Redtube Nutzer holen zum Gegenschlag aus

Redtube

Seit einigen Tagen macht die Abmahnwelle gegen die Nutzer bzw. Streamer der Porno-Plattform Redtube Schlagzeilen. Mehr als 10.000 Abmahnungen sind bisher versandt worden. Damit lässt sich eine hübsche Summe verdienen. Allerdings holen die Nutzer jetzt zum Gegenschlag aus und haben ihrerseits Klage gegen die Kanzlei U+C und den Anwalt Daniel Sebastian eingereicht.

Das Absurdum geht in die nächste Runde. Nachdem die Kanzlei U+C und vor allem der Anwalt Daniel Sebastian beim Kölner Landgericht die Deutsche Telekom zur Herausgabe der Daten gezwungen haben, wehren sich einige abgemahnte Nutzer der Porno-Plattform RedTube. Der abmahnende Anwalt wurde jetzt verklagt. Bereits zuvor kam schon die erste Panne in diesem Streit auf den Tisch. Die Kanzlei scheint den Antrag beim Kölner Landgericht so geschickt und allgemein formuliert zu haben, dass es für die Richter nicht ersichtlich war, ob es sich um eine Tausch- oder Streaming-Plattform handle. Insgesamt wurden 62 der 89 Anträgen statt gegeben.

Johannes von Rüden, der Rechtsanwalt, der mehr als 100 der Betroffenen vertritt, hat nun Anzeige gegen Daniel Sebastian erstattet. Aus seiner Sicht liegt ein klarer Verstoß gegen das Datenschutzgesetz vor.  Auch auf Sebastians Mitstreiter, den IT-Spezialist Andreas R., warten offensichtlich strafrechtliche Konsequenzen. Einem Bericht zufolge, war der Mitarbeiter der Firma itGuards offenbar für die Ermittlung der IP-Adressen verantwortlich. Unklar bleibt vorerst, wie Andreas R. seinen Job erledigt hat. In den Anträgen finden sich keine klaren Aussagen, wie diese Adressen ermittelt wurden. Daniel Sebastian ließ nur verlauten, dass die Firma itGuards in seinem Auftrag überprüfe, ob auf „Download-Portalen“ im Internet Filme angeboten werden – ohne Zustimmung der Rechteinhaber. Derzeit vermutet man allerdings, dass ein Werbebanner als trojanisches Pferd eingesetzt wurde. Der Tracking-Service von Redtube für seinen Werbepartner macht es möglich, an die nicht chiffrierten IP-Adressen der Seitennutzer zu gelangen.

Per Klage wird jetzt also geklärt, wie die Kanzlei wirklich an die IP-Adressen gekommen ist. Verbraucherschützer raten, den Betrag nicht zu bezahlen. Aber ist das Streamen überhaupt illegal? Zumindest der Rechtsanwalt Christian Solmecke ist da anderer Meinung. Der reine Konsum von Streaming-Videos sei nicht illegal – so lange keine Kopie auf der Festplatte gespeichert wird. Auch hier streiten sich die Geister – Für das Streamen eines Videos im Internet muss zumindest ein Teil temporär auf den PC gespeichert werden. Sollte der sogenannte Temp-Ordner also nicht nach jeder Nutzung im Internet-Stream-Bereich gelöscht werden, liegt womöglich doch eine Urheberrechtsverletzung vor. Ganz schön kompliziert – und genau das scheinen diese Anwälte mit ihren Abmahnwellen auch nutzen zu wollen – die Unwissenheit der User.

[Quelle:golem.de]

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  1. Die sogenannte Cache-Kopie ist extra im UrhG geregelt. Laut §44a ist diese erlaubt, denn es handelt sich um „eine Übertragung in einem Netz zwischen Dritten durch einen Vermittler“. (Zitat §44a UrhG)
    Daher sollten Streams kein Problem darstellen, da das UrhG nicht verletzt wird, andernfalls wäre das Schauen von Videos beispielsweise bei YouTube oder MyVideo etc. auch schon eine Verletzung.

  2. Man, ja nicht anrufen! :D

    „Gefälschte Abmahnungen im Namen von U+C

    Seit dem 10.12. werden im Namen von U+C Abmahnungen per E-Mail verschickt, in denen den Empfängern Urheberrechtsverletzungen im Internet vorgeworfen werden. Diese E-Mail stammen nicht aus der Kanzlei URMANN + COLLEGEN. Abmahnungen im Namen unserer Mandantschaft werden ausschließlich per Post versandt. Sollten Sie eine derartige E-Mail erhalten haben, bitten wir darum, uns KEINE mehr zuzusenden.

    WENN SIE EMAIL MIT EINEM ABMAHNSCHREIBEN ERHALTEN HABEN, HANDELT ES SICH DABEI UM EINE FÄLSCHUNG. SIE KÖNNEN DIE MAIL LÖSCHEN UND BRAUCHEN UNS AUCH NICHT ANZURUFEN.

    Falls die Email einen Anhang enthält, öffnen Sie diesen bitte keinesfalls, weil oft Schadsoftware mit versendet wird. Bei den meisten Emailprogrammen wird spätestens beim Antworten der Absender der Email in eckigen Klammern angezeigt. Falls Sie den Sender persönlich kennen, teilen Sie ihm bitte mit, dass höchstwahrscheinlich sein Email-Konto und möglicherweise auch der komplette Computer gehackt wurde. Haben Sie selbst eine oder mehrere Emails mit englischen Fehlermeldungen erhalten wie z.B. „Undelivered Mail Returned to Sender“ werden wahrscheinlich über Ihren Email-Account illegal Emails versendet. Ändern Sie dann bitte schnellstmöglichst Ihr Email-Passwort und kontaktieren Sie einen Spezialisten, der Ihre(n) Computer auf Schadsoftware untersucht. Falls Schadsoftware gefunden wurde, sollten alle Passwörter nochmals geändert werden. Auch mit den neuesten Virensignaturen finden momentan nur etwa die Hälfte aller Virenscanner den Tojaner.“[sic]

  3. Nun ja das Landgericht München hat ja dem ein oder anderen Porno schon eine Absage als zu schützendes Werk erteilt, da nur ein „primitiver Geschlechtsakt“ dargestellt wird.

  4. „Allerdings holen die Nutzer jetzt zum Gegenschlag aus“
    Die NUTZER? Bis jetzt ist das lediglich eine *Behauptung* der Abmahnbande. Journalisten würden das im Text auch entsprechend darstellen.

  5. Zu den technischen Umständen der Datensammelei sei noch gesagt, dass es einerseits uhrheberrechtlich stark bedenklich ist, andererseits ist der Aufruf des Werbebanners, über den mutmaßlich die IP-Adresse festgestellt wurde keineswegs technisch an den eigentlichen Streaming-Vorgang gebunden.

    Der Werbebanner kann nämlich auch vollkommen unabhängig vom Stream aufgerufen worden sein, bspw. dann wenn der Kunde den Stream auf der Webseite gar nicht gestartet hat (Play/Stop-Knopf) , oder der Stream aus anderen technischen Gründen nicht starten konnte (Bandbreite unzureichend, kein Flashplayer oder sonstiges notwendiges Plugin) installiert.

    Damit dürfte klar sein, dass die bis dato immer wieder zitierte Software „GLADII 1.1.3“ gar nicht das eigentliche vermutete Aufrufen eines Streams nachgewiesen hat (auch gar nicht in der Lage war eine Hashsumme beim Benutzer zu überprüfen (wie denn? Durch Einbruch auf den PC des Benutzers?)), sondern lediglich Hinweise dafür gesammelt hat, wer potentiell in Frage käme diesen Stream evtl. gestartet zu haben. Die Software „GLADII 1.1.3“ hat also höchstens ausgewertet wer welchen Werbe-Banner gesehen hat. Hier ist aber weiterhin auch immer noch nicht nachgewiesen, dass dieser Werbe-Banner nicht möglicherweise auch von anderen Seiten aus sichtbar war, ein technischer Fehler / Einrichtungsfehler des Webseiten-betreibers ist immer im Bereich des Möglichen.

    All diese wesentlichen technischen Aspekte wurden in der Begründung aber anscheinend unterlassen, sonst wäre wohl selbst der schlauste Richter darauf gekommen, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugehen kann.

    Diese Unzulänglichkeit muss auch der klagenden Partei bewusst gewesen sein. Deshalb wurde offensichtlich jemand gesucht, der bereit war seinen (guten?) Namen dafür herzugeben: Andreas R.

    So wie es aussieht gibt es da beim Herrn Andreas R. eine nicht ganz saubere Vergangenheit als Schuldner. Es ist also gut möglich, dass er wieder in Geldsorgen steckte, und aus der Not heraus wider besseren Wissens eine falsche eidesstattliche Versicherung abgegeben hat. Wer mittels Google-Cache beim Donaukurier sucht wird fündig. Stichwort „“Ich hab‘ einen sehr hohen Lebensstil gehabt“ 25-jähriger Ingolstädter will Selbsthilfegruppe gründen für alle, die notorische Geldsorgen haben“. Veröffentlicht am 18.11.2002.

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