Test: Adidas Smart Ball macht jeden Treter zum Toni Kroos?

adidas-smart-ball-titel

Mit großer Euphorie wurde Toni Kroos in Madrid empfangen. Er gilt als komplettester Spieler der vergangenen Fußball-WM und wird wegen seiner präzisen Freistöße schon als nächster Andrea Pirlo gehandelt. Nun soll der Adidas Smart Ball mit seinen integrierten Sensoren jedem die Möglichkeit geben ein Freistoßexperte zu werden. Wir haben herausgefunden wie gut oder schlecht das bei untalentierten Redakteuren funktioniert.

Sportartikelhersteller Adidas wagt sich an das runde Leder, um es gemäß dem Trend, smart zu machen. Während man im Profifußball jahrelang über eine simple Torlinientechnik diskutiert, baut Adidas schlicht Sensoren in den Fußball, die mit dem Mobilgerät kommunizieren. Man entwickelte zusammen mit Profi-Fußballern für Fußballer und wer weiterdenkt, dem werden noch viele andere Sportarten in den Sinn kommen, die, zumindest fürs Training, von dieser Technologie profitieren können, wenngleich es auch schon smarte Sportartikel gibt, beispielsweise Tennisschläger oder Fußballschuhe. Wir haben uns nun, nach einer kleinen Fußball-WM-Verschnaufpause, die Kugel zurecht gelegt und zusammen mit einem Amateur-Fußballer den Adidas Smart Ball ausprobiert.

Farblich eine “High-Tech-Kugel”

Äußerlich sieht der Adidas Smart Ball aus wie ein relativ normaler Fußball. Er ist rund, fühlt sich an wie ein gewöhnlicher, weicher Ball und wird nur der Farben Schwarz, Grau und Grün sowie dem zeitgemäßen Netz-Design wegen mit moderner Technik in Verbindung gebracht. Zumindest stellt man sich moderne Technik gerne so vor: Schwarz und Grau für Metall und Maschinen. Und Grün für das plötzliche Umweltbewusstsein, das auch bei den multinationalen Großkonzernen dieser Welt angekommen zu sein scheint – offiziell zumindest. Doch zurück zum Bolz-Spielzeug.

Was steckt drinnen?

Im Inneren des Balles sitzt ein Sensorkern. Paul Gaudio von Adidas, der den Ball mit verantwortete, verglich den Sensor uns gegenüber mit einem Atomkern, der so geringfügig erscheint, aber letztendlich den großen Unterschied macht. Diese Sensoren, über Gummibänder mit der Hülle verbunden, messen, wie stark man den Ball kickt und wo man ihn trifft, um Geschwindigkeit, Effet und Flugbahn auszugeben. Anhand der Werte schlägt die dazugehörige App passende Trainernotizen zur individuellen Verbesserung vor.

Bild: Adidas

Ein Blick ins Innere. Bild: Adidas

Bevor der Ball letztlich geschossen wird, muss er ruhig auf einer ebenen Fläche liegen und exakt positioniert werden. Das Adidas-Logo soll in Richtung des eigenen Gesichts zeigen und die vertikalen Linien zielen möglichst genau auf das anvisierte Ziel. Es erklärt sich spätestens jetzt, dass der Smart Ball von Adidas ausschließlich für das Trainieren von Freistößen konzipiert wurde. Und selbst hier kann die ständige Bedienung eines Mobilgerätes, das nun einmal benötigt wird, auf die Dauer etwas lästig sein. Eine Integration in eine mögliche spätere Smartwatch wäre deshalb ausgesprochen angenehm.

Die App als Trainer

Ohne App kein Pep. Mit der 205 MByte großen App MiCoach Smart Ball von Adidas bekommt man den spannenden Output, der durch die Daten, die die Sensoren im Smart Ball sammeln, erzeugt wird. Allerdings nur, wenn man ein entsprechendes Apple-Gerät, also iPhone 4 und höher, iPad oder iPod Touch mit Bluetooth 4.0-Support besitzt. Schade, diese proprietären Abhängigkeiten gehen vielen Leuten zurecht auf den Keks.

Zu Beginn erstellt man ein Adidas-Konto und verbindet sein Mobilgerät via Bluetooth Smart mit dem Fußball. Dessen Bluetooth-Schnittstelle ist immer an, der Akku soll im Schnitt trotzdem eine ganze Woche durchhalten. Hat man sich registriert fragt die App noch das Geburtsdatum ab und erläutert einleitend die grundlegenden Regeln zur Benutzung. Dazu gehört die richtige Positionierung des Balles, wie oben bereits beschrieben, sowie Ausschlusskriterien für Schüsse, die weniger als zehn bis zwölf Meter weit fliegen oder nicht mehr als einen Meter vom Boden abheben. In solchen Fällen gibt die App eine der vielen möglichen Fehlermeldungen aus. Unter “Schieß´los” wählt man nun den Fuß, mit dem man die Kugel treten wird und drückt anschließend am Display auf den Ball. Keine Sekunde später sind App und Ball bereit, ein Pfiff ertönt und das System wartet auf den Kick. Dieses Vorgehen ist prinzipiell in allen Modi gleich.

iPhone oder iPod Touch kann man vor dem Schuss, sofern vorhanden, in die Hosentasche oder andere Öffnungen stecken. Wer das iPad aber nicht ins Gras legen möchte, braucht entweder einen Partner oder lässt sich Anderweitiges einfallen. Nun, endlich, haut man drauf. Der Ball fliegt und man selbst wartet. Von alleine kommt er nicht wieder zurück und auch die Datenübertragung dauert ein paar Sekunden. Bis die Daten vollständig übertragen sind ist der Smart Ball aber schon zu weit weg und man ist gezwungen sofort hinterher zu rennen. Ab einer Entfernung von etwa zehn Metern beginnt die App auch wieder mit der Auswertung der Messungen. Dann stehen einem die Informationen zum eben getätigten Schuss zur Verfügung.

Adidas miCoach Smart Ball App

Bild 1 von 13

miCoach Smart Ball
Ein durchschnittlicher Spin. Aber ob der wirklich über die Mauer gegangen wäre?

Die App wertet folglich Geschwindigkeit, Spin, Berührungsstelle am Ball und die Flugbahn aus, wenngleich diese wenig qualitative Aussagekraft besitzt. Ein Vorteil ergibt sich bei ihr erst, wenn man seinen Schuss mit dem Ideal eines Profis vergleicht. Ansonsten führt die miCoach-App anhand der Datenanalyse noch ein paar lehrreiche, meist illustrierte Tipps an, die unter anderem Körper- und Fußhaltung betreffen.

Übrigens: Einer der Vorteile des miCoach Smart Balls ist, dass man seinem Ball eben nicht, wie wir, jedes Mal hinterher laufen muss. Wer den Ball “nur” gegen eine Mauer tritt, erhält trotzdem die selben Daten. Die restliche Flugbahn wird also simuliert. Angenehm ist auch, dass der Ball nicht jede kleine Handberührung als Schuss interpretiert. Man kann den Fußball demzufolge noch leicht bewegen, wenn er laut App schon schussbereit ist und nur auf den Kick wartet. Positiv fällt auch das Gewicht auf, das quasi keinen Unterschied zu gewöhnlichen Fußbällen offenbart. Das ist in unseren Augen allerdings selbstverständlich, schließlich versucht man mit dem Smart Ball die Beherrschung eines normalen Fußballes zu trainieren.

Findet man den Mehrwert?

In der App sind über ein Dutzend Lehrvideos inbegriffen, in denen Fußballer Tricks vorzeigen. Außerdem gibt es unter “Challenges” die Möglichkeit bestimmte Freistoßszenen zu simulieren und nachzuspielen. Dieses Feature gefiel uns am besten, schließlich hatte man direkte Werte, mit denen man sich vergleichen konnte. Schussgeschwindigkeit und Spin sowie die beiden Flugbahnen gewährten eine praktische Orientierung und erweckten den Eindruck, man könne hier wirklich ein sinnvolles Freistoß-Training simulieren, auch wenn man eigentlich nur alleine und einsam auf des Nachbars Acker gegen das Leder trat.

Fürs freie Schießen sollte man sich unserer Meinung nach aber einen Fußballplatz suchen. Ob man über eine unbestimmte Mauer getroffen hätte, zeigt sich hier erst, wenn man wirklich Hindernisse platziert. Auch bei Schüssen in 1,5 Metern Höhe attestierte die App unter der Rubrik “Spin”, dass der Ball “über die Mauer” gegangen wäre. Dabei hätte Phillip Lahm die Kugel im Sprung sogar mit seinem Bauchnabel stoppen können.

adidas-smart-ball-2

Die miCoach-App bietet auch einen Zwei-Spieler-Modus. Hierbei wählt man aus einem Geschwindigkeitsfenster von beispielsweise 64 bis 79 Stundenkilometer und tritt gegeneinander an. Wer nach fünf Versuchen öfter im anvisierten Geschwindigkeitsfenster lag hat gewonnen. Selbiges Prinzip lässt sich auch auf den Einzelnen anwenden. Man spielt also alleine und versucht die Vorgaben der App bezüglich Schusswerte zu erreichen.

Wer einen häufigen Tipp der miCoach-App befolgt, kann sich selbst beim Schießen oder Tricksen filmen und den Clip dann mit vorgefertigten Sequenzen vergleichen. Im optimalen Fall benötigt man hierzu aber ein Stativ beziehungsweise einen Freund, der einen mit dem Mobilgerät aufzeichnet. Andere Möglichkeiten zur eigenen Entwicklung soll der Menüreiter “Werde besser” liefern. Hier kann man bestimmte Ziele (Kraft, Effet, Berührung, Knuckleshot, also Flatterball mit null Spin) auswählen und jeweils versuchen sich zu verbessern.

Die größte Frage, der sich der miCoach Smart Ball von Adidas aber stellen muss, ist freilich die Sinnfrage. Natürlich ist es schön die Geschwindigkeit des eigenen Schusses zu messen und in eigenen Datenbanken oder den Werten von anderen Spielern zu vergleichen. Aber bringt einen dieses Gadget darüber hinaus wirklich weiter? In begrenztem Maße, so glauben wir, hat der Smart Ball tatsächlich seine Vorteile. Eigenschaften, die man mit bloßen Auge so nicht erfassen kann, wie der exakte Spin oder der Berührungspunkt am Ball, werden mit der miCoach-App sichtbar. Wer sich damit auseinandersetzt bekommt ein praktisches Feedback, das ihm beim langfristigen Lernen und Entwickeln helfen kann. Auch andere, theoretische Tipps sind durchaus zu begrüßen, wobei man grundsätzlich auch nicht mehr lernt, als in einem Fußballverein mit einigermaßen gut ausgebildetem Trainer.

Auch der Ball muss geladen werden

Der Akku ist ein erfreuliches Detail des miCoach Smart Ball. Nach eigenen Angaben hält er etwa 2.000 Schüsse, was mit durchschnittlich einer Woche angegeben wird. Gleichzeitig erklärt die App übrigens auch, dass man einen Schuss nach 10.000 Versuchen beherrscht. Um den Ball zu laden, legt man ihn in eine mitgelieferte Dockingstation. Der weiße Sockel bewahrt den Smart Ball wie eine Trophäe auf und leuchtet an zwei Stellen grün, solange der Akku per Induktion geladen wird. Dazu legt man den Ball mit dem entsprechenden, nicht zu übersehenden grünen Symbol nach unten in die Ladestation. Liegt der Ball nicht richtig auf, blinken die grünen LEDs schnell. Ist der Ball fertig geladen, erlöschen die LEDs wieder. Ach ja, natürlich kann auch mit smarten Bällen einfach Fußball gespielt werden – ohne Strom und ohne App.

adidas-smart-ball-dockingst

Technische Spezifikationen

Material: 32 verschweißte, ausgestanzte Außenpanele aus TPU; TPU-Blase

App-Kompatibilität: iOS 7

Ballgröße: 5

Umfang: 68,6 Zentimeter

Durchmesser: 22 Zentimeter

Gewicht: 737 Gramm inklusive Ladestation

Akkulebensdauer: Etwa 2.000 Schuss

Ladezeit: Etwa eine Stunde

Preis: 299,95 Euro

Lieferumfang: Ladestation, Zwei Stecker, Kurzanleitung

gizrank-big-401

4 von 5 Sterne in unserem Gizrank

Fazit

Der Adidas miCoach Smart Ball ergänzt das Freistoßtraining um ein paar praktische Informationen und bietet gute Möglichkeiten zum individuellen Training. Doch auch wer kein Mobilgerät von Apple besitzt, hat das Zeug zum Freistoßspezialisten. Letztendlich lernt man hier schließlich nichts anderes, als das, was sich Fußballprofis und die vielen Millionen anderen Freizeit- oder Hobbyspieler auch ohne diese technische Unterstützung aneignen konnten. Unser durchaus talentierter Fußballspieler (siehe Titelbild) fand das Feedback der App dennoch sehr spannend. Ein Toni Kroos wird er aber trotzdem nicht.

plusPraktisches Feedback zu eigenen Schüssen

plus Hilfreiche Tipps zu Körperhaltung und anderen Schuss-Aspekten

plusGute Akkuleistung

plusMit Profis vergleichende Challenges

minusEinschränkung auf ruhende Bälle

minus Hohe Anschaffungskosten

minusBeschränkung auf Mobilgeräte von Apple

Adidas präsentiert Fitness-Armband “Fit Smart”

Tags :Quellen:YouTube Apple Adidas

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Advertising