MIT will Kernkraftwerke schwimmen lassen

schwimmendes kernkraftwerk

Sicher und kompakt. Wissenschaftler des MIT entwarfen das Konzept eines schwimmenden Atomkraftwerkes, um eine Katastrophe, wie man sie vor drei Jahren in Fukushima erlebt hatte, nicht zu wiederholen. Das schwimmende Kernkraftwerk soll vor allem für ostasiatische Länder sowie Brasilien oder Afrika von Vorteil sein.

Die Abteilung für Nuklearwissenschaften und Ingenieurswesen des MIT (Massachusetts Institute of Technology) präsentierte diese Woche ein Kernkraftwerk, das auf dem Meer schwimmen könnte. Dazu möchte man das Know-How von Leichtwasserreaktoren und Ölplattformen verbinden.

Die großen Vorteile ihres Konzeptes wären die Unempfindlichkeit bei Erdbeben und sogar Tsunamis, denn das Kernkraftwerk soll in etwa 100 Meter tiefem Wasser schwimmen. Außerdem würde das Meer als „unendliche Kühlflüssigkeit“ fungieren, da der eigentliche Reaktor unter dem Meeresspiegel schwimmen würde. Bei den Baustoffen müsste man keinen Beton mehr verwenden. Dieser sorgt laut Professor Jacobo Buongiorno für überhöhte Kosten und Bauverzögerungen.


[Quelle: YouTube]

Laut Buongiorno (Ja, sein Nachname ist wirklich die italienische Übersetzung von „Guten Morgen“) könnte das schwimmende Kernkraftwerk in einer Werft gebaut und anschließend acht bis elf Kilometer vor der Küste auf See verankert werden. Der Strom würde dann über Unterwasserkabel an Land gelangen.

Am Ende seiner Laufzeit, über die keine Angaben gemacht wurden, könnte das Kraftwerk in einer speziellen Werft wieder demontiert werden. Solche Werften werden zum Beispiel von der US-Marine betrieben, um Flugzeugträger oder mit Atomreaktoren betriebene U-Boote abzuwracken.

kernkraftwerk

Quelle: YouTube

Eine Katastrophe wie in Fukushima wäre mit einem schwimmenden Kernkraftwerk laut Buongiorno nicht passiert. Dabei weist er daraufhin, dass das Beben und der Tsunami zwar für die Havarie verantwortlich waren, aber erst die mangelnde Kühlung Schuld an der Kernschmelze hatte. Mit der passiven Kühlung des Meeres müsste man sich darüber keine Sorgen mehr machen.

Vor allem ostasiatische Länder werden vom MIT als potentielle Profiteure der schwimmenden Kernkraftanlagen gesehen. Der schnell steigende Energiebedarf sowie die häufigen Erdbeben und Tsunamis seien triftige Gründe für das Kernkraftwerk. Auch Brasilien und Afrika könnten laut den Wissenschaftlern Interesse für das Konzept entwickeln.

Ein auf dem Meer schwimmendes Kernkraftwerk beeinträchtigt den Lebensraum der Menschen weitaus weniger als herkömmliche Anlagen. Die schwierige Suche nach geeigneten Plätzen an Land, die genügend natürliches Kühlwasser bieten, wäre auf einmal hinfällig. Sollte es doch einmal zu einer Störung in einem schwimmenden Kernkraftwerk kommen, müssten nicht sofort tausende Menschen evakuiert werden, so Buongiorno.

Über Fische und die restlichen Meeresbewohner scheint man sich aber leider weniger Gedanken zu machen. Der Austritt von kontaminiertem Wasser wird bei einem Leck im Behälter schwieriger zu verhindern sein, als an Land. Wie groß die Gefahr von schweren Stürmen einzuschätzen ist, wurde ebenso wenig angesprochen wie die Folgen eines Schiffsunglücks im Zusammenhang mit einem schwimmenden Kernkraftwerk.

Was meint ihr? Sollte man auf die Sicherheit von schwimmenden Kernkraftwerken vertrauen oder lieber in erneuerbare Energien investieren?

[Quelle: MIT, via Golem, Bilder: Screenshots YouTube]

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  1. Ähm, die passive Kühlung kann man getrost vergessen, wenn bei einem Störfall im AKW der Strom ausgeht (ja sowas passiert bei Störfällen). Kühlmittel muß aktiv zu- und abgeführt werden, sonst wandert der Kern unweigerlich auf die Kernschmelze zu, mit reiner Wärmedissipation funktioniert das nicht. Ergebnis wäre, daß das Wasser zwar hübsch kocht, die Kernschmelze aber dann doch nicht verhindern kann. Ob das AKW in kochendem Wasser (= Mischung aus Wasser und Gas) außerdem noch genug Auftrieb hat, um nicht abzusaufen, ist die nächste Frage. Außerdem muß ein AKW von außen mit Strom versorgt werden (selbst wenn es selbst Strom produziert), die Versorgungssicherheit von einer solchen Offshore Anlage würde ich als geringer einschätzen als bei einer Anlage auf dem Festland.

    1. Naja rein theoretisch wäre es bei so einem Kraftwerk schon möglich, eine passive Kühlung zu realisieren. Bei normalen AKWs ist das Problem, dass der Boden usw als Isolator wirkt und sich so die Hitze beim Ausfall der Kühlung staut. Aber wenn das Ding in ca. 5°C kaltem Meerwasser schwimmt, einer unerschöpfbaren Kühlquelle, könnte das schon klappen.

    1. Aber dann auch sinnvolle nachhaltige Energie wie Kernfusionsreaktoren und nicht so ein Blödsinn wie Windkraft und Solarenergie. Und vor allem diese absolut dumme Idee, den Strom in riesigen Lithium Polymer Akkus zu speichern…

  2. Ja ist ganz Super, wenn es zu einer Kernschmelze kommt sind die Entsorgungskosten sehr gering – einfach den Stöpsel ziehen und das Ding säuft zufällig ab und schwupp aus dem Auge aus dem Sinn

  3. NEU ist es nicht.
    Russland wollte bereits vor Jahren mobile schwimmende Kernkraftwerke für Stromerzeugung auf Schiffen bauen.
    Und könnte es jetzt auf Krim gut brauchen, um sofort von Stromlieferungen aus Ukraine unabhängig zu werden.

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