100.000 Euro Prämie – Russland möchte Tor-Nutzer identifizieren

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Wer den Anonymisierungsdienst Tor nutzt, ist vor Online-Überwachung gemeinhin gefeit. Obwohl selbst viele Fachleute eine Identifikation der Tor-User trotz wiederholter Versuche auf Verschlüsselungs- und Traffic-Routing-Ebene für unmöglich halten, schrieb das russische Innenministerium laut Moscow Times nun eine Prämie von 3,9 Millionen Rubeln (100.000 Euro) aus, um eine Methode zu entwickeln, die eben solche Tor-Nutzer identifiziert.

Eine umfassende Tor-Tracking-Lösung wäre wohl deutlich mehr wert als 100.000 Euro. Darum müssen Teilnehmer auch kein funktionsfähiges Programm schreiben, sondern einen theoretisch machbaren Ansatz vorlegen. Die Bewerberfrist läuft noch bis 13. August, ehe eine Woche später, am 20. August, die Gewinner verkündet werden. Anschließend bleibt diesen bis zum 30. November Zeit, um ihre jeweilige Idee in der Praxis zu erproben. Teilnehmen dürfen allerdings ausschließlich russische Staatsbürger.

Google zahlt dir eine Million Dollar, wenn…

Tor steht ursprünglich für “The Onion Router”. Es handelt sich um ein kostenloses, verschlüsseltes Netzwerk, das den Aufenthaltsort eines Anwenders vor Überwachungs- und Analyseprogrammen ebenso verbirgt wie seine Internetnutzung. Ursprünglich wurde Tor vom US Naval Research Laboratory gesponsert. Es ist nicht nur bei auf Privatsphäre bedachten Anwendern beliebt, sondern auch bei politischen Aktivisten, Dissidenten oder Journalisten. Zugleich nutzen es Kriminelle für Verbindungen zu Drogenverkaufsplattformen. Über Tor kann man beispielsweise auf The Hidden Wiki zugreifen, eine Sammlung illegaler Anleitungen und Handbücher – etwa für Sprengstoffe.

Den Betrieb von Tor stellen Spenden von Privatpersonen, aber auch von Google und der US-Militärforschungsbehörde DARPA sicher. In Russland scheint es zunehmend populär zu sein, um die Internetzensur des Kreml zu umgehen. Die zuständige Behörde des russischen Innenministeriums hat parallel eine Prämie für eine Software ausgeschrieben, die heimlich auf fremde PCs zugreift. Der Projektname lautet Chameleon-2. Für eine solche staatliche Spyware gibt es 20 Millionen Rubel (500.000 Euro).

Von Edward Snowden verfügbar gemachte Dokumente zeigten im vergangenen Jahr, dass auch die US-amerikanische National Security Agency nach einer Möglichkeit forscht, Tor zu knacken. Die US-Bundespolizei FBI und die britische National Cybercrime Unit (NCCU) bemühen sich ebenfalls um einen brauchbaren Ansatz – bisher offenbar vergeblich. Allerdings hatten die Forscher Alexander Volynkin und Michael McCord von der Carnegie-Mellon-Universität geplant, auf der diesjährigen Konferenz Black Hat eine Möglichkeit vorzustellen, wie man Tor-Nutzer mit Ausrüstung im Wert von nur 3.000 Dollar tracken kann. Ihr Vortrag wurde in der vergangenen Woche abgesagt, weil die Forscher nicht berechtigt seien, über die Ergebnisse des staatlich geförderten Projekts am Software Engineering Institute zu sprechen. Tor-Projektleiter Roger Dingledine erklärte dazu, die Community kenne das Problem und wisse, wie sie es beheben könne.

Tags :Quellen:Moscow Times Bild: ShutterstockVia:Florian Kalenda, ZDNet.de
  1. Was ist denn das für eine unzulängliche, aber dafür gewaltig abwertende Formulierung zum Hidden Wiki, bittesehr? Reichlich daneben – einfache Recherche, ein Besuch oder die deutsche oder englische Wikipedia hätten sehr geholfen.

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