Wird Google Glass verharmlost?

(Bild: Google)

Google will mit den Mythen über Google Glass aufräumen und hat eine Hitliste von zehn Missverständnissen und Irrtümern über seine Computerbrille veröffentlicht, die allesamt zeigen, dass sich das Unternehmen in der Defensive befindet. Die Sorgen der Menschen werden klein geredet oder gar ignoriert.

Von vornherein versucht Google in seiner Top-10-Liste die Probleme zu verharmlosen und ins Lächerliche zu ziehen. „Mythen können lustig sein aber auch verwirren oder ein seltsames Gefühl vermitteln. Und wenn sie oft genug wiederholt werden, verwandeln sie sich für Viele in Fakten“. Ja, natürlich. Einhörner rennen ja auch in jeder Fußgängerzone herum.

Leider geht es Google in der Liste gar nicht um echte, sondern vielmehr um Probleme, die an den Haaren herbei gezogen sind. Ein Beispiel:

Mythos 4 – Glass steht in den Startlöchern

„Glass ist ein Prototyp und die Tester (Explorer) und die breite Öffentlichkeit spielen eine wichtige Rolle, wie das Endprodukt aussehen wird. In den 11 vergangenen Monaten gab es neun Softwareupdates und 3 Hardware-Updates, die teilweise auf Feedback der Tester zurück gingen.“

Niemand hat jemals behauptet, dass Glass in seiner finalen, perfekten Form bereits vorliegt – das Gerät ist nicht einmal im Handel erhältlich. Stattdessen gibt Google von sich: „Wir lieben Probleme – weil mehr Probleme mehr Feedback bedeuten“ Klingt ja toll aber was ist mit den massiven Datenschutzbedenken?

Myth 6: Glass bedeckt eure Augen

„Ich kann mir nicht vorstellen, einen Bildschirm über einem Auge zu haben“, soll ein Experte geäußert haben, beschreibt Google das nächste, ausgedachte Problem. Hätte irgendjemand gedacht, dass Google Glass ein Auge bedeckt? Wir glauben kaum. Das Microdisplay bedeckt das Auge nicht, es ist nicht im Brillenglas eingelassen (das wäre absolute Zukunftsmusik) und es ist winzig klein. Der Experte ist übrigens in seine Eigenschaft als Mitglied in einem Automobilclub befragt worden.

Was ist mit der Kamera, die ungefragt jeden aufnehmen kann, in die der Benutzer blickt? Ausgelöst wird mit einem Zwinkern. Google hat dafür vor kurzem einen Knigge für Glass-Benutzer veröffentlicht. Man solle die Menschen doch vorher fragen, bevor man sie aufnimmt. Man solle sie nicht anstarren, in der Ecke stehen und die Leute filmen. Klar – man benimmt sich ja auch wie die Axt im Walde. Das ist kein Ratschlag für erwachsene Menschen sondern für Kinder.

Die Nutzer wollen, dass Wearable Electronics so wenig invasiv wie möglich ist – besonders wenn es um Dritte geht. Glass ist das genaue Gegenteil davon.

Mythos 2: Glass ist immer an und nimmt alles auf

Nein, das tut die Brille natürlich nicht. Dann wäre der Akku schnell leer und der Speicher voll.
Google scheint immer noch nicht verstanden zu haben, das die Kritik, die dem Unternehmen entgegen schlägt, nichts persönliches ist. Jede neue und möglicherweise invasive Technik würde genauso ins Fadenkreuz der Kritiker geraten. Mit Google hat das nichts zu tun. Man stelle sich vor, Microsoft oder Apple würden versuchen, so eine Brille auf den Markt zu bringen.

Man wird über Glass diskutieren müssen – auch wenn die Brille weder für Reiche (Mythos 8) oder für Nerds (Mythos 3) ist oder überall auf der Erde verboten ist (Mythos 9). Und zu behaupten, dass wir uns an die Datenbrille genauso gewöhnen werden wie an das Smartphone (Mythos 10) ist entweder wirklich ein riesiges Missverständnis seitens Googles oder schlicht eine Frechheit, weil dadurch die berechtigten Sorgen der Menschen als rückständig weggewischt werden.

Was denkt ihr über Google Glass?

Via gizmodo.com

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  1. in der Gesellschaft, in der die Bereitschaft zur gegenseitigen Maßregelung und Überwachung immens groß und was noch bedenklicher ist, als normal empfunden wird. Wo werden Individualität und eigener Ideenreichtum wirklich gefördert? Statt dessen haben wir die Tendenz zur Uniformierung. Ein klares Zeichen, dass wir Unterdrückung bereit sind nicht nur hinzunehmen sondern auch weiterzugeben an unsere Kinder und Mitmenschen. Konkurrenz ist ja wahrscheinlich gut und förderlich, Konkurrenz-Kampf ist es nicht. Menschen erreichen große Ziele in Zusammenarbeit nicht durch Ellenbogenmentalität. — In der jetzigen Gesellschaft sehe ich Die Daten-Kamera-Brille als ein Mittel der freiwilligen Totalüberwachung und gegenseitiger Kontrolle. Auch wenn der einzelne Anwender dies garantiert nicht im Sinn hat. Das Recht am eigenen Bild ist mit Handys schon schwer genug durchzusetzen. Mit der ‚Brille‘ wird es praktisch unmöglich sein.

  2. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Versicherungen Risikoaufschläge wie bei Extremsportarten für das Tragen dieser Brille erheben werden. Es werden sich viele Bürger körperlich gegen das permanente Beobachten wehren. So zumindest meine Hiffnung.

    1. Was genau hat das permanente Beobachten mit Google Glass zu tun? Permanentes Beobachten erreicht man durch das Tragen kleiner, unauffälliger Kameras, die, wie Google durchaus richtig erwähnt, nicht nur praktisch unsichtbar sind, sondern auch noch deutlich längere durchhalten als Glass. Wahlweise installiert man auch einfach Überwachungskameras. Ich meine, es gibt deutlich bessere Wege, sind Umgebung aufzunehmen als mit Google Glass. @Andreas Donath: Woher genau wissen sie, dass Google Glass (oder ähnliche Brillen) nicht mal ganz normal werden? Kommen sie aus der Zukunft? Wer hätte bei der Erfindung der Dampflok gedacht, das einmal derart viele Züge durch das Land fahren werden? Wahrscheinlich niemand. Vielleicht wird Glass niemals so weit verbreitet sein wie das Smartphone heute. Vielleicht aber schon. Er weiß das schon?

  3. Selten einen so reißerischen unbegründeten Schwachsinn gelesen. Ist der Beitrag von der Bild gekauft? Hier gibt es keine Diskussionsgrundlage, außer warum Leute so gut anspringen, wenn man ihre Ängste schürt. Ich muss diesen gizmodo Quatsch jetzt erstmal aus appygeek entfernen…

  4. Ich versteh nicht, wie jemand positive Artikel über die GoPro schreiben kann und gleichzeitig Datenschutzbedenken wegen Google Glass hat. Was ist mit den ganzen Mountainbikern die mittlerweile die GoPro dabei haben und alles und jeden Filmen. Diese Videos werden dann stolz auf YouTube geteilt egal wer da alles zu erkennen ist. Wo bitte ist da der Unterschied zu Google Glas? Man kann nicht das eine verteufeln und das andere in den Himmel loben.

  5. Mir fällt zu Google Glass eigentlich nur ein: was soll ich damit? Ich weiß, so fingen viele technische Innovationen an. Aber wenn ich unterwegs bin und ein Foto machen will, wissen will, wann der Bus oder die Bahn fährt, mal was posten will, wissen will, was mein Supermarkt im Angebot hat oder Musik/Radio/Podcasts hören oder Videos angucken will, dass ziehe ich ein kleines Gerätchen namens Smartphone aus der Tasche. Was brächte mir Google Glass oder ähnliches an Mehrwert?

  6. Blödsinn, die Probleme treten die nächsten Jahre erst einmal garnicht auf. Die Brille sieht bescheuert aus und fällt extrem auf. Nur ein paar Freaks würden so etwas tragen.

    Wenn das Display direkt im Brillenglas eingelassen ist und man keinen Klumpen mehr am Kopf spazieren trägt, dann wird das eventuell etwas werden. So ist Glass nur für Randgruppen die sich ausgrenzen wollen interessant.

    Und was das filmen angeht einfach ein paar mal möglichst öffentlich ein Exempel statuieren. Wenn es stört ein paar Leute anzeigen die ungefragt Bilder veröffentlichen. Das ganze schön öffentlich und das Thema verschwindet schnell in der Versenkung.

    1. Da bin ich doch mal gespannt wie du nachweisen willst, das
      – erstens jemand gerade filmt oder ein Foto macht
      – zweitens dieser Film/Foto auch noch öffentlich zugänglich macht

      Denn nur dann darfst du dagegen vorgehen das du gefilmt/fotografiert wirst. Und selbst körperliche Übergriffe gegen Glass-Träger sind keinesfalls gerechtfertigt da die Relation fehlt. Von daher wird jeder, der einen Glass-Träger wie auch immer angreift mit einer Schmerzensgeldklage rechnen dürfen. Mal von der Sachbeschädigung abgesehen.

      1. Das ist doch ganz einfach: Die Augen offen halten nach Bildern der eigenen Person. Und dann direkt die betreffende Person rechtlich angehen. Den der sich die Finger damit verbrennt und das dann wieder macht möchte ich gerne sehen.

        Was du da anderes in meinen Text rein interpretierst ist mir schleierhaft? Körperlich angehen? Wo hast du das denn her? Das öffentliche Exempel ist der Eintrag im sozialen Netz, in dem die Abmahnung bzw. das Urteil genannt wird. Das entfaltet die abschreckende Wirkung.

  7. Google nimmt die Bedenken schon etwas auf die leichte Schulter, man hätte das ganze vielleicht ein bisschen feinfühliger angehen können. Aber nichts desto trotz glaube ich nach wie vor an Google Glass. Auch bei Smartphones hatten viele Leute Bedenken und gabs etliche Diskussionen und Gegner. Heute hat fast jeder ein Smartphone und benutzt es non-stop.

    1. Bei einem Mobiltelefon mit Kamera habe ich eine Chance, zu bemerken, dass jemand eine Aufnahme macht. Bei einer Brillenkamera muss ich davon ausgehen, dass jemand eine Aufnahme macht, wenn er in meine Richtung schaut. Mit diesem Verdacht möchte ich nicht durch die Straßen laufen und auf Partys gehen. Stell Dir doch bitte mal Deinen Alltag vor, wenn nur jeder Zehnte solch eine Brille tragen würde. Kombiniert mit Gesichtserkennung wäre dies de facto Totalüberwachung.

  8. Ich finde, ihr redet hier ein bisschen am Thema vorbei. Ich möchte Google Glass gar nicht mit der GoPro vergleichen, da ich mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster lehne und behaupte, dass die GoPro eher ein „Nischenprodukt“ (eins, das sich gut verkauft, ohne Frage) bleiben wird. Die Angst der Leute geht ja viel mehr in Richtung totale Überwachung vom großen Bruder. Hier geht es nicht darum, dass eine Privatperson seinen Spaziergang aufnimmt, sondern darum, dass eine solch massiv vernetzte Technologie, eben auch massiv missbraucht werden kann. Das mag jetzt für viele stark nach Science Fiction klingen, aber mal angenommen es rennen 1/4 aller Bürger mit solch einer Brille herum und diverse… „Organisationen“… haben über eine Hintertür Zugriff auf die Live Daten dieser Brillenträger…
    Das ist derzeit zwar technisch noch nicht machbar, aber ich muss ganz ehrlich sagen, sogar als Informatiker war ich über einige aufgedeckte Spähprogramme wirklich erstaunt und dachte nicht, dass diese möglich seien.
    Da muss ich noch „Strange Days“ zitieren: Die Frage lautet nicht, ob du paranoid bist, die Frage lautet, bist du paranoid genug?

  9. Google Glass ist unabwendbar Freunde. Der einflussreichste Konzern der Welt steht mit seiner geballten Lobbymacht dahinter. Es gibt nur zwei Möglichkeiten : Akzeptieren oder unendlich lange kämpfen.

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