Erste Erfolge bei Googles Project Loon

(Bild: Google

Vor einem Jahr stellte das kalifornische Unternehmen erstmals Project Loon, seine Vision, entlegene Orte per hochfliegende Ballons mit dem Internet zu verbinden, vor. Nun versorgt Google einen ersten brasilianischen Ort samt Schule. Der experimentellen Phase ist man aber trotzdem noch nicht entwachsen.

In einem Jahr, so hofft man, sollen laufende Dienste unter Project Loon angeboten werden können. Die Schüler in Campo Maior, einer kleinen Ortschaft in Brasilien, dürfen schon jetzt problemlos ins weltweite Netz. Bevor Google seine Ballons zur Verfügung stellte, verfügten dort nur die wenigsten Bewohner über Internet oder eine Mobilfunkverbindung. Und auch dafür reichte die schwache Verbindung nur an wenigen Positionen rund um den Ort. Teilweise mussten die Personen sogar auf Bäume klettern und prägten den Begriff “Vaga-Lume”, weil die nachts in Bäumen leuchtenden Handys an Leuchtkäfer erinnerten.

[Flugbahn des Ballons Ibis 152, Quelle: Google]

[Flugbahn des Ballons Ibis 152, Quelle: Google]

“Dieser Testflug zeigt auch einige wesentliche Fortschritte von Project Loon auf”, heißt es auf der Google+-Seite des Projekts. “Nahe dem Äquator zu starten, hat uns gelehrt, mit dramatischen Temperaturen, extremer Feuchtigkeit und Skorpionen klarzukommen. Und wir haben erstmals LTE-Technik getestet. Sie könnte uns erlauben, Mobiltelefone direkt mit Internetzugang zu versorgen und damit Möglichkeiten eröffnen, das Internet an weitere Orte zu bringen.”

Zuvor erforderte Loon eine Basisstation und eine Spezialantenne, um eine WLAN-Verbindung bereitzustellen. Das Projekt wurde im Forschungslabor Google X konzipiert, das auch die Computerbrille Google Glass hervorbrachte. Ein Ring hochfliegender Ballons, von stratosphärischen Winden rund um die Welt getragen, sollte das Internet in ländliche, entlegene und unterversorgte Regionen der Welt bringen. Bei seiner Ankündigung vor einem Jahr wurde es als eines der “Mondflug”-Projekte bezeichnet, die nicht von heute auf morgen zu realisieren seien. Tatsächlich spiele die Projektbezeichnung Loon auch ausdrücklich darauf an, dass die Idee “ein wenig verrückt” sei.

Während die Ballons bei den ersten Testflügen in Neuseeland bestenfalls ein paar Tage in der Luft blieben, konnte Google seither durch kontinuierliche Verbesserungen die durchschnittliche Flugzeit um ein Vielfaches steigern. Nicht selten sind sie 75 Tage unterwegs, und ein Ibis 152 benannter Ballon fliegt bereits seit über 100 Tagen. Ein früherer Ballon umrundete den Globus dreimal vor seinem Abstieg. Mit seiner ersten Weltumrundung in 22 Tagen stellte er sogar einen Weltrekord ein.

“Die Ballons liefern die zehnfache Bandbreite, ihre Steuerbarkeit wurde zehnfach verbessert, und sie fliegen zehnmal länger”, fasste Google-X-Chef Astro Teller die in einem Jahr gemachten Fortschritte gegenüber Wired zusammen. Seit den ersten öffentlichen Testflügen in Neuseeland legten Googles Ballons insgesamt mehr als 1,5 Millionen Kilometer zurück.

“Ich hoffe, dass wir an Loons zweitem Geburtstag eine mehr oder weniger ständige Gruppe von Ballons oben haben, statt Experimente zu unternehmen”, sagte Teller weiter. “In einem oder mehreren Ländern werden Sie Ihr Mobiltelefon anschalten und mit den Ballons verbinden können. Ja, Loon wird dienstbereit sein.”


[Quelle: YouTube]

[Mit Material von Bernd Kling, ZDNet.de, Bild: Google]

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