Durchbruch bei künstlicher Befruchtung: Computer erkennen künftig die besten Embryonen

780773502975346498

Die künstliche Befruchtung feiert den größten Erfolg seit 30 Jahren. Mittels eines Algorithmus können die Embryonen ausgewählt werden, die sich am besten für funktionierendes und gesundes Leben eignen. Die Technik, die die Erfolgsquote verdoppeln oder verdreifachen soll, muss sich aber erst noch langfristig bewähren.

„Ich glaube, das ist der aufregendste Durchbruch seit 30 Jahren“, so Professor Simon Fishel, Managing Director der CARE Fertility Group, die die Technik entwickelte. „Jede künstliche Befruchtung (IVF, In-Vitro-Fertilisation) legt unabsichtlich und unwissentlich nicht überlebensfähige Embryonen zurück in die Gebärmutter. Wir hoffen nun einen Paradigmenwechsel bei der IVF zu sehen. So ein starker Anstieg der Geburtenraten ist lebensverändernd für jeden. Das ist der Beginn etwas Aufschlussreichem.“

Die pathetische Reaktion Fishels begründet sich auf der relativ kleinen Zahl 24. So viel Prozent der künstlich in die Gebärmutter eingesetzten Embryonen wuchsen bislang auch zu einem gesunden Leben heran. Die Eingriffe, die gut und gerne 10.000 Euro kosten, könnten mit dem neuen Verfahren eine Erfolgsquote von bis zu 78 Prozent erreichen.

Das neue Vorgehen, das etwa 1.000 Euro kosten soll, ermittelt die Embryonen, die sich am besten für eine Einpflanzung in die Gebärmutter eignen. Dafür machen die Forscher über mehrere Wochen hinweg tausende Zeitrafferaufnahmen im frühen Entwicklungsstadium eines Embryos.

In den Fotos soll die Zeitspanne zwischen dem ersten Auftreten der mit Flüssigkeit gefüllten Höhle, genannt Blastula, und dem letzten Moment, bevor der Embryo mit vollendeter Blastula aus seiner Schutzschale schlüpft, erkannt und gemessen werden. Wenn diese Zeitspanne länger als sechs Stunden dauert, neigt der Embryo laut neuesten Erkenntnissen dazu, eine unnormale Anzahl an Chromosomen zu besitzen. Die sogenannte Aneuploidie führt dabei zu fehlerhaften Schwangerschaften.

Professor Fishel ist froh, die größte Ursache von Fehlgeburten und fehlgeschlagenen künstlichen Befruchtungen damit nun vorher klassifizieren und zwischen riskant oder ungefährlich unterscheiden zu können. „Das tolle an dieser Technologie ist, dass wir die Informationen durch nicht-invasive Eingriffe bekommen“, sagte er. Noch dazu seien die bereits erwähnten Geburtenraten von bis zu 78 Prozent möglich, also bis zu dreimal so hoch wie bisher.

Bislang wurden die Embryonen im Brutkasten jeden Tag manuell von einem Embryologen überprüft. Mit der Zeitrafferkamera des Computers wird nun alle zehn Minuten automatisch ein Bild aufgenommen, ohne in die normale Entwicklung und Umgebung des Embryos einzugreifen, so Alison Campbell, Direktorin der Embryologie am CARE Fertility in Nottingham, wo der Algorithmus, der die Analyse kontrolliert, entwickelt wurde.

„Der Zeitraffer gibt uns die Möglichkeit, mehr als 5.000 Bilder zu beobachten und jedes Teilungs- und Wachstumsstadium genauer zu messen.“ Doch der Fruchtbarkeitsexperte Martin Johnson warnt vor zu schnellen Entschlüssen. Bevor man sich vollständig auf das neue Zeitrafferverfahren verlässt, sollten erst weitere vorausblickende Studien in Angriff genommen werden, die die Technik mit den bestehenden Verfahren vergleichen. „Es gibt noch Widersprüche in den Erfahrungen […] und aus diesen Gründen müssen wir vorsichtig sein“, sagte er.

Schon bisher haben Embryologen versucht zu ermitteln, welche Embryos am gesündesten erscheinen. Auch laut Sue Avery, Direktorin des Frauenfruchtbarkeitszentrums Birmingham, muss die neue Technik erst mit dieser alten Methode verglichen werden. Solange könne man nicht entscheiden, welche Embryonen gewählt werden sollten.

Über kurz oder lang wird das neue Verfahren aber für mehr glückliche Eltern und gesunde Kinder sorgen. Für viele, wenn auch nicht alle Paare finden dann Jahre des Horrors schließlich ein Ende.

Diese chinesische Maschine hilft Männern bei der Samenspende – und wie!

Tags :Quellen:IndependentCARE FertilityYouTubeVia:Gizmodo.com
  1. Na das wird wohl in Deutschland nichts, wenn ich richtig informiert bin, bildet sich die Blastula erst nach 5-6 Tagen. Und in Deutschland müssen Eizellen, soweit ich weiss spätestens am dritten Tag nach der (künstlichen) Befruchtung eingesetzt werden. Dadurch ist die Erfolgsrate ein lebensfähiges Kind zu bekommen noch mal geringer. Gute Zahlen können leider nur Spezialisten geben, da hier sehr gerne mit geschönten Zahlen gerechnet wird (beispielsweise dadurch dass mehrere befruchtete Eizellen eingesetzt werden, oder das eine erfolgreiche Schwangerschaft gezählt wird, obwohl das Kind am Ende nicht überlebt, etc.).

  2. „Das tolle an dieser Technologie ist, dass wir die Informationen durch nicht-invasive Eingriffe bekommen“. Ja, toll. „Jede künstliche Befruchtung (IVF, In-Vitro-Fertilisation) legt unabsichtlich und unwissentlich nicht überlebensfähige Embryonen zurück in die Gebärmutter. Wir hoffen nun einen Paradigmenwechsel bei der IVF zu sehen.” Jedes Jahr erlebt die Reproduktionsmedizin neue und neue Wenden.

  3. Das ist aber fantastisch! „Der Zeitraffer gibt uns die Möglichkeit, mehr als 5.000 Bilder zu beobachten und jedes Teilungs- und Wachstumsstadium genauer zu messen.“ Ja, Biotexcom, die Reproduktionsmedizin erlebt neue Wenden.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Advertising