Die Lytro Illum will ein neues Zeitalter der Fotografie einläuten. Wir konnten die Sci-Fi-Kamera bereits ausprobieren [Ersteindruck]

Lytro-Illum-Hands-On-Titel

Die Lytro Illum soll professionellen Fotografen völlig neue Möglichkeiten eröffnen. Sie basiert auf der Lichtfeldtechnologie und hat richtig coole Features an Bord, die die Grenzen von Fokussierung und Perspektive zu sprengen versuchen. Jason Rosenthal, CEO von Lytro, führte uns bei seinem Besuch durch die Möglichkeiten der neuen Lichtfeldkamera Lytro Illum.

In den letzten drei Jahren wurden nach Angaben von Lytro mehr Fotos geschossen als in allen Jahren zuvor zusammen. Der Grund dafür liegt auf und in der Hand: Immer mehr Menschen führen ständig eine – mittlerweile ganz gute – Kamera mit sich. Häufig sind diese in Smartphones verbaut. Ein kalifornisches Unternehmen möchte nun mit der Lichtfeldtechnologie eine Revolution der gesamten Fotografie starten. Lytro wartet mit sogenannten Lichtfeldkameras auf. Wir waren bei einem Hands-On von den Vorteilen der Lytro Illum angetan.

Die Aufnahme eines 4D-Lichtfelds erfasst nicht nur Position und Intensität des einfallenden Lichstrahls, sondern auch die Richtung, aus der er kommt. Dadurch wird nachträgliches Fokussieren des vollständigen Bildes punktgenau möglich. Beim Schießen des Fotos muss man also nicht auf die Schärfe achten, denn vor der Bearbeitung ist quasi alles und nichts scharf.

Links Jason Rosenthal, Rechts Matthias Sternkopf

Links Jason Rosenthal (CEO Lytro), Rechts Matthias Sternkopf (Chefred. Gizmodo)

Nachträglich kann man am schwenkbaren Vier-Zoll-Touchdisplay der Kamera mit der Schärfe spielen oder die Bilder, die im proprietären .lfp-Format abgespeichert werden, am Computer oder auf mobilen Endgeräten mittels Lytro-Software nach Belieben bearbeiten. Auch Animationen lassen sich ausgeben, denn die Lytro Illum erfasst dank der Lichtfeldtechnologie ein Tiefenprofil des Bildausschnitts.

Die einst starren Fotos werden nun zu dreidimensionalen Fenstern mit veränderbarer Perspektive – das Foto lebt! Und genau das möchte Lytro mit der Illum ermöglichen. Die neue Art des visuellen Geschichtenerzählens hat schon jetzt zahlreiche professionelle Fotografen in den Bann gezogen.


[Quelle: YouTube]

Wer vor den vielen Bedienknöpfen einer digitalen Spiegelreflex-Kamera (DSLR) ängstlich zurückweicht, hat mit den überschaubaren sieben Knöpfen plus zwei Drehrädern einen Grund zum Durchatmen. Nicht mal einen Sucher findet man in der Lichtfeldkamera. Gegenüber dem Vorgänger bietet die Lytro Illum auch einen Platz für Aufsteckblitze.

Neue Technologien bringen auch immer neue Möglichkeiten. So lassen sich zum Beispiel Schärfe- und Farbwerte verknüpfen, sodass alle roten Bereiche eines Bildes scharf sind. Ebenso können alle unscharfen Elemente in Schwarz-Weiß dargestellt werden. Und den Ingenieuren bei Lytro fallen ständig neue Sachen ein. Darum können auch nach dem Kauf der Lytro Illum neue Software-Updates installiert werden.

Lytro-Illum-Display

Neu ist das Prinzip einer Lichtfeldkamera übrigens nicht. Der französische Physik-Nobelpreisträger Gabriel Lippmann stellte bereits 1908 theoretische Überlegungen einer Lichtfeldkamera an. Über 100 Jahre später brachte dann Lytro seine erste Lichtfeldkamera auf den Markt. Der Nachfolger, die Lytro Illum, hat nun das Potential für professionelle Anwendungen im Webbereich eingesetzt zu werden. Die deutlich verbesserte Auflösung von 40 Megaray, die vergleichbar mit vier bis fünf Megapixel ist, ermöglicht im Print aber “nur” bis zur Größe eines DINA-4-Blattes ausreichende Schärfe.

Deshalb möchte man mit der neuen Lichtfeldkamera vor allem die Online-Community erfreuen und wird die Lytro Illum zeitgemäß mit einer Sharing-Funktion für gängige soziale Netzwerke ausstatten.

Technische Daten

Auflösung: 40 Megaray,  indirekt vergleichbar mit vier bis fünf Megapixel

Gewicht: 940 Gramm Gehäuse, 900 Gramm Objektiv

Verschlusszeit: Ab 1/4000 Sekunden

Akku: Herausnehmbarer Lithium-Ionen-Akku mit 2100 mAh (laut einem Forum)

Prozessor: Qualcomm Snapdragon 801

Brennweite: 30 – 255 Millimeter

Blende: Durchgehend f/2.0

Display-Auflösung: 800 mal 480 Pixel

Konnektivität: SD-Kartenplatz, WLAN, microUSB, Anschluss für externen Auslöser, Hot Shoe für externen Blitz, Stativgewinde

[Quelle: YouTube]

Das wertige Gehäuse des Lytro Illum hat sich nun der grundlegenden Form einer Spiegelreflex-Kamera angepasst und liegt gut in der Hand. Aufgrund der deutlich geringeren Anzahl an Linsen wiegt das Objektiv nur 900 Gramm. Das ist bemerkenswert wenig, betrachtet man die Brennweite von 30 bis 255 Millimeter, die durchgehend mit einer f/2.0-Blende arbeitet. Gleichzeitig ist eine unendliche Fokussierung möglich, die selbst Makroaufnahmen zulässt.

Lytro-Illum-DS

Objektive für Spiegelreflex-Kameras kosten mit solchen Eigenschaften sonst mindestens 2.000 Euro. Dafür bietet die Lytro Illum aber noch nicht die Auflösung einer DSLR. In wenigen Jahren soll sich die Technik aber so drastisch verändern, dass Lichtfeldkameras bessere Fotos schießen könnten als DSLR, so Lytro. Vor allem die Zusammarbeit mit Qualcomm stimmte die Verantwortlichen zuversichtlich. Mit deren Prozessor Snapdragon 801 hat man das Herz der modernsten Smartphones, wie dem Samsung Galaxy S5, im Kasten.

Test: Lytro Lichtfeldkamera – die erste Generation sah noch gar nicht aus wie eine Kamera.

Sobald die Hardware weit genug ist, werden kommende Lytro-Modelle auch Videos aufnehmen können. Gerade beim klassischen Bewegtbild erschaffen Lichtfeldkameras einen nie dagewesenen Vorteil. Filmproduktionen müssten beim Drehen der immer gleichen Szenen nicht mehr auf die Schärfe achten. Das würde nicht nur Zeit und Mühen sparen, sondern auch das Effektrepertoire im Bereich der Fokussierung deutlich aufwerten.

Lytro-Illum-Schraeg

Im Juli 2014 soll die Lytro Illum ihren Verkaufsstart in Deutschland feiern.  Wer sich damit von der Masse abheben möchte, muss für eine Lytro Illum 1.599 US-Dollar, umgerechnet etwa 1.150 Euro, auf den Ladentisch legen. Wer auf eine Revolution in der Fotografie hofft, muss aber vorerst noch auf die Weiterentwicklung der Hardware warten. Mit der neuen Lichtfeldkamera hat er dafür schon einmal ein tolles Spielzeug, um sich die Wartezeit angenehmer zu gestalten.

Unser erster Eindruck war unübersehbar positiv. Sobald wir ein Testgerät vorliegen haben werden wir uns an einen umfassenden Test wagen. Wir sind jetzt schon sehr gespannt, ob sich unser Ersteindruck bestätigt.

[Quelle: Lytro, Lightfield-Forum]

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  1. Davon habe ich schon mal gehört, wirklich tolle Sache!
    Hoffe mal, dass die Preise schnell purzeln wie das bei allen technischen Produkten der Fall ist!!

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