Indischer Student kritisiert Premierminister in WhatsApp-Nachricht und wird festgenommen

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Einer indischen Tageszeitung zufolge wurde ein 24-jähriger Student zusammen mit seinen vier Mitbewohnern in Bangalore festgenommen, weil er in einem WhatsApp-Chat Kritik an Narendra Modi, dem designierten Premierminister Indiens, äußerte.

Angeblich wurde der MBA-Student Syed Waqar mitsamt seiner Mitbewohner in Bangalore festgenommen, weil er eine „unangenehme“ Textnachricht mit seinem Telefon verschickte. In der Nachricht soll Waqar den neu gewählten Premierminister (siehe Bild) kritisiert haben.

Die Behörden in Bangalore wurden indirekt durch den RTI-Aktivisten Jayanth Tinekar darauf aufmerksam gemacht. Er teilte der Polizei in Belgaum mit, er habe am 16. Mai eine Anti-Modi-Nachricht in WhatsApp erhalten. Der Absender war Syed Waqar.

Der Polizeikommissar Hemanth Nimbalkar sagte, „wir fanden heraus, dass die anderen vier Jugendlichen nicht in den Versand der Textnachricht involviert waren und haben sie deshalb wieder entlassen. Wir haben nur Waqar verhaftet und ihn an die Polizei in Belgaum übergeben.“

Den Berichten zufolge wurde Waqar unter Berufung auf Absatz 505 des indischen Strafgesetzbuches festgenommen. Die Statements seiner Nachricht sollen „öffentliche Unruhen und die Absicht Angst und Schrecken zu verbreiten“ zum Ziel gehabt haben. Dafür können bis zu sechs Jahre Freiheitsstrafe verhängt werden. Außerdem fiel sein Verhalten als „Senden angreifender Nachrichten über Kommunikationssysteme“ unter Absatz 66 des IT Act.

Was exakt in der Nachricht stand ist nach wie vor unklar. Heute soll der Angeklagte aber vor ein Gericht in Khanapur in Belgaum geführt werden.

Erst kürzlich war Devu Chodankar festgenommen worden, weil er in Facebook postete, Narendra Modi würde Indien mit der „bevorstehenden Gefahr eines Holocausts“ präsentieren. Damit bezog er sich auf Unruhen in Gujurat, die hunderte tote Muslime zur Folge hatten. Der damalige Ministerpräsident von Gujurat war Narendra Modi.

Heute Abend soll Modi als 15. Premierminister Indiens zusammen mit seinen Ministern vereidigt werden. Der designierte Premierminister möchte mit der absoluten Mehrheit, die seine hindu-nationalistische BJP bei den Parlamentswahlen erringen konnte, die indische Regierung verkleinern. Bisher bestand sie aus 28 Ministern und 43 Staatssekretären.

Derartige, international leider nicht seltene, Einschnitte in die Meinungsfreiheit sind nicht nur für ein Land, das technologisch mit den führenden Nationen der Welt Schritt halten möchte, absolutes Fehlverhalten. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen: Daumen runter! Zeigefinger hoch.

[Bild: Shutterstock, Via Times of India, Blick, Buzzfeed]

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  1. Und es ist noch nicht mal klar, was er gesagt hat. – Schaut eigentlich noch jemand auf China? Die machen das mit Millionen ihrer Bürger.

  2. Der Politiker hatte bestimmt eine geheime Handynummer. Alleine die zu kennen ist auch bei uns strafbar, geschweige den noch zu drohen und/oder beleidigen. Daher immer zuerst nachdenken und dann verurteilen!

    1. Er hat nicht dem Politiker Modi geschrieben, sondern dem Aktivisten Tinekar. Der wiederum ist in einer nicht-politischen Organisation.

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