zu fahren. Das perfekte Fortbewegungsmittel für die Stadt, sollte man meinen (auch wenn es nicht zugelassen ist auf öffentlichen Straßen und Wegen!). Mag sein, dass man das Solowheel mit sehr viel Übung irgendwann beherrschen kann und es dann auch Spaß macht, damit die Stadt zu erkunden. Meine Proberunden mit dem Solowheel waren allerdings extrem anstrengend, teilweise sehr schmerzhaft – und unendlich frustrierend. Und ja, alles muss erst einmal erlernt werden, auch Fahrrad fahren kann man nicht von Geburt an, das ist mir klar. Aber Fahrrad fahren kann ich schon. Und dabei bleibe ich auch. Denn für mich ist das Solowheel nichts!

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Fazit Matthias

Ja, sich sicher auf dem Solowheel fortzubewegen brauch viele Stunden Übung. Die einen (Hallo, Sven!) empfinden das als frustrierend. Andere wiederum erleben eine steile Lernkurve. Neue Sportarten wollen gemeistert werden. Jeder, der Skateboard, Inlines oder ähnliche gefahren ist, weiß das. Nach etwa einer Stunde Übungszeit konnte ich mich so halbwegs auf dem Rad halten, was sich richtig gut anfühlte!

Aus rein technischer Sicht kann das Solowheel ziemlich beeindrucken. Spannendes Konzept, guter Akku, guter Motor und eine tolle Verarbeitung. Abzüge gibt es auf Grund des hohen Preises. 2.000 Euro ist für ein Fun-Sport-Gerät viel zu viel zu viel. Trotzdem möchte ich jedem der die Gelegenheit bekommt dazu raten, das Solowheel einmal auszuprobieren. Mir hat es richtig Spaß gemacht!

Wer sich nun von unserem Video hat abschrecken lassen, für den haben wir hier ein echtes Solowheel-Motivationsvideo.

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  1. Ich kann nur wiedereinmal schreiben, dass es schön wäre mit dem Teil in Deutschland an Ampeln anhalten zu können. Das Solowheel wäre in der Stadt super um kurze Strecken zwischen Arbeitsplatz und Zug zu bewältigen (mit etwas Übung). Aber hier in Deutschland braucht man dafür ja wieder ne Zulassung, Versicherung etc. Wenn man sich ohne diese Dinge an nem Solowheel erfreut greift einen die Polizei an der nächsten Ampel auf.

  2. Das mit der StvO ist nur eine Frage der Zeit. Als die stvo erstellt wurde, gab es nunmal noch kein elektrisches Einrad. Andere Länder wie die Schweiz setzen es jetzt schon dem e-bike gleich.

  3. Also nach nunmehr 10 oder 16 Übungsfahrten a ca. 30 Minuten gesamt so um die 8 Stunden bin ich mit dem Ding recht gut unterwegs. Da mit nunmehr 53 Jahren das Runterbeugen immer schwerer wird hab ich immer noch so einen Haltegurt damit ich das Teil beim Auf- und Absteigen aufrecht halten kann und es nicht umkippt. Das Starten ist von einem Laternenmast oder Zaun recht einfach. Beim Aufsteigen ohne Hilfe hab ich noch einige Probleme, da ich sobald die Füße auf den Tritten sind diese nicht korrigieren kann ohne mich irgendwo festzuhalten. Das liegt aber daran daß ich durch ‚nen Unfall vor einigen Jahren ein sehr geschwächtes rechtes Bein habe das unglücklicher Weise auch noch mein Sprungbein ist / war.
    Für kleine Strecken vom Parkplatz nach Hause oder zum Bäcker oder Briefkasten bin ich fast ständig mit dem Einrad unterwegs.
    Anzumerken ist tatsächlich daß das Fahren auch wenn man schon gut unterwegs ist erheblich anstrengender ist als würde man die Strecke laufen oder mit dem Rad fahren. Doch ist der Spaß auf jeden Fall die Anstrengungen wert und die Core Muskeln werden genial trainiert.

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