„Wie Polizeifunk abhören, nur legal“: Berliner Polizei twittert alle Einsätze

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Seit Mitte März wird bei der Berliner Polizei getwittert. Bislang waren es gut fünf Tweets pro Tag und die Resonanz durchaus positiv. Nun greift man eine Schublade höher und plant dieses Wochenende 24 Stunden lang absolut jeden Einsatz in Twitter zu teilen - voraussichtlich 3.000 Einträge.

Ab Freitag, 06.06, 19 Uhr wird die Berliner Polizei für 24 Stunden jeden Funkwageneinsatz twittern. Dazu werden Sonderschichten eingelegt, um die voraussichtlichen 3.000 Einsätze direkt aus der Einsatzleitstelle über den Kanal @polizeiberlin_E mit der Welt zu teilen.

„Das ist wie Polizeifunk abhören, nur legal“, sagte ein Beamter im Präsidium. Der Polizeipräsident Klaus Kandt meinte gegenüber dem Tagesspiegel, er wolle zeigen, wie viele Aufträge seine Mitarbeiter jeden Tag bearbeiten. „Die Aktion ist ein Experiment“, fügte er hinzu.

Eine twitternde Polizei ist in Deutschland bislang tatsächlich ein Novum. Darüber hinaus gab es laut Tagesspiegel nirgendwo so viele Einsätze wie in Berlin. Allein im Jahr 2013 gingen fast 1,4 Millionen telefonische Meldungen ein. Jeder Zweite mündete in einem Funkwagen-Einsatz.

Die Nacht von Freitag zu Sonnabend sei außerdem die stärkste Nacht der Woche, weil überall gefeiert wird. Sofern die Kapazitäten der Twitter-Beamten ausreichen, sollen auch spätere Ergebnisse zu den Einsätzen getweetet werden. Ähnlich wie in diesem Fall:

 

Es sei aber auch erwähnt, dass die Polizei derzeit 420 neue Polizisten sucht, die im Frühjahr 2015 die Ausbildung beginnen. Die Einsatz-Tweets sind also nebenbei eine Werbeaktion für angehende Polizeibeamte. Mit Twitter könne man zeigen, wie „anspruchsvoll und abwechslungsreich die Arbeit im Streifenwagen ist“, sagte Kandt. Darum wird parallel zur #24hPolizei-Aktion auch die telefonische Berufsinformation der Polizei unter der Nummer 332 3003 eine Sonderschicht von 19 bis 21 Uhr einlegen, so Pressesprecher Stefan Redlich.

 

Auch das Twitter-Team selbst wird für die Aktion auf neun Beamte aufgestockt, sagte die Twitter-Chefin der Polizei, Yvonne Tamborini. Eigentlich werden Kanäle, die solch große Mengen an Tweets binnen kurzer Zeit absetzen, automatisch blockiert, weil Twitter sie als Spam erkennt. Der Kurznachrichtendienst ist aber informiert und garantierte dem Hashtag #24hPolizei Spamfreiheit, kein Hacker soll der Polizei bei der Aktion dazwischenfunken.

Um das Risiko von Schaulustigen zu mindern, sollen bei heiklen Einsätzen ungenaue Ortsangaben getätigt werden. Das große Publikum erwünscht man sich schließlich nur online, so wie Ende Mai, als diese Meldung etwa eine halbe Million Menschen erreichte.

 

In heiklen Situationen scheint die Transparenz-Offensive gut zu funktionieren. Als beispielsweise Ende April ein Flüchtling in der besetzten Kreuzberger Schule getötet wurde, twitterte die Polizei sofort: „Zur Klarstellung: Eine Räumung ö.ä. der Schule ist nicht vorgesehen.“ Anders als bei vorangegangenen Einsätzen liefen erstmals keine Menschenmengen zusammen, um die Polizei zu stören. In Vor-Twitter- Zeiten hatte die linke Szene mehrfach eine Räumung der Schule befürchtet und zur angeblichen Unterstützung mobilisiert. „Man scheint uns zu glauben“, lautet die erste vorsichtige Bilanz im Präsidium.

Der Hashtag zur Aktion lautet #24hPolizei.

[Via Tagesspiegel, Bild: Shutterstock]

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  1. Und ich dachte die Polizei hätte immer zu wenig Personal.

    Wer den Polizeifunk wirklich abhören möchte macht SDR. Selbst mit einem billigen 7 Euro dvt Stick geht dies.

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