So stark wird das Internet in Südkorea zensiert

Cyber Attack On South Korea Traced To China

In Sachen Internetgeschwindigkeit liegt Südkorea weit vorne. Leider aber auch, was die Zensur des World Wide Web betrifft.

Die Regierung in Seoul treibt momentan Pläne voran, das südkoreanische Internet mit Breitbandleitungen auszubauen, die bislang nicht dagewesene Surfgeschwindigkeiten erlauben sollen. Doch trotz Highspeed-Netz sind viele Internetseiten in Südkorea nicht erreichbar.

The Economist hat einige unschöne Fakten zur Internetpolitik des asiatischen Landes veröffentlicht. So wurden alleine im vergangenen Jahr 23.000 Internetseiten gelöscht und ganze 63.000 gesperrt. Seiten aus Nordkorea sind grundsätzlich nicht zugänglich. Aber es kommt noch krasser:

Ein Gesetz, das auf die Zeit des Koreakrieges zurück geht, verbietet es, südkoreanische Karten außer Landes zu bringen. Da der Norden und der Süden sich noch immer offiziell im Kriegszustand befinden, wurde das Gesetz auf elektronische Kartendaten erweitert – was bedeutet, dass zum Beispiel Google auf seinen Servern keine südkoreanischen Kartendaten verarbeiten und deswegen auch keine Routenplanung innerhalb des Landes anbieten kann. Im Jahr 2010 urteilte die UN, dass die KCSC (Korea Communications Standards Commission) “effektiv Zensur betreibt”.

Tolle Aussichten. Immerhin laden die nicht zensierten Seiten dank Highspeed-Internets schneller. Weniger Wartezeit also, in der man sich fragen könnte, wo wohl der Rest des Internets hin ist.

[Economist via gizmodo.com]

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  1. Die meisten (vorallem Teenager) dort nutzen ohnehin VPN´s und Proxy Möglichkeiten.
    Ihr glaubt doch nicht ernsthaft das sich Menschen vorschreiben lassen was sie sich anschauen und was nicht?
    Solche Zensurmaßnahmen haben nur zur Folge das die Menschen zu anderen Mitteln greifen werden und noch weitere mit ihren Aktivitäten in den Hintergrund tretten um unerkannt zu bleiben.
    Sowas bringt nunmal nur etwas gegen Leute die keinerlei Technikwissen haben, und das dürfte dann vorallem die älteren Generationen sein. Wobei selbst diese (meines Erachtens) immer flotter wird in Thema Technik.
    Kurz gesagt – Die Zensur hilft nichts, es “behebt” kein “Problem” was der Staat sehen mag.
    Das ist wie wenn man nen gefährliches Tier in nen Käfig sperrt – es wird dadurch nicht ungefährlicher.
    Und schon garnicht zum Schmuseponny. Es wird einfach einen Weg suchen aus dem Käfig zu kommen, und wenn es einen findet diesen auch nehmen. Und dann ist es wohlmöglich noch angep*sster als es zuvor schon war.. sollte man sich gut überlegen bevor man sowas tut ;)

    grüße

  2. Deshalb gibt es in China auch gleich noch die passenden Umerziehungslager.
    Und für alle die immer ganz vorne dabei sind von – zB Apple – zu fordern, dass sie auf die Produktionsbedingungen ihrer Zulieferer achten sollen, achtet ihr auf die Produktionsbedingungen beim Kauf eurer Produkte zB – Made in China?
    Oder ist es nur einfacher zu rechtfertigen, weil man selbst ja sparen muss, wo es nur geht, aber so eine große Firma müsste doch, sollte doch … oder man selbst ja so klein ist und die Firma so groß ….
    IMMER wenn man eine Rechtfertigung (ist in Ordnung, weil …) gebraucht, weiss man, dass es nicht in Ordnung ist.
    Also, warum ist es für Dich in Ordnung Produkte Made in China zu kaufen?

    1. Dass bei Apple im Gegensatz zu Samsung, LG und Konsorten besonders auf die Produktionsbedingungen geschaut wird, ist ein psychologisches Phänomen.
      Apple vermarktet sich selbst als ein Unternehmen, das den Anspruch hat Produkte für besonders kreative, weltoffene und erfahrungshungrige Menschen anzubieten. Nicht selten gehört dazu auch der Anspruch, die Welt verbessern zu wollen. Da Apple nun zusätzlich in den letzten Jahren stark in den Fokus des allgemeinen Interesses gerückt ist – so richtig Krass in etwa seit 2006, also seit dem Plattformwechsel von PPC auf Intel – wird das Unternehmen natürlich an diesem Anspruch gemessen.
      Da die Markenbindung bei Apple und die damit einhergehende, emotionale Bindung der Käuferschaft besonders hoch ist, werden natürlich auch ethische und moralische Standards die sich indirekt oder direkt aus der Markenphilosophie ablesen lassen, besonders stark gewichtet und dem Unternehmen dann bei nichteinhaltung zur Last gelegt.

      Microsoft auf der Gegenseite hat mit diesem Problem natürlich nicht zu kämpfen. Die gelten seit jeher als der gefräßige, böse Moloch, der uns BlueScreens zum Frühstück serviert und uns alle knechtet.
      Dass MS, nicht zuletzt wegen Bill Gates, mehr für eine Verbesserung der Lebensumstände von Menschen in armen Regionen, aber auch von den Schwachen in der eigenen Gesellschaft getan hat als so mancher Industriestaat und da fällt da gerne leicht hinten über. Auf der andern Seite meckert hier aber auch keiner, wenn man seltene Erden aus Konfliktregionen fürs Surface benutzt…

      Warum kaufe ich nun Produkte in China? Weil China sich in seinen Arbeits- und Lebensbedingungen heute kaum noch vom Deutschland des frühen bis mittleren 20. Jhd. unterscheidet. Weil auch die individuelle Freiheit in China immer weiter Fortschritte macht und westliche Berichterstattung gerne einen sehr starken, pro-amerikanischen oder mitteleuropazentrierten Wahrnehmungsbias hat. Das beste Beispiel dafür sind aktuell die Spiele in Sotschi. Man vergleiche nur die Berichte über die Verhältnisse vor Ort, die aus dem US-Fernsehen stammen, mit denen, von Journalisten in etwa aus Kanada, oder den Berichten von Touristen. Erfolgreiche und ruhige Spiele in Russland darf nicht sein, denn das sind ja die Bösen. Homophobie, Rassismus aber auch eingeschränkte Pressefreiheit sind in Russland zur Zeit noch gesellschaftlicher Konsens und kein aufoktroyiertes Konstrukt von Putin. Solange das so ist, wird sich an der Situation nichts ändern.

      In Korea, dass sich, wie der Artikel ja zeigt, nach wie vor im Krieg befindet, ist das nicht anders. Bis in die späten 1970er Jahre hinkte der Süden dem Norden in wirtschaftlichen Belangen gnadenlos hinterher und war eine beinahe ebenso knüppelharte Diktatur, wie die Volksrepublik Kim Il-Sungs. Mit dem Unterschied, dass sie unter dem Schutz der USA stand. Das beeinflusst bis heute die Wahrnehmung und damit auch letztlich die Entwicklung beider koreanischer Staaten. Zensur im Internet ist da letztlich irgendwo ein Überbleibsel des 20. Jahrhunderts. Hier gilt letztlich aber dasselbe, wie in Russland. Solange die Bevölkerung das jetzige System als erfolgreich empfindet, wird es kaum dagegen vorgehen und die Zustände bleiben so, wie sie sind.

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