MWC: Qualcomm stellt 64-Bit-Octa-Core-CPU vor [Videointerview]

MWC 2014  Georg Schweighofer von Qualcomm

Nachdem Qualcomm mit dem Snapdragon 401 im Dezember 2013 seinen ersten mobilen 64-Bit-Prozessor für das Mittelklassesegment vorgestellt hat, folgen auf dem MWC nun SoCs mit 64-Bit-Architektur für High-End-Geräte. Die Modelle Snapdragon 610 und 615 unterstützen beide ARMv8 und  kommen mit vier, beziehungsweise acht Kernen. Sie bieten Support für LTE Kategorie 4, UMTS samt Datenturbo HSPA+ (bis 42 MBit/s) sowie den jüngsten WLAN-Standard IEEE 802.11ac. Wir haben uns auf dem MWC mit Qualcomms Snapdragon Experten Georg Schweighofer unterhalten.

64-Bit-Prozessoren haben den Vorteil, über 4 GByte Speicher ansprechen zu können. Derzeit bietet zwar kein Smartphone so viel RAM , das wird sich aber mit Sicherheit in Zukunft ändern und Arbeitsspeicher über 4 GByte zum Standard werden. Um das Potential der 64-Bit-Technologie voll ausnutzen zu können, muss allerdings auch die für 32-Bit-CPUs ausgelegte Software wie Googles Android auf die 64-Bit-Architektur angepasst werden. Gerüchten zufolge soll aber auch dies schon bei der nächsten Android-Version 4.5 der Fall sein.

Die neuen Snapdragon-SoCs unterstützen dieselben Hardware-, Software- und Funktechnologien wie der Snapdragon 410, da sie pinkompatibel zu diesem sind. Allerdings sind sie mit der vergleichsweise schnelleren Adreno-405-GPU ausgestattet, die DirectX 11.2, OpenGL ES 3.0 sowie die GPU-Computing-API OpenCL unterstützt. Sie kann Quad-HD-Bildschirme mit einer Auflösung von bis zu 2560 mal 1600 Pixeln ansteuern. Auch Support für die Streaming-Technik Miracast und das hardwarebeschleunigte Dekodieren von H.265-Video ist an Bord.

Smartphonehersteller “haben nun ein komplettes Portfolio an LTE-fähigen Produkten, vom Einstiegsbereich bis hin zur 600er-Klasse”, sagte Cristiano Amon, für Qualcomms Geschäftsbereich Mobile und Computing zuständiger Co-Präsident. Dadurch könnten Hersteller schnell neue Geräte in verschiedenen Preisklassen entwickeln. Da alle Snapdragon-Modelle dieselbe Drahtlostechnik nutzten, beschleunige sich zudem die Zertifizierung durch Mobilfunkanbieter. “Sicherzustellen, dass das Gerät [durch Carrier] überprüft wurde, ist der schwierigste Teil der Entwicklung”, so Amon. “Wenn sie den Snapdragon 410 überprüft haben, bedeutet das im Prinzip, dass sie keine weitere Überprüfung durchführen müssen.”

Bis erste Smartphones und Tablets mit den jetzt vorgestellten Snapdragon-CPUs in den Handel kommen, wird es aber noch einige Zeit dauern. Testmuster will Qualcomm erst im dritten Quartal an Hersteller ausliefern. Erste Geräte sollen dann im vierten Quartal erscheinen.

Neben den Snapdragon-Modellen hat Qualcomm in Barcelona auch einen neuen Modemchip für den Automotive-Bereich vorgestellt. Der im 20-Nanometer-Verfahren gefertigte Gobi 9×30 unterstützt LTE Advanced (Cat 6), das theoretisch Downloadraten von bis zu 300 MBit/s ermöglicht. Zugleich stellt er WLAN nach IEEE 802.11ac und Bluetooth 4.1 bereit. Auf dieser Basis sollen Autohersteller neue Telematik- und Infotainment-Funktionen in ihre Fahrzeuge integrieren können. Testmuster werden bereits an Kunden verteilt.

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