Copernicus startet und bringt Satellitenbilder für jederman

sentinel 1A

Der erste Satellit der Copernicus-Mission Sentinel-1A soll am späten Abend seinen Flug ins All starten. Seine Daten sind dann frei zugänglich und könnten für Klima- und Umweltschützer sehr wertvoll werden. Doch auch Polizei und Militärs freuen sich auf die Live-Bilder aus dem All.

Nach über 15 Jahren Planung soll heute am 03.04.2014 um 23:02 Uhr die Copernicus-Mission starten. Der Sentinel-1A wird als erster von 21 Satelliten der ESA-Mission vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou, Französisch-Guayana, abheben. Copernicus soll das beste Erdbeobachtungssystem der Welt bieten und in Echtzeit detaillierte Bilder der Erde liefern.

Alle drei Tage erstellt Sentinel-1A eine Komplettaufnahme Europas und seiner Gewässer. Die räumliche Auflösung der Bilder beträgt dabei maximal fünf mal fünf Meter. Seine Nachbarn wird man also nicht vom All aus beobachten können.

Trotzdem beanspruchen solche Leistungen viel Energie, deshalb müssen die Instrumente alle 25 Minuten gekühlt werden. In dieser Zeit werden Bilder mit geringerer Auflösung geschossen.

Hier kannst du live zusehen, wenn die Sojus-Rakete um 23:02 Uhr deutscher Sommerzeit abhebt.

Volker Liebig ist für das Erdbeobachtungsprogramm der ESA zuständig. Laut ihm würden die Daten von Copernicus zu 90 Prozent Klima- und Umweltschützer unterstützen, die beispielsweise Meeresströmungen analysieren, die Polkappenschmelze verfolgen oder die Erosion der Strände beobachten. Zu den 90 Prozent zählen auch Landschaftsplaner, Landwirte oder Versicherungen. Die restlichen zehn Prozent werden laut Liebig vor allem Sicherheitsbehörden, Polizei und Militärs sein.

Die Copernicus-Mission, die in der Planungsphase noch GMES (Global Monitoring for Environment and Security) hieß, kann künftig Daten bereithalten, die bislang höchstens Spionagesatelliten generieren konnten. Bedeutsam werden die Daten auch für Eurosur (das europäische Grenzüberwachungssystem) und die Grenzschutztruppe Frontex.

“Viele Dinge können auf zwei Arten genutzt werden. Wenn man die Route eines Schiffs verfolgt, das altes Öl ins Meer kippt, kann man auch die Route eines Schiffs verfolgen, das Waffen in den mittleren Osten bringt”, sagt Liebig.

Mithilfe des Copernicus-Programms könnte man mehr Flüchtlingsboote im Mittelmeer aufspüren. Kritiker gehen aber nicht davon aus, dass der militärische Anteil von Copernicus aus Nächstenliebe eingesetzt wird. Vielmehr könnten mit den Daten zahlreiche Mittelmeer-Flüchtlinge an der Migration gehindert werden.

Bis alle 21 Sentinel-Satelliten im Orbit sind, wird es noch mindestens sieben Jahre dauern. Im nächsten Jahr möchte man Sentinel-1B in die Erdumlaufbahn bringen. Dann werden die beiden Satelliten für mindestens sieben Jahre in einem sechs-Tage-Rhythmus die komplette Erdoberfläche erfassen können – auch bei Dunkelheit oder trübem Wetter.

[Quelle: GMES, Via Zeit, Spiegel, Bild: GMES]

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