Debatte in der Wissenschaft: Ist der Fortschritt wichtiger als der Erhalt des Kulturerbes?

schiffswrack

Wir Menschen sind schon eine interessante Spezies. Orte, an denen andere einst lebten, lassen unsere sentimentalsten Seiten aufscheinen. Aber wie sehr sollen wir die Vergangenheit erhalten, wenn dadurch der Fortschritt eingeschränkt wird? Der Streit über das Schicksal einiger Schiffswracks zwingt uns dazu, uns mit ein paar unbequemen Fragen auseinanderzusetzen.

Physiker, Archäologen und Regierungen debattieren darüber, was mit Wracks passieren soll, in denen man Barren aus sauberem Blei gefunden hat. Letztlich könnte dieses für die Teilchenphysik von großem Nutzen sein. Was ist so besonders an diesem Blei? Es ist alt und das bedeutet in diesem Fall, dass es oft frei von einem natürlich auftretenden radioaktiven Isotop ist, das Forschungsvorhaben behindert. Bereits 2010 berichtete Nature über die Qualität des lange versunkenen Bleis, das letztlich für physikalische Experimente genutzt wurde:

Blei ist grundsätzlich ein Schutzschild gegen Strahlung. Frisch abgebautes Blei ist aber leicht radioaktiv, weil es das instabile Isotop 210Pb enthält. „Wir konnten es nie für unser Experiment einsetzen, bei dem sich alles um die Minimierung radioaktiver Strahlung dreht“, so Ettore Fiorine, Physiker der Università degli Studi di Milano-Bicocca und Koordinator des CUORE Experiments. Nach dem Abbau zerfällt 210Pb aber in stabilere Isotope, wobei die Konzentration sich alle 22 Jahre halbiert.

Im Falle des CUORE Experiments nutzte man zur Abschirmung eines Partikeldetektors eine größere Menge Blei aus der Römerzeit, die in einem vor 2.000 Jahren versunkenen Schiff gefunden wurde. Für ein anderes Vorhaben wurden an der Küste Frankfreichs Bleibarren aus einem Schiff geborgen, das im 18. Jahrhundert versunken war. Beide Beispiele führen jetzt zu einer Debatte, wie mit solchen Kulturgütern umgegangen werden soll. In einem Artikel über die verschiedenen Konfliktpunkte erkennt die Archäologin Elena Perez Alvaro zwar die Bedeutung der Teilchenforschung, fordert aber auch zum Dialog zwischen den Disziplinen auf und besonders gesetzliche Regelungen für den Umgang mit solchen Stätten.

Besonderer Auslöser war, wie der Abbau des Bleis aus dem Schiff vor der französischen Küste ablief. Hier wurde die Ladung von Schatzjägern geborgen und ohne Zustimmung der französischen Regierung an das Cryogenic Dark Matter Search-Team verkauft. Die Frage ist also, ob und wie das wertvolle Blei geborgen und genutzt werden sollte. Eine Lösung sollte auf jeden Fall ein Gleichgewicht finden zwischen dem Erhalt wichtiger Kulturgüter für die Erforschung unserer Herkunft, aber auch der Möglichkeit für Physiker, nach neuen und bisher unentdeckten Dingen zu suchen. [Rosetta via Past Horizons]

Bild: Sergey Dubrov/ Shutterstock

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