E-Books müssen billiger werden – Amazon schlägt Hachette Preislimit vor

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E-Books von Verlagen sind meist kaum günstiger als die gedruckten Hardcover-Versionen, dabei fallen für elektronische Bücher deutlich weniger Produktionskosten an. Amazon möchte darum ein wirtschaftlich sinnvolles und gleichzeitig kundenfreundliches Preislimit von 9,99 Dollar gegenüber dem US-Verlag Hachette im E-Book-Streit durchsetzen.

Niedrigere E-Book-Preise, mehr Absatz, wachsender Gewinn. Eigentlich müssten nach Amazons Rechnung in einer erneuten Stellungnahme im Kindle-Kundenforum alle Beteiligten gewinnen. Dabei erklärte sich der Onlinehändler sogar dazu bereit, seinen Anteil von 30 Prozent auch bei niedrigeren Preisen beizubehalten. Die anderen 70 Prozent sollen gleichermaßen an Autor und Verlag verteilt werden. Bislang spekulierten Verlagsinsider, dass Amazon seinen Anteil vom Listenpreis von 30 auf 50 Prozent erhöhen würde, wenn die Preise gesenkt werden.

Den häufig angesetzten Preis von 14,99 oder sogar 19,99 Dollar für ein E-Book erklärt der Onlinehändler für zu hoch. Es fielen keine Kosten für den Druck an, es gebe keine zuviel gedruckten Exemplare, keine Rückläufer, keine verlorenen Umsätze aufgrund einer vergriffenen Auflage, keine Lager- und Transportkosten. Nicht zuletzt gebe es keinen Gebrauchtmarkt, da E-Books nicht wiederverkauft werden können. E-Books könnten und müssten daher günstiger sein. Im florierenden Selfpublishing-Markt, bei dem kein Verlag zwischen Autor und Händler geschaltet ist, liegen die Preise ohnehin meist bei geringen einstelligen Beträgen, etwa zwei bis fünf Euro. Das hat dazu beigetragen, dass der durchschnittliche E-Book-Preis von 2010 bis 2013 um mehr als drei Euro auf 7,58 Euro gesunken ist. Selfpublisher brauchen die niedrigen Preise um für Kunden attraktiv zu sein, auch wenn kein schützendes Verlagshaus sein inoffizielles Qualitäts-Siegel ausgestellt hat.

Diese Niedrigpreis-Strategie geht auch in Amazons Augen auf. So habe es bei zahlreichen Titeln ermittelt, dass sich ein E-Book für 9,99 Dollar um den Faktor 1,74 besser verkaufe als zum Preis von 14,99 Dollar, wie ihn die Verlage bevorzugen. Anstelle von 100.000 Verkäufen zu 14,99 Dollar könnten also 174.000 Verkäufe zu 9,99 Dollar erzielt werden – und ein Umsatz von 1,738 Millionen Dollar statt nur 1,499 Millionen Dollar.  Der Kunde bezahlt also 33 Prozent weniger. Der Autor erhält trotzdem 16 Prozent mehr Tantiemen und kann sich einer um 74 Prozent gewachsenen Leserschaft erfreuen. Verleger wie Händler bekämen trotz des niedrigeren Preises ebenfalls ein größeres Stück vom Kuchen ab. Amazon erwartet aber nicht für alle Bücher einen Preis von 9,99 Dollar oder weniger, sondern denkt an Ausnahmen für das Preislimit. Zu akzeptieren seien “berechtigte Gründe dafür, dass eine kleine Anzahl spezialisierter Titel mehr als 9,99 Dollar kosten”.

Der Schlagabtausch zwischen Amazon und Hachette wurde im Mai öffentlich, nachdem der Onlinehändler seine Marktmacht ausspielte und gedruckte Bücher der Verlagsgruppe nicht mehr wie zuvor bevorratete, was zu längeren Lieferfristen führte. Diese und weitere Taktiken führten auch für betroffene Autoren zu Umsatzeinbußen, die ihrerseits eine Kampagne gegen Amazon anstießen.

In seiner jüngsten Stellungnahme hebt Amazon außerdem hervor, dass Bücher nicht nur untereinander konkurrieren, sondern beispielsweise auch mit Videospielen, Fernsehsendungen, Filmen, Facebook, Blogs oder kostenlosen News-Sites: “Wenn wir eine gesunde Lesekultur wollen, dann müssen wir hart dafür arbeiten, dass Bücher tatsächlich gegen diese anderen Medienangebote bestehen können. Und eine wichtige Rolle spielt es dabei, Bücher weniger kostspielig zu machen.”

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Tags :Quellen:Amazon Bild: ShutterstockVia:Bernd Kling, ZDNet.de

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