Leap Motion: Minority Report lebt – noch nicht [Test]

Jpeg

Leap Motion: Hinter dem unscheinbaren Namen steckt ein kleines Gerät, welches sich als Kinect für den Schreibtisch oder die Wurzel von Minority Report bezeichnen ließe. Ohne Berührung sollen sich viele Nutzungsmöglichkeiten am Computer ergeben. Bedienungsrevolution oder Spielerei? Wir haben Leap Motion "angefasst".

So sieht die Zukunft aus: Computer spielend leicht aus dem Handgelenk heraus bedienen, ohne sie überhaupt zu berühren. So die Idee des hinter Leap Motion stehenden kalifornischen Start-Ups. Wie Tom Cruise in Minority Report vor einem Bildschirm fuchtelnd die Arbeit erledigen – was könnte intuitiver sein? Millimetergenau soll das Gerät die Bewegungen aller zehn Finger erkennen und umsetzen. Man stelle sich nur die Möglichkeiten vor. Sogar eine Verschriftlichung von Zeichensprache ist in Arbeit.

Leap Motion ausgepackt

Wer Leap Motion auspackt dürfte sich im Hinblick auf dessen Fähigkeiten wundern, wie spartanisch der Lieferumfang ausfällt: Das Gerät selbst – kaum größer als ein Feuerzeug sieht schlicht und unscheinbar aus. Dieser kleine Aluminiumkasten soll wirklich halten, was er verspricht? Abwarten! Daneben in der Verpackung enthalten sind zwei USB-Kabel unterschiedlicher Länge. Eine nette Option für alle Kabelsalat-Hasser. Eine kurze Betriebsanleitung, das war es auch schon. Die Software, welche das Tor zur komfortablen Gestensteuerung ermöglicht, heißt Airspace (hier zu laden).

Bongos trommeln, Seile durchschneiden, Waagen ausbalancieren. Mit Leap Motion ist fast alles möglich.

Die Oberfläche stellt die Schnittstelle zwischen eurem Computer und dem App-Store dar und ist für PC und Mac verfügbar. Dort geladene Apps lassen sich im Anschluss über Airspace ansteuern. Mehr ist nicht zu tun, damit Leap Motion einsatzbereit ist.

Mager: Der Airspace Store

Nachdem eine kurze Demo grundlegende Dinge wie den Radius, in dem mögliche Gesten erkannt werden, aufzeigt, ist die nächste Anlaufstelle der Airspace Store. Wer hier Apps in Hülle und Fülle wie bei Google oder Apple erwartet, wird herb enttäuscht. Neben einigen kostenlosen Programmen sind andere – unter Angabe eurer Kreditkartendaten oder mit PayPal-Guthaben – zwischen etwa einem und 30 Dollar zu haben. Habt ihr die Apps eurer Wahl ausgewählt (oder erworben), werden sie auf der Airspace-Oberfläche installiert und können fortan von dort angesteuert werden. Durch Airspace als Mittler fühlt sich Leap Motion getrennt vom Desktop und somit leider wenig wie eine Einheit mit dem Computer an. Das verstärkt den Eindruck des Gadgets als Spielerei.

Leap Motion Airspace

Airspace bietet einen Übersicht eurer Leap Motion-Apps. Leider erweckt es den Eindruck, das Gerät sei ein Fremdkörper.

Denn ein Gerät ist nur so gut, wie die Software, für die es entwickelt wurde. Und hier fehlt es vielen Entwicklern schlichtweg noch an Erfahrung oder Ideenreichtum, das kleine Kästchen sinnvoll einzusetzen. Der Großteil der Apps stellt kleine Gags wie Balance-Spielereien oder ähnlichem. Auch Karten- oder Modellier-Apps sind im Portfolio enthalten.

Und wie gut funktioniert es?

Die Bedienbarkeit von Leap Motion schwankt zum Teil erheblich. Viele Apps reagieren schlicht zu unpräzise auf die Gesten. Dies ist aber den Entwicklern zu verschulden und nicht der fantastischen Technik, die in dem kleinen Gerät steckt. Denn Apps wie „Kyoto“ zeigen auf wunderbare Weise, was mit dem berührungsfreien Controller möglich ist. Hier könnt ihr deutlich sehen, wie jeder einzelne eurer Finger präzise und ohne Verzögerung eine Reaktion in der Software auslöst: Greifen, Tippen, Saiten zupfen. All das funktioniert – zumindest hier – tadellos. Dennoch überwiegt bis dato der Anteil der schlecht bis sehr schlecht zu bedienenden Apps. Dies mindert die Freude an Leap Motion erheblich, sodass es viel Engagement abverlangt, sich länger damit auseinanderzusetzen. Die Lernkurve ist insgesamt sehr flach und aufgrund der hauptsächlich unausgereiften Software kaum bis gar nicht zu meistern.

Leap Motion

„Kyoto“ gehört zu den Perlen im Airspace-Store. Die beruhigende Spielerei zeigt, wie präzise Leap Motion zwischen Fingern unterscheidet.

Abgesehen davon ist diese Art der Steuerung bereits nach Minuten sehr ermüdend. Gerade wenn zu empfindliche Apps wie Touchless (s. nächster Absatz) eine Präzision abverlangen, die dem Durchschnittsnutzer schlichtweg durch Händezittern oder nicht vermeidbare, ungewollte Armbewegungen nicht möglich ist. Das ist sehr schade und frustet angesichts des Preises von 90 Euro. Leap Motion ist stark von der Software abhängig, die es unterstützt. Und hier herrscht definitiv noch Handlungsbedarf, da das Gerät selbst in den wenigen Einzelfällen zeigt, was es eigentlich drauf hat.

 

„Touchless“ Windows 8 steuern

Eigentlich liegt es nahe, den Computer komplett mit Leap Motion zu steuern, und aus dem App-Gefängnis auszubrechen. Ein solcher Versuch ist Touchless, ein sehr unausgereifter Versuch, Windows 8 zu steuern. Zum Klicken bewegt ihr den Finger auf den Bildschirm zu. Ein Tutorial vermittelt die grundlegende Bedienung: Die euch zugewandte Seite des Wahrnehmungsbereichs des Geräts dient der Navigation und Bewegung des Cursors, die euch abgewandte Seite bildet die „berührbare“ Oberfläche. Leider reiht sich Touchless in die negative Riege der Airspace-Apps ein.

Leap Motion

Mit „Touchless for Windows“ könnt ihr den Desktop bedienen – theoretisch. In der Praxis scheitert die Bedienbarkeit aber.

Die Bedienung ist aufgrund der viel zu genauen Abfrage, dass es allein Minuten dauert, Ordner zu öffnen. Ohne genug Zielwasser werdet ihr auch so schnell kein Fenster schließen können. ;-) Scrollen funktioniert ausschließlich im Tutorial einwandfrei, andernfalls werden stets Elemente angeklickt, über die ihr hinweg gestikulieren möchtet. Die unsichtbare Grenze des Wahrnehmungsbereichs tut ihr übriges dazu.

Fazit Hardware

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Ein schwieriger Fall, der mich dazu bewegt, die Bewertung aufzuteilen: Da wäre einerseits die Leap Motion-Hardware. Viel Arbeit haben die Entwickler in dieses Projekt gesteckt, um es zu dem zu machen, was es ist. Die wertige Verarbeitung umhüllt ein tolles Stück Technik, wie eine Auswahl der Apps beweist. Von seiten des Gadgets stehen alle Türen offen.

Fazit Software

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Es ist nicht dem Start-Up zu verschulden, dennoch sei wiederholt, dass das Gerät nur so gut sein kann, wie seine Software es ermöglicht. Und hier sieht es bis dato düster aus. Die aktuelle Auswahl der Apps ist mager, einige davon sind stark überteuert. Doch der Großteil enttäuscht durch seine Unbenutzbarkeit. Hier fehlt es schlichtweg noch an Erfahrung mit der Technik, denn an deren Unausgereiftheit. Wir hegen dennoch Hoffnung in künftiger Besserung diesbezüglich.

plusUmkomplizierte Einrichtung

plusHohes Potenzial

plusViele Nutzungsmöglichkeiten

plusWertige Verarbeitung

minus(Noch) Geringe App-Auswahl…

minus…mit noch weniger vernünftig funktionierenden Apps

minusBenutzung schnell ermüdend

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  1. Dem Artikel kann ich genau so zustimmen! Die Hardware und auch die Schnittstelle, die LEAP für diverse Programmiersprachen liefert ist absolut bewundernswert und wirkt für den Preis schon beinahe wie ein kleiner Traum. Wenn man aber keine Ambitionen in der Entwicklung hegt, kann ich es absolut nachvollziehen, dass man die LEAP Motion aufgrund der mangelnden Technik als nettes Gadget aber nicht als revolutionäres Input Device ansieht, dass es aber eigentlich ist.

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