„Android oder iOS?“ ChoiceMap hilft dir bei jeder Entscheidung

choice map

Die App ChoiceMap erlaubt es dir deine Entscheidungen schnell und ehrlich zu treffen. Hinter dem einfachen Prinzip steht ein an Synästhesie leidender Mensch, der sich die Theorien eines Nobelpreisträgers zunutze macht. Aber darf eine App über unser Leben entscheiden?

iOS oder Android? Kind oder Karriere? Was macht unser Leben aus, wenn nicht unsere Entscheidungen? Klar. Der schwer verdauliche Smoothie aus Familie, DNA und Gesellschaft. Aber es könnte auch umgekehrt lauten: Was macht unsere Entscheidung aus, wenn nicht unser Leben?

Das klingt schon etwas korrekter. Mit jeder Entscheidung bewegen wir uns einen Schritt vorwärts (manchmal fühlt es sich auch wie rückwärts an) und wir entwickeln uns weiter. Ein ungeheures Phänomen. Das dachte sich auch schon Wilhelm Busch.

Sage nie: „Dann soll’s geschehn!“
Öffne dir ein Hinterpförtchen
durch „vielleicht“, das nette Wörtchen,
oder sag: „Ich will mal sehen!“

Zitat: Wilhelm Busch

Und trotzdem werden wir irgendwann, täglich, gar minütlich vor einer Wahl stehen, in der die Fronten in uns unerbittlich gegeneinander kämpfen. Diese Fronten sind es, die wir in ChoiceMap als Faktoren eintragen können. Diese Faktoren sind es dann, die wir mit Wertigkeiten belegen und so in die Schlacht ziehen lassen.


Quelle: YouTube

Viele große Fragen lassen sich in ChoiceMap stellen. „Soll ich mit meinem Partner Schluss machen?“ oder „Welchen Namen gebe ich meinem Baby?“. Diese und weitere Fragen sind Default in ChoiceMap. Wer vor anderen Entscheidungen steht muss diese noch manuell anlegen.

Die Entscheidungshilfe Choicemap gibt es seit einem Jahr gratis bei iTunes und entstand laut Heike Buchter (boldeconomy.com) aufgrund eines neurologischen Handicaps des Entwicklers Jonathan Jackson. Er leidet unter Synästhesie, das heißt er nimmt Sinneseindrücke gekoppelt wahr. Beispiel: Hip-Hopper Kanye West behauptet aufgrund seiner Synästhesie Musiknoten als Farben wahrzunehmen.

Laut App-Entwickler Jackson zeigt sich die Synästhesie bei ihm aber anders. Er nimmt den internen Entscheidungsprozess als dreidimensionales Diagramm wahr. Um auch anderen Menschen die Vorzüge seiner Synästhesie zuteil werden zu lassen, entwickelte Jackson einen Algorithmus, der seinen Denkprozess nachahmt.

Die App erziehe zu Ehrlichkeit und durchdachteren Entscheidungen, glaubt Jackson. Hierbei ist Jackson auch von den Entscheidungstheorien des Wirtschaftsnobelpreisträgers Daniel Kahnemann beeinflusst. Der Amerikaner unterscheidet zwei grundsätzliche menschliche Entscheidungsprozesse. Der Unbewusste ist schnell und emotionsgesteuert, der Bewusste dagegen langwierig und überlegt. ChoiceMap versucht den Prozess durch Algorithmen zu beschleunigen.

Wie im Video zu sehen ist, hat dieses Prinzip bei Jackson bereits gefruchtet. Er hat sich getraut und ist nun mit einer alten Freundin in Seattle verheiratet. Diesen Mut zur Entscheidung soll möglichst jeder erlangen dürfen. Jackson plant daher Großes.

ChoiceMap könnte die Entscheidungsfindung eines jeden revolutionieren. Dazu müssen zunächst die Fragen erweitert und das Angebot auch für andere Betriebssysteme wie Android zugänglich sein. Genau daran arbeitet Jackson zur Zeit.

Wohin dieser Weg führen kann ist für viele schon normal, manch einer hat aber noch große Bedenken. Sollen wir wirklich unser Leben in die Hände einer App legen? Ist ChoiceMap das Ende des autonom denkenden Individuums, das sich dem eigenen Verstand bedient? Was würde Immanuel Kant sagen?

„Unser Entscheiden reicht weiter als unser Erkennen.“

Zitat: Immanuel Kant.

Die Auswirkungen einer Entscheidung sind also anfangs ohnehin noch undurchsichtig. Aber zurück zum Thema: Nein. ChoiceMap übernimmt keineswegs die Kontrolle über uns. ChoiceMap sagt uns auch nicht, wie wir uns entscheiden müssen. Die App gibt uns lediglich den Mut uns so zu entscheiden wie wir wollen. Sie soll jedem helfen seinen Weg zu gehen.

ChoiceMap funktioniert also wie jede andere Entscheidung auch. Nur schneller und etwas ehrlicher.

Aller Lobhudeleien zum Trotz gibt es ein großes Problem an ChoiceMap: Wenn wir ChoiceMap über individuelle Themen entscheiden lassen, tragen wir vorher die Optionen mit Wertigkeit ein. Aber welche Optionen? Und wie sollen wir sie dann überhaupt bewerten? Auch hier müssen wir uns entscheiden! Letztendlich kommen wir also nicht daran vorbei auch mal auf unser Gefühl zu hören und so koppelt uns selbst dieser Algorithmus nicht von der Subjektivität unseres Handelns ab.

Wir müssen also selbst wissen was wir wollen. ChoiceMap gibt uns nur den Mut dazu. Ich selbst habe mich bereits entschieden: Sobald es ChoiceMap für Android gibt werde ich mutig und probier´s aus!

Ach ja, falls du dich fragst warum es seit Veröffentlichung der App ein Jahr bis zu diesem Artikel dauerte: Wir konnten uns echt lange nicht entscheiden.

[Via Techchrunch, BoldEconomy, Bildquelle: Screenshot YouTube]

Tags :
  1. ChoiceMap oder nicht; das ist hier die Frage:
    Obs edler im Gemüt, die Entscheidungsfindung
    Der synästhetischen App zu überlassen oder,
    Sich waffnend gegen eine See von Zweifeln
    durch eigene Entscheidungen das Grübeln zu beenden? ChoiceMap – Entscheidung –
    Nichts weiter!
    (dragonSG)

  2. Der Artikel in Kurzfassung:

    Um schwierige Entscheidungen zu treffen, hilft es, die Alternativen gegeneinander abzuwiegen. Dafür bestimmt man die Kriterien, die man vergleichen möchte. Da nicht jedes Kriterium gleich wichtig ist, gewichtet man diese noch.
    Dann bewertet man die Alternativen anhand der Kriterien und wenn man die (gewichteten) Werte für jede Alternative aufaddiert, bekommt man ein Ergebnis. Da man über diesen Weg seine eigenen Prioritäten bewusst macht, ist das Ergebnis vermutlich besser, als ohne dieses Vorgehen.

    Um diese Schritte zu vereinfachen, hat Jonathan Jackson die App ChoiceMap für iPhone entwickelt.

    1. Thx Manwe! Einen Satz hast du aber vergessen: „Wenn jeder seinen Entscheidungsprozess mit ChoiceMap beschleunigt, haben wir wieder mehr Zeit um längere Artikel bei Gizmodo zu lesen.“

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Advertising