Test: SmartPlane von TobyRich – das Flugzeug für Mobilgeräte

SmartPlane-Gizrank

Das kleine Propellerflugzeug aus Styropor wirkt rein optisch viel zu zerbrechlich, als das es sich im Wind behaupten könnte. Ob es trotzdem unsere Erwartungen erfüllt und wie wir uns bei den ersten Flugversuchen anstellten, erfährst du im Test.

Gewöhnliche Drohnen sind ja mittlerweile ihren Kinderschuhen entwachsen und erregen nicht mehr die große Bewunderung wie noch vor wenigen Jahren. Es braucht also was Neues! Das SmartPlane des Bremer Startup-Unternehmens TobyRich ist die nächste Stufe eines Smartphone- oder Tablet-gesteuerten Fluggerätes. Das laut Hersteller weltweit erste Flugzeug für Mobilgeräte macht seit vergangenem Herbst die Lüfte unsicher. Im Gegensatz zu einigen Drohnen dürfte das elf Gramm Leichtgewicht allerdings ausschließlich als Spaßobjekt dienen. Das SmartPlane wird also keine Amazon-Pakete ausliefern. Trotzdem braucht sich das SmartPlane vor nichts und niemandem zu verstecken.

SmartPlane – Die Kompatibilität

Über einen mitgelieferten microUSB-Anschluss wird das SmartPlane binnen 15 bis 20 Minuten geladen. Gesteuert wird das SmartPlane mit einer einfachen App. Leider gibt es diese App nur für gewisse iOS-Produkte, nämlich das iPhone 4S, iPhone 5, iPad Mini, iPad der dritten Generation oder den iPod touch ab der fünften Generation. Schade, dass die Nutzung so stark limitiert ist.

SmartPlane-Flug-Start

Verarbeitung und Haltbarkeit

Abgesehen vom Propeller, dem USB-Anschluss und der restlichen Elektronik besteht das SmartPlane nur aus expandiertem Polypropylen (EPP) und zwei schmalen Kunststoffelementen, die die beiden Tragflächen des Doppeldeckers verbinden. Die einzelnen EPP-Teile sind ineinander gesteckt und verklebt. Sämtliche Testflug-Abstürze hat es ohne Schaden überstanden, nur die Höhenflosse wurde auf die Dauer ein ganz klein wenig schief. Mit etwas Fingerspitzengefühl konnte man das aber gerade biegen und schon flog das SmartPlane wieder wie vorgesehen.

Dennoch: Ob das SmartPlane auch auf Dauer den Beanspruchungen Stand hält können wir nicht sagen. Die dünnen EPP-Teile, allen voran der acht Millimeter dünne Rumpf und die Höhenflosse am Ende des Flugzeugs, sind bei unvorsichtigem Umgang nicht vor Brechen gefeit. Bei frontalen Aufprallen schützt zumindest eine lange Nase aus EPP den kleinen Propeller.

Obwohl das SmartPlane nur 22 Zentimeter lang ist und eine Spannweite von ebenfalls 22 Zentimetern besitzt, empfehlen wir aufgrund des Materials und der Konstruktion das SmartPlane nicht in Taschen zu transportieren. Wer damit auf Reisen gehen möchte benutzt am besten die Originalverpackung.

Die Power

Die Hersteller schreiben von einem extrem langsamen Flug des SmartPlane, das nicht nur Draußen, sondern auch Drinnen geflogen werden kann. Das ist für die Steuerung grundsätzlich am einfachsten. Sobald wir etwas mehr Schub auf das kleine Flugzeug gaben, wurde es für seine Größenverhältnisse relativ flott und stieg auch schnell in seiner Flughöhe.

App-Steuerung

Die App ist kostenlos im App Store erhältlich, einfach verständlich und ebenso gut zu bedienen. Sie ist einem Pilotencockpit nachempfunden und zeigt neben einem Kompass und der Signalstärke auch die Horizontale an. Der Akkuzustand wird als Tankanzeige dargestellt und ein regelbarer Schubhebel dirigiert die Geschwindigkeit, mit der sich der Propeller dreht. Die intuitive Links-Rechts-Steuerung geschieht durch Kippen des Apple-Gerätes.

Das ganze hat uns optisch gut gefallen und war grundsätzlich auch einfach zu bedienen. Bei einem größeren Gerät, wie dem iPad, ist es aber schwer Schub und Lenkung gleichzeitig zu handhaben. Außerdem spielt der Wind ab einer gewissen Stärke und Flughöhe eine Rolle, der die Steuerkräfte des SmartPlane fast nicht mehr gerecht werden können. Wir stiegen gleich beim ersten Versuch zu weit nach oben und prallten dann trotz Ausweichmanövern aufs Nachbardach. Ein Glück, dass das SmartPlane von dort aus wieder nach unten gelangte und letztendlich von diesem Strauch aufgehalten wurde.

SmartplaneSturzStrauch

Als wir ein bisschen mehr auf den Wind achteten und nur noch in zwei bis fünf Metern Höhe flogen, konnten wir das SmartPlane sicher durch die Lüfte lenken – auch weil das SmartPlane sehr langsam und gemächlich durch die Lüfte gleitet. Dank der leicht erlernbaren Lenkung und dem Flight Assist System, das automatisch korrigiert und mit Steuerungsanpassungen unterstützt.

Die Spaßdauer

Klar, sich in den Garten stellen und ein kleines Flugzeug durch die Bäume lenken oder in der Mittagspause einmal über die Köpfe der Kollegen hinwegsausen. Das SmartPlane machte uns Spaß! Aber es ist eben nur ein kleines Kunststoffflugzeug, das nach wenigen Gebräuchen an Reiz verliert und höchstens absolute Luftfahrt-Enthusiasten längerfristig in den Bann zieht. Uns hätte es besser gefallen mit dem SmartPlane die ansehnliche Replika eines historischen Flugzeuges mit zwei- oder dreistöckigen Tragflächen zu steuern. Etwa eine Fokker aus dem ersten Weltkrieg.

Das Design

Dass das SmartPlane kein Fokker-Nachbau ist hat aber seinen Grund. Das schlichte, zweifarbige Design ist einerseits in der ziemlich bruchsicheren Bauweise begründet und entspricht andererseits in seiner Reduktion auf die wesentlichsten Bestandteile eines Flugzeuges dem Design-Konzept von Apple. Hier wird verständlich, warum sich die Entwickler bei der Software auf das Betriebssystem iOS festgelegt haben.

 

Die Konnektivität

Die einfache Verbindung hat uns gut gefallen. App starten. SmartPlane vors Apple-Gerät halten. Schon kann  man das Fliegen beginnen. Die Kommunikation zwischen dem SmartPlane und der installierten App läuft über den Standard Bluetooth Smart, der sich durch eine höhere Reichweite von 60 Metern und geringerem Stromverbrauch auszeichnet. Je nach Schub lässt sich das SmartPlane damit zwischen fünf Minuten und einer halben Stunde fliegen. In unserem Fall war das Flugzeug 15 bis 20 Minuten in der Luft bis es wieder ans Stromnetz musste.

Flugbewegungen

Looping, Trudeln oder Immelmann-Kunstflüge sind mit dem SmartPlane natürlich nicht drin. Und wer es – wie auch immer – schaffen sollte, darf hier gerne ein Beweisvideo posten. Dafür konnten wir Kurven beeindruckend präzise fliegen und selbst enge Radien waren kein Problem. Die Reaktionszeit des SmartPlane geht gegen Null und ermöglicht eine flüssige Steuerung. Kombiniert mit der Langsamflugeigenschaft kann man das SmartPlane auch in Gebäuden kontrolliert lenken.

Allerdings neigte unser SmartPlane bei geradem Flug zu vertikalen Wellen. Wahrscheinlich rührte der regelmäßige Anstieg und Fall des SmartPlane von Beeinträchtigungen durch Abstürze, denn nachdem wir etwas an der Höhenflosse herumdrückten flog es wieder sauberer.

 

Das Smartplane kostet 69 Euro und wird Flug-fertig, zusammen mit einem Ersatz-Propeller geliefert.

gizrank 35 Sterne

Fazit – 3,5 von 5 Sternen

Das SmartPlane funktioniert richtig gut, sorgt für kurzen Spaß, wird in der Regel aber nach ein paar Malen langweilig. Neue Freunde werden es unbedingt sehen wollen und auch gerne damit spielen. Danach kann man das 69 Euro teure EPP-Produkt entweder in den Wertstoffhof bringen, oder in die Vitrine stellen und warten, bis man neue Freunde kennengelernt hat die einen dabei filmen wie man die Fußgängerzone unsicher macht.

plusplusKein Flugschein, keine Pilotenprüfung. Man kann mit der hübschen App sofort ein kleines Flugzeug durch die Luft lenken, denn die Steuerung funktioniert wirklich gut!

plus Es hält vermutlich mehr aus, als man ihm ansieht. Wer nicht vorsätzlich Gewalt anwendet oder das SmartPlane von einer Windböe unglücklich gegen ein Hauseck schleudern lassen muss, kann davon ausgehen, dass es seine Einsatzzeiten relativ heil überstehen wird.

 

minus Das SmartPlane ist ein Gadget ausschließlich für Apple-Kunden.

minus 69 Euro fühlen sich für das SmartPlane zu teuer an, weil das EPP dem Flugzeug ein billiges Aussehen verleiht.

 

[TobyRich]

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  1. Ist das ein Witz? „weltweit erstes Flugzeug für Mobilgeräte“ – definitv nicht, ich habe im letzten Jahr schon etliche andere Rc-Planes gesehen…

    1. Hi André. Ich hab ein bisschen recherchiert, aber nicht wirklich andere gefunden. Bis auf einen Smartphone-gesteuerten Papierflieger, dessen Hersteller aber mit TobyRich zusammenarbeiten. Ehrlich gesagt kann ich mir aber schon auch vorstellen, dass es andere Flugzeuge für Mobilgeräte gibt, darum hab ich´s abgeändert. Danke fürs Feedback!

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