Anwalt: Tattoo-Selfie kann zur Abmahnung führen

tattoo

Es klingt nach einem schlechten Scherz, doch was solche Fälle angeht, scheinen Juristen die Komiker des 21. Jahrhunderts zu sein. Denn nun hat ein Anwalt darauf hingewiesen, dass nicht jeder Tätowierte seinen Körper ins Netz stellen darf.

Selfies sind gerade modern und mit ihnen die Tattoos. Doch gerade im Sommer, wenn man mehr Haut zu Auge bekommt, sollten Tätowierte vorsichtig sein. Tattoo-Träger die etwa ein Bild mit (sichtbarem) Hautschmuck auf Twitter, Facebook und Co. laden, laufen Gefahr abgemahnt zu werden. So zumindest der Mainzer Anwalt Karsten Gulden.

Laut Gulden könnten demnach Bilder mit Fokus auf das Tattoo dem Tatbestand der Urheberrechtsverletzung unterliegen. Dies könne dann zu einer Abmahnung führen, so Gulden auf infodocc. Das Tattoo gehört nämlich nicht automatisch seinem Träger, sondern vielmehr dem Tätowierer, der die ausschließlichen Nutzungsrechte für seine Kunst besitzt.

Daher rät der Anwalt: Kunden sollten sich zum Zeitpunkt des Stechens am besten eine schriftliche Genehmigung über die Rechte zur Veröffentlichung und zur Ausstellung einholen.

Passt beim nächsten Instagram-Upload also auf, welchen Teil ihr von eurem Körper fotografiert.

[infodocc via lawblog]

Tags :
  1. Ich bezahle doch den Tattowierer das er für mich ein bipd entwirft, wieso gehören mir dann nicht die Bildrechte?

    Wenn ein maler ein bild von mir mahlt und ich es kaufe kann ich doch auch so viele bilder davon auf facebook posten wie ich möchte?

    Dieser Kommentar hat zu viele negative Stimmen erhalten hat. Klicken Sie hier, um die Nachricht zu sehen.
    1. Das Urheberrecht obliegt laut dem deutschen Urheberrechtsgesetz immer beim Künstler. Es ist an die Person gebunden und kann nicht verkauft werden. Man kann lediglich gewisse Nutzungsrechte erwerben. Das ist in den USA zum Beispiel anders.

      1. Hm, also könnte ich als architekt z.b. mein Design aps Kunst erklären und den neuen Hausbesitzer daran hindern Bilder von dem Haus zu veröffendlichen? Wie ist gesetzlich definiert was Kunst, Design ist, wo Urheberrecht drauf liegt und wo nicht?

        1. Da gibt es den sogenannten Schutz der kleinen Münze. Eine Grenze zu ziehen ist echt schwierig, aber so ziemlich alles, was eine “schöpferische Leistung” erfordert, fällt unter das Urheberrecht. Sogar Telefonbücher!
          Zu deiner Frage mit dem Haus: Bilder von Gebäuden sind nicht verboten, siehe Google Street View. Manche Häuser zu verpixeln macht Google nur aus Kulanz. Rechtlich sind sie dazu nicht verpflichtet. Bei den einzelnen Personen sieht das aber anders aus.

        2. Bauwerke sind ausdrücklich im Urheberrechtsgesetz geschützt (Werke der Baukunst gem. § 2 I Nr. 4). Allerdings dürfen Werke, die sich dauerhaft. an öffentlichen Wegen befinden gem. § 59 I UrhG grundsätzlich immer wiedergegeben und die Abbildungen vervielfältigt werden. Geschützt ist also in erster Linie der Nachbau.

  2. Wenn, dann bitte den kompletten Fall erläutern: Auf dem Bild (und hier geht es nicht ausschließlich um die genannten Selfies) muss das Tattoo das Hauptthema sein also das eigentliche Motiv des Bildes ausmachen.

    Beim Bild einer Person ‘mit einem oder mehreren’ Tattoos steht nämlich das Persönlichkeitsrecht im Vordergrund.

    Auch wenn die gestrige Meldung bei mir ebenfalls Kopfschütteln verursachte – es schadet wohl nicht, mit dem Tätowierer diesen Fall abzusprechen.

    Was wäre eine Welt ohne Anwälte? GLÜCKLICH!

  3. wird es verständlicher. Der Urheber eines Werkes bleibt der Urheber. Auch wenn Du ihm noch so viel Geld für sein Werk zahlst, kann er nicht plötzlich nicht mehr der Urheber sein. Somit ist klar, dass der Urheber, Dir die Nutzungsrechte für sein Werk einräumt. Der Tattookünstler der Dir sein Werk in Deine Pelle sticht, ist der Urheber. Du bist der Nutzer seines Werkes. Die Nutzung ist irgendwo – seine AGBs oder durch Werkvertrag oder sonst irgendein Gesetzeswerk – geregelt.
    Ist alles solange in Deinem und in seinem Sinne, bis irgendein Anwalt mal wieder schnelle Kohle durch Abmahnung machen will. Dann wird es pervers :-)

  4. Auf so ne Sche… können auch wirklich nur Rechtsverdreher kommen. Soll bestimmt ein Anreiz für verarmte Tätowierer werden, damit die in Kombination mit dem Anwalt dann absahnen können. Mit der Pron-Geschichte läufts wohl nicht mehr so gut!

  5. Kam schon ein Anwalt auf die Idee Urheberrechte an Fotos von Frisuren geltend machen zu dürfen? Irgendwann wird die Fotowelt dann ziemlich am aussehen. Was für schreckliche Charaktere dahinter stecken
    Widerlich

  6. Muahhh…
    Das erinnert mich ein wenig an den Film Tattoo, also könnte der “Künstler” nach dem Tod des Kunstwerkträgers wohl auch noch das Kunstobjekt einfordern, also deren Haut, da es ja sein Werk ist und er alle Rechte daran hat.
    Da würde ich den Tattoo-Selfieisten eher raten, den Künstler nicht zu verlinken.
    Falls doch der abgebrannte Künster mit dem Anwalt kommt soll er mal beweisen, dass er der Urheber ist.
    Dürfte bei 99.999999% der Tattoos schwierig werden. Ist das jetzt wirklich sein Stacheldraht, Stern, Arschgeweih, etc…. :-D
    Und die restlichen besitzt wirklich ein Kunstwerk eines Ausnahmetalents, und diese kennen den Künstler sowiso persönlich und regeln das wie vernünftige Sammler/Künstler.

  7. Dieser Bericht ist gleichwohl sinnig als unsinnig….
    Das Urheberrecht ist richtig erklärt.
    Aber….
    Selbstverständlich hat ein tattoowierter… Beim Erwerb eines Tattoos davon auszugehen.. Das er seinen Körper danach weiterhin uneingeschränkt ‘verwenden’ kann..
    Deshalb würde sich für einen evtl. Klagenden tattowierer in diesem fall die Rechtslage derart umkehren…
    Dass er seinen Kunden vorher über diesen für den Kunden eher unzumutvaren Umstand hätte informieren müssen…
    Ergo.. Ergibt sich im Klage Fall folgende Situation…
    Der tätowierte klagt gegen auf Nichtigkeit des Geschäfts wegen falschen oder unzumutbarer voraussetzungen…
    DDer tattowierer könnte es aber nicht zurücknehmen… Deshalb hält er lieber die fresse Anstatt eine Mörder Schadensersatz klage zu bekommen…
    Mann mann mann…
    Wenn ich so einen dunk lese….

  8. Es soll Menschen geben die nicht mal die eigene DNA verwerten dürfen, weil es durch Firmen- Rechte gesichert ist.
    Ähnlich bei Pflanzen von Monsanto, dessen Samen der Bauer nicht verwerten dürfen.
    Oder bei Softwarepatenten.
    Die Juristen drehen immer mehr durch.
    Besonders in USA bei „Design“- Patenten.

    Die Gesetze zu Rechteeigentum müssten international reformiert werden, und das Gemeinwohl mehr berücksichtigen !
    Rechte / Patente sollten Entwicklungen schützen um diese zu fördern.
    In der Praxis aber behindern Patente / Rechte immer mehr die Entwicklung und Fortschritt !

  9. In Extremfall könnte ein durchgeknallter Rechtsanwalt klagen,
    auf abziehen und Beschlagnahme der Haut,
    zwecks Übergabe an den Tatovierer…
    loool

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Advertising