Test: Narrative Clip – das Auge am Hemdkragen

Narrative Clip 1 Gizmodo

Der Narrative Clip fotografiert mit fast 3.000 Fotos pro Tag seine Umwelt und kreiert dadurch ein persönliches Tagebuch in Bildern. Wir steckten uns den Narrative Clip für ein Wochenende ans Hemd. Warum der Narrative Clip trotz netter Idee von uns nur 2 Sterne erhält erfährst du im Test.

Deutschland ist mittlerweile ein friedliches Land. Etwa 300 Morde gibt es bei uns jährlich -beruhigend gering. Kein Grund also, seine Umwelt permanent zu überwachen und jeden, der einem über den Weg läuft, zu fotografieren. Das schwedische Start-Up Narrative erlaubt es uns trotzdem, obgleich es etwas völlig anderes im Sinn hat.

Let Narrative change your life for the better. Get outside more, try new things and spend time with the people you love.

Das steht in dem englischen und hübsch bebilderten Handbuch des Narrative Clips. Alle 30 Sekunden macht dieser ein Bild von seiner Umwelt.
Obwohl Narrative das in dem Zitat anders beschreibt: Du kannst mit deinen Freunden selbstverständlich auch noch ohne den Narrative Clip Spaß haben. Wir haben herausgefunden was das 3,5 mal 3,5 Zentimeter große Gadget wirklich taugt.

Narrative Clip – Die Bildqualität

Testphoto 1
Narrative Clip Testbild 2

Testphoto 2

Die fünf Megapixel-Kamera lässt sich von leichtem Wackeln, wie zum Beispiel Gehbewegungen, nicht beeinflussen. Bei ausreichend Licht lassen sich die Bilder der Kamera durchaus ansehen, sobald sich die Umgebung aber verdunkelt, wird die Bildqualität schnell kritisch und neigt zu starkem Rauschen. Die meisten Smartphones holen in punkto Bildqualität deutlich mehr raus. Dafür bietet das Gadget Sensoren, die die Lage des Narrative Clip ermitteln und gedrehte Fotos wieder in die Horizontale bringen. Ein Algorithmus filtert nachträglich sehr ähnliche Bilder heraus, da sich gewisse Motive im Laufe des Tages schnell mal doppeln. Der Clip, der das Gadget an der Kleidung befestigt, hält sehr gut an dünnen und dicken Stoffen. Sogar an ein einziges Blatt Papier konnten wir den Narrative Clip hängen.

Durch zweimaliges Tippen auf die Oberseite des Narrative Clip lässt sich jederzeit ein Foto aufnehmen, das in der Narrative App automatisch als Favorit markiert wird. Außerdem zeigt die Tap-Funktion auch den Batterie-Stand mithilfe der vier winzigen LEDs an der Seite an.

Narrative Clip – Akku und Speicher

Bei Dunkelheit sollte sich der Narrative Clip automatisch ausschalten. (Übrigens neben einem Hammer die einzige Möglichkeit das Ding auszubekommen, solange der Akku noch nicht leer ist.) Während unseres Tests fanden wir trotzdem knapp dreißig schwarze Bilder, die der Narrative Clip in einer Schublade gemacht hat. Letztendlich reicht der Akku des Clips maximal für zwei fotografierte Tage. Dann wird es auch Zeit den internen acht GByte Speicher zu leeren, der leider für keine andere Zwecke als Speichermedium genutzt werden kann. Während der Narrative Clip via USB am Computer hängt und die Bilder überträgt, wird auch der Akku wieder aufgeladen. Die beiden Prozesse hat man dank eines kleinen grauen Fensters im Bildschirm immer unter Kontrolle.

Die knapp 2.900 Bilder pro Tag wurden mit GPS-Daten und Uhrzeit gespeichert. Sobald sie auf den Rechner gespielt sind, werden sie in eine Cloud geladen. Zugriff darauf hat man nach dem Upload auch mit einem iOS- oder Android-Produkt. Dann kann man den Tag Revue passieren und sich mit dem berieseln lassen, das man größtenteils schon gesehen hat.Narrative Clip 2 Gizmodo

Narrative Clip – Der erste Spaß

Spannend wird das ganze, wenn man mit einem Geschäftspartner beim Essen zig Fotos aufnimmt, die den Gegenüber mit vollem Mund und Ketchup-Gesicht zeigen. Auch bei sportlichen Aktivitäten wie Radfahren scheint der Narrative Clip ein praktisches Gadget zu sein. Allerdings denken wir, dass man in dem Fall lieber noch ein bisschen Geld drauflegen und dann mit einer GoPro wirklich gute Bilder und Videos machen sollte. Der Narrative Clip erlaubt leider keine Video-Aufnahmen, ansonsten könnte man damit rechnen, dass die sogenannten Fail-Compilations im Internet durch den Narrative Clip einen regen Zuwachs erfahren würden.

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Narrative Clip – Reaktionen

Ob sich der Narrative Clip in den Farben weiß, grau oder orange zu stark von der Kleidung abhebt, hängt natürlich von jedem selbst ab. Für uns war das Gefühl den ganzen Tag zu fotografieren eher unangenehm und man wollte sich manchmal am liebsten bei Freunden und Kollegen dafür entschuldigen.

Narrative Clip 3 GizmodoBitte dreh´ dich weg“, war der häufigste Satz, den wir mit dem Narrative Clip zu hören bekamen. Die Hersteller erwähnen im Handbuch zwar auch die Möglichkeit, den Narrative Clip einfach vors Fenster zu stellen und am Abend zu gucken, was an der Straße vor dem Fenster alles passierte, aber für die Funktion einer schlichten Überwachungskamera gibt es geeignetere und sogar billigere Alternativen.

Der Narrative Clip (deutsch: erzählender Clip) kostet 279 US-Dollar, das sind umgerechnet etwa 200 Euro. Gebühren für die Cloud fallen nach dem ersten Jahr an und belaufen sich netto auf jährlich neun US-Dollar, umgerechnet 6,50 Euro.

gizrank 20 Sterne

Fazit:
2 von 5 Sternen, denn: Der schön gestaltete Narrative Clip funktioniert kinderleicht, hat aber leider relativ wenig zu bieten. Als Trend-Objekt wird er sich nach unserer Meinung eher nicht durchsetzen, weil er für einen Preis von 200 Euro zu schlechte Bilder macht und keine Video-Funktion besitzt.

Obwohl mit dem Narrative Clip die Möglichkeit, das Gesehene und Übersehene aus dem Alltag für immer sichtbar zu machen, plötzlich ganz nah wird – auf die Akzeptanz des sozialen Umfeldes wird man unserer Meinung nach in den meisten Fällen vergebens warten. Hilfreich wird der Narrative Clip dann, wenn er zufällig den Moment und Bildausschnitt erwischt, in dem man seine Schlüssel verlegt hat. Sehr wahrscheinlich ist dieses Szenario jedoch nicht.

Zusammenfassung

plusplusDas schlichte Design des Narrative Clip hat uns wirklich gefallen. Er wirkt weder wie eine Überwachungskamera, noch versucht er sich täuschend zu tarnen.

plusEin bebildertes Tagebuch kann manchmal sehr spannend sein, schließlich bleiben beim Menschen nur etwa 0,002 Prozent der visuellen Eindrücke hängen.

minusWenig überzeugend ist die Bildqualität. Man schießt tausende Fotos, aber ausdrucken und an die Wand hängen möchte man die meisten Bilder nicht.

minusminusPreis und Missbrauchsgefahr sind die größten Minuspunkte. Nicht nur dass man 200 Euro zahlt und manche Freunde nervt. Man lädt auch zwangsweise alle Fotos in eine Cloud und kann nur hoffen, dass die Bilder dort sicher sind. Die Aufnahmen besitzen GPS-Informationen und gewisse Geheimdienste würden sicher gerne sehen wie unsere Wohnungen von Innen aussehen.

Neue Gadgets machen nur kurz glücklich.

[Narrative Clip, Statista]

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