Türkei: Erdogan schießt Twitter ab

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Der türkische Premierminister Erdogan hat seine Drohungen wahrwerden lassen und jetzt Twitter gesperrt. Das soziale Netzwerk ist in der Türkei überaus populär.

“Twitter und solche Sachen werden wir ausrotten”, zitiert Spiegel Online aus einer Rede, die Erdogan am Donnerstag gehalten hatte. “Die internationale Gemeinschaft kann dazu sagen, was sie will. Mich interessiert das überhaupt nicht.” Schon wenige Stunden später, in der Nacht auf Freitag, machte Erdogan ernst und ließ Twitter in der Türkei sperren.

Voraus gegangen waren Streitigkeiten zwischen Erdogan und den Führern der Gülen-Bewegung. Auf YouTube waren Audiomitschnitte aufgetaucht, die Erdogan und seine Familie in die Nähe von kriminellen Machenschaften rückten. Über Twitter hatten sich die kompromittierenden Aufzeichungen rasch verbreitet und Erdogan in Bedrängnis gebracht. Der sprach von Fälschungen und machte Gülen dafür verantwortlich – und eben auch die sozialen Netzwerke wie Facebook, YouTube und Twitter.

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Twitter soll sich laut einer Meldung der AFP geweigert haben, die Verfügungen türkischer Gerichte umzusetzen. Die Gerichte forderten die Löschung als illegal eingestufter Links. Daraufhin haben die Behörden den Zugang zu Twitter kurzerhand gesperrt.

Twitter prüft nach eigenen Angaben die Berichte. Nutzer in der Türkei könnten aber weiterhin Tweets per SMS verschicken, teilte das Unternehmen über sein @policy-Konto mit. Das “Schlupfloch” soll in den Netzen von Avea, Turkcell und Vodafone funktionieren.

In einer ersten Reaktion twitterte Neelie Kroes, Kommissarin für Digitale Agenda und Vizepräsidentin der EU-Kommission: “Das Twitter-Verbot in der Türkei ist grundlos, sinnlos und feige. Das türkische Volk und die internationale Gemeinschaft werden dies als Zensur ansehen. Das ist es.”

Twitter ist in der Türkei äußerst beliebt. Ende 2012 waren 39 Prozent aller aktiven türkischen Internetnutzer bei Twitter aktiv – in Deutschland waren es hingegen nur 6 Prozent. Noch erfolgreicher ist in der Türkei nur Facebook – auch dieses soziale Netzwerk wollte Erdogan in der Vergangenheit bereits blockieren lassen.

[Foto: Mental Balance bei flickr.com; mit Material von Stefan Beiersmann, ZDNet.de]

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  1. ja nicht für seine Politik. Aber wenn jetzt auch noch FB dran glauben würde, fänd ich das gut. De Macht dieser Unternehmen, die nichts produzieren und für länderübergreifende und vereinheitlichte PC sorgen, ist einfach zu groß geworden. Bevor sich jetzt einer echauffierst, ist es wirklich in Ordnung, wenn ein Unternehmen, das Server zum Datenaustausch zur Verfügung stellt, 400.000.000.000 Dollar wert sein soll? Wenn morgen alle Server von FB und Twitscher ausfallen würden, was würde passieren oder sich ändern? … Genau das ist die Marktbedeutung dieser ‘Dienste’.

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    1. Du hast ja recht mit deiner Aussage über diese Dienste, aber wer was nutzt hat keine Regierung zu entscheiden, sondern der Nutzer selbst.

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