APP – Das war der erste Kinofilm mit Second Screen [Galerie]

APP-Titel

Gestern Abend öffnete sich das ZDF mit dem Spielfilm APP dem sogenannten Second Screen. Mit dem Zweiten sieht man schließlich besser. Wer die App zu APP auf seinem Smartphone oder Tablet installierte, erhielt synchron zum Film Parallelmontagen, alternative Kameraeinstellungen oder die Chats einiger Protagonisten. Spannende Technologie - der Film war aber leider nur ein hektisches Potpourri aus allen Gefahren, die eine vernetzte Welt mit sich bringen kann.

Am 26. Mai um 22:15 Uhr war es so weit. Im ZDF-Montagskino lief der erste Kinofilm mit Second Screen-Technologie. Während zahlreiche Menschen bereits eigenständig ein Gerät als Second Screen benutzen, sich dabei aber nicht immer inhaltlich mit dem Fernsehangebot beschäftigen, ist der Second Screen von APP Teil des dramaturgischen Konzepts.

Die dazugehörige App zum niederländischen Thriller ist 78 MByte (iOS), beziehungsweise 151 MByte (Android) groß und lässt sich aus Googles Play Store und Apples App Store kostenlos herunterladen.

Dann füttert sie den Zuschauer mit teilweise verzichtbaren, teilweise interessantem Material. Dank der großen heruntergeladenen App, die bereits alle Inhalte parat hält, schlüpft man auch offline in die Kamera verschiedener Smartphones, erlebt zeitgleich was an verschiedenen Orten geschieht und kann die Chats der Protagonisten lesen.

Die Synchronisation erfolgt ganz einfach über das Mikrofon. Die App lauscht und ermittelt, wo sich der Film gerade befindet und vibriert von da an immer, wenn sie parallel Inhalte wiedergibt. Das geschah etwa alle zwei bis drei Minuten. Über die technische Umsetzung kann man sich hier nicht beklagen, sie funktioniert einwandfrei. Bleibt nur zu hoffen, dass man sich bei zukünftigen Second Screen-Filmen nicht jedes Mal eine separate App installieren muss.

Wer APP verpasste und sich auch die DVD nicht kaufen möchte, kann getrost einen Blick in die Screenshots des Second Screens werfen.

APP der Film

Bild 1 von 27

APP - Der Film
Die App beinhaltet Zusatzinformationen zur Besetzung, Fotos, Trailer einen Link zum ZDF sowie die Teilen-Funktion auf Facebook und Twitter.

Der Film erinnert inhaltlich an ein überzogenes, 75-minütiges Lehrvideo für alle, die die seit Jahren fortwährende Vernetzung verschlafen haben. So ziemlich alles, was man an eben jener Vernetzung kritisieren kann, fand in APP seinen Platz. Themen wie Privatsphäre, Überwachung, Datenschutz, künstliche Intelligenz oder autonom handelnde Maschinen wurden in APP zu einem großen, blutigen Horrorszenario entwickelt, das viel zu sehr in die Breite als in die Tiefe geht.

Jedem Second-Screen-Anwender wird doppelt vor Augen geführt, wie undurchsichtig diese Welt ist. Damit konstruiert der Film, der den Anfang eines solchen zweigleisigen Fernsehens mache soll, eher die Absicht genau solche Technologie schlecht zu reden und zu verteufeln. Und dabei blockiert die App zum Thriller durchgehend das eigene Smartphone oder Tablet – für manche so schlimm wie Iris im Film.

Dramaturgisch und filmisch ist es eine mittelmäßige Umsetzung, dafür aber eine interessante Erfahrung. Die Macher scheinen von dem neuen Boden, den sie betraten, aber so erstaunt gewesen zu sein, dass sie gleich den kompletten Film selbstreferenziell aufbauten. Grundsätzlich keine schlechte Idee – in Zukunft wird man mit dem Second Screen aber hoffentlich noch spannender und kreativer umgehen. Im Kinofilm APP wollte man einfach viel zu viel und ging dafür in Sachen Dramaturgie unschlüssige, konstruierte und übertriebene Wege.

Der verantwortliche ZDF-Redakteur Frank Baloch hält es aber noch für zu arbeitsintensiv, um dauerhaft TV-Sendungen mit der Technologie zu begleiten. Bis zu einer “smarten Koppelung” werde es noch eine ganze Zeit dauern.

Watch Dogs ab heute erhältlich – Kontrolliere Chicago als Cyberkrimineller und sorge für mächtig Unruhe.

Die Hauptdarstellerin Anna verwendet übrigens ein Gerät von Samsung. Dem gegenüber steht Iris, die unkontrollierbare App, die sich zum Serienkiller entwickelt und rückwärts gelesen Siri heißt. Siri! Da scheinen die Niederländer zu Zeiten des Patentstreits zwischen Apple und Samsung ganz klar Stellung bezogen zu haben.

Der Film APP war der Auftakt eines ZDF-Programmschwerpunkts. Gleich nach dem Thriller folgte der US-Spielfilm “Blindes Vertrauen”, in dem sich ein 14-jähriges Mädchen in ihren unbekannten Chat-Partner verliebt und von ihm vergewaltigt wird. Heute (20:15 Uhr) und Morgen (22:15 Uhr) wird die zweiteilige Dokumentation “Verschwörung gegen die Freiheit” übertragen, in der man sich mit IT-Sicherheit, NSA-Aktivitäten und Spähprogrammen beschäftigt. Wer APP noch sehen möchte, muss sich wohl die DVD kaufen. In der ZDF-Mediathek ist er bisher nicht aufgetaucht.

Tags :
  1. Schaue ihn mir gerade an, in den ersten 30 Minuten kamen gerade mal eine handvoll Infos, da hatte ich mir eigentlich mehr erwartet. Aber mal schauen, wie es sich entwickelt. Das beste bis jetzt war der Anfang. :-D

    1. Ich habe ihn 1 Mal gesehen, und das reicht. Schlecht war er nicht, inklusive einer kleinen Schrecksekunde am Anfang, Stichwort “Zug”.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Advertising