Krümmung als Glaubenssache: Das LG G Flex im Test

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Gebogenes Display, selbstheilende Oberflächenbeschichtung: das LG G Flex wartet mit einigen Neuerungen auf. Aber machen die auch Sinn? Ab morgen ist das Smartphone in Deutschland über Vodafone erhältlich. Gizmodo hatte eine gute Woche Zeit, das G Flex zu testen. Hier kommen unsere ersten Eindrücke.

Es ist groß geraten: ganze 6 Zoll, also 15,2 Zentimeter, misst die Display-Diagonale des G Flex. Da wäre der Zwitter-Begriff Phablet schon eher angebracht als die Bezeichnung Smartphone. Es ist so groß, dass es aus den meisten Hosentaschen herausragt, auch in so manche Jackentasche mag es nicht passen. Braucht der Besitzer eines G Flex also künftig eine Clutch fürs Handy? Aber die Größe ist freilich kein Problem, sie ist eine bewusste Entscheidung, sowohl von Seiten des Herstellers als auch des Käufers.

Satte Farben, geringe Auflösung

1280 x 720 Bildpunkte hat das G Flex zu bieten, etwas wenig für ein Handy dieser Größe und Preisklasse. Die Konkurrenz bietet da schon oftmals Full HD mit 1920 x 1080 Bildpunkten. Beim normalen Gebrauch und beim Betrachten von Videos stört die ‘geringe’ Auflösung kaum – denn das Display bietet dennoch satte Farben und starke Kontraste. Lediglich bei kleiner Schrift und langen Texten wünscht man sich hin und wieder etwas mehr Bildpunkte.

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Das Entscheidende am Display des G Flex ist aber nicht seine Auflösung, es ist die Krümmung. Und die ist eigentlich an sich keine neue Sache: schon vor Jahrzehnten gab es Kinos mit gebogenen Leinwänden, die so einen dreidimensionalen Effekt vortäuschen und ein besseres Bild bieten wollten. Seit einiger Zeit feiert das gebogene Bild bei Curved-TVs ein Revival – und ist jetzt auch beim Smartphone angekommen. Und ja, wenn man mit dem G Flex Videos ansieht, denkt man wirklich, dass der gebogene Bildschirm eine Verbesserung bringt: das Bild wirkt näher, der Betrachter wähnt sich mittendrin im Geschehen. Aber das ist freilich ein sehr subjektives, gefühltes Erleben.

Verbesserte Sprachqualität Dank gebogenem Display?

Einen weiteren Vorteil soll der gebogene Bildschirm mit sich bringen: verbesserte Sprachqualität. Denn das Mikrofon wandert näher an den Mund, während der Lautsprecher bequem am Ohr bleibt. Ob die geschätzten ein, zwei Zentimeter, die Mund und Mikrofon so näher zusammenrücken, wirklich einen Unterschied machen? Ein wenig vielleicht, aber auch das bleibt, wie der vermeintlich bessere Seheindruck, letztendlich ein subjektiver Eindruck.

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Das G Flex ist… flexibel!

Das G Flex ist tatsächlich, wie sein Name suggeriert, flexibel. Richtig biegen lässt es sich freilich nicht, aber doch mit der Hand (und angeblich mit einem Maximalgewicht von 100 Kilogramm) flach zusammen drücken. Das funktioniert, weil das Display aus Kunststoff gefertigt ist und macht Sinn, wenn man das Smartphone falsch herum, also quasi gegen die natürliche Biegung des Hinterns, in der Gesäßtasche verstaut hat und sich hinsetzt. Es bricht nicht, sondern biegt sich.

Ein magischer Schutzmechanismus – der nicht immer schützt

Ein weiterer Schutzmechanismus des G Flex ist seine spezielle Beschichtung, die auf der Rückseite aufgebracht ist. Ein Speziallack soll kleine Kratzer wieder zufließen und somit verschwinden lassen. Bei kleinen, sehr oberflächlichen Kratzern funktioniert das auch – wie unser Testhandy aber schmerzhaft feststellen musste, ist die Beschichtung bei tieferen Kratzern jedoch machtlos.

Die Bedienung des G Flex

Die Bedienung eines Smartphone von der Größe des G Flex kann naturgemäß nur beidhändig erfolgen. Dafür hat sich LG einige nette Features ausgedacht, um die Bedienung zu erleichtern, wie etwa die Möglichkeit, das Display durch ein zweifaches Klopfen zu entsperren oder eine auf der Rückseite angebrachte LED, die mit verschiedenen Farben die verschiedensten Hinweise gibt. So zeigt sie etwa an, wenn man von derselben Person mehrmals vergeblich kontaktiert wurde – es könnte also etwas Dringendes vorliegen, entsprechend leuchtet die LED. Multitasking unterstützt das G Flex Dank Dual Window, das einfach und super mit dem großen Display anzuwenden ist.

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Innere Werte, die überzeugen

Bleiben die inneren Werte. Ein Qualcomm 2,3 GHz Quad Core Snapdragon 800 Prozessor liefert eine sehr gute Leistung bei fast allen Anwendungen, mit 32 GB ist auch der interne Speicher absolut ausreichend, auch wenn er nicht mit Mikro-SD erweitert werden kann. Der Akku – er ist ebenfalls gebogen und laut LG einer der eigentlichen Knackpunkte bei der Entwicklung des G Flex gewesen – bietet 3.500 mAh Leistung und im Test eine sehr gute Performance. Installiert ist auf dem G Flex Android 4.2.2 – das ist nicht die allerneueste Version, aber sollte letztendlich auch nicht weiter stören. Weitere Features sind eine Kamera mit 13 Megapixeln, eine Frontkamera mit 2,1 MP, sowie Bluetooth 4.0 und NFC.

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Unser Fazit nach einer Woche Test

Vieles am LG G Flex ist Glaubenssache, allen voran der gebogene Bildschirm. Ob das Seherlebnis tatsächlich besser ist und die Sprachqualität sich wirklich steigert, kann nur subjektiv beurteilt werden – uns aber hat das krumme Smartphone überzeugt, auch wenn es mit einem Verkaufspreis von 799,- Euro doch extrem teuer geraten ist (wesentlich günstiger ist es freilich in Kombination mit einem Vodafone-Vertrag).

Das G Flex ist vor allem eins: ein Hingucker, dem zweifelnde, staunenden oder ungläubige Blicke der Mitmenschen sicher sind. Und für manch einen mag eben genau dies das entscheidende Kaufargument sein.

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  1. Ein Entsperren des Bildschirms durch zweifaches tippen hat Nokia mit dem Glancemode (Blick) bereits vor geraumer Zeit schon eingeführt ;)

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