LTE in Korea – Hut ab vor dem Mobilfunk-Weltmeister

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Wer wissen will, wie die LTE-Zukunft in Deutschland in der Realität aussehen kann, sollte einen Blick nach Südkorea werfen. Die Koreaner sind weltweit die Nummer eins bezüglich drahtloser High-Speed-Datenverbindungen im 3G- und 4G-Netz. Wir geben euch einen Überblick über den koreanischen Mobilfunkmarkt.

Qualcomm lud einige Journalisten nach Seoul, Korea auf eine LTE Reality Tour ein. Dort gab man uns einen Überblick über den koreanischen Markt, ging auf die drei großen Carrier ein, zeigte an praxisnahen Beispielen die Vorteile eine hohen Datenrate im Mobilfunkbereich und verriet, warum wir uns alle auf 5G freuen sollten. Unsere Eindrücke und Erlebnisse werden wir in verschieden Beiträgen in den nächsten Tagen hier veröffentlichen.

Mehr Mobilfunkverträge als Einwohner

Korea gehört bezüglich ihrer Mobilfunknutzung zu den fortschrittlichsten Nationen der Welt. Das Land mit seinen gut 50 Millionen Einwohnern hatte im ersten Quartal 2014 über 55 Millionen Mobilfunkverträge mit 3G / 4G Option. Das entspricht einer Mobilfunkvertragsdichte von fast 110 Prozent!

iPhone? Was ist das?

Die drei führenden Gerätehersteller sind Samsung, LG und das in Europa fast komplett unbekannte Pantech. Apples iPhone spielt in Korea mit unter 6 Prozent Marktanteil so gut wir keine Rolle. Meine persönliche Einschätzung: Die Koreaner rennen überwiegend mit Smartphones jenseits der 4,7 Zoll Marke herum – ihnen ist das iPhone schlicht zu klein.

Infografik von Qualcomm

Die drei Großen

Den Mobilfunkmarkt teilen sich die drei großen Carrier SK Telekom, KT und LG U+ untereinander auf. SK Telekom führt mit 27,7 Millionen Verträgen (50 Prozent) die Rangliste der drei Carrier an. Auf Platz zwei findest sich mit 16,5 Millionen Verträgen (30 Prozent) KT. Mit 11 Millionen Verträgen (20 Prozent) bildet LG U+ das Schlusslicht.
Unserer Einschätzung nach könnte in Zukunft der Anteil von LG U+ steigen, setzt dieser Carrier (auch bedingt durch seinen recht späten Einstieg in den Markt) doch konsequent auf aktuellste Technik und hinterließ bei unserem Besuch in dessen Zentrale einen hervorragenden Eindruck. Aber dazu in einem anderen Beitrag mehr.

Infografik von Qualcomm

Erlös pro Kunde

Mobilfunknutzer in Korea konnten im April 2014 auf eine LTE Abdeckung von 57 Prozent zugreifen, vor einem Jahr lag dieser Wert noch unter 40 Prozent, vor zwei Jahren unter 10 Prozent. Dank der ständigen Investitionen konnten die Carrier den ARPU („Average Revenue per User“, Durchschnittlichen Erlös pro Kunden) in den letzten zwei Jahren alle steigern. Im ersten Quartal 2012 verdiente SK Telekom im Schnitt 27,50 Euro, KT 22,87 Euro und LG U+ 22,12 Euro pro Kunden. Im ersten Quartal 2014 konnten sich die Carrier deutlich steigern. Da verdiente die SK Telekom schon 30,70 Euro, KT 25,57 Euro und LG U+ scheibt sich auf den zweiten Platz mit 27,39 Euro pro Kunden. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der durchschnittliche Erlös pro Kunden bei 25 Euro und ist damit im weltweiten Vergleich relativ gering. Experten schieben paradoxerweise das auf das hohe Preisniveau in Deutschland.

Infografik Qualcomm

Datenverbrauch in Korea

Wenig verwunderlich, dass der Datenverbrauch vor allem im 4G-Netz in den letzten zwei Jahren deutlich angestiegen ist. Im 3G Netz stieg er dagegen nur leicht, hat seinen Zenit überschritten und nimmt tendenziell sogar wieder ab. Im Januar 2012 wurden durchschnittlich pro Nutzer im 4G Netz 1.515 MByte, im 3G Netz 958 MByte Daten im Monat herunter geladen. Im April 2014 stieg der Wert im 4G Netz auf 2.331 MByte und im 3G Netz auf 1.113 MByte. Das sind Werte, von denen wir in Deutschland nur träumen können. Ist man hier doch was das Surfen im schnellsten Netz betrifft meist auf ein vergleichsweise geringes Datenvolumen limitiert.

Infografik Qualcomm

Insgesamt stiegt das Datenvolumen über 3G und 4G in Korea in den letzten zwei Jahren rasant an. Wurden im Januar 2012 noch etwa 30 TByte herunter geladen, waren es im April 2014 bereits 90 TByte. Davon knapp 70 TByte über 4G.

Fazit

So, das war jetzt ein ordentlicher Faktenüberfall und dennoch lediglich ein kleiner Überblick. Trotzdem zeigt sich hier schon deutlich, dass das hochmoderne Angebot der Carrier von den Mobilfunkteilnehmern sehr gut angenommen wird und die Kunden bereit sind für bessere Mobilfunkstandards auch mehr Geld auszugeben. Die deutschen Carrier sollten sich hieran ein Beispiel nehmen.

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  1. ARPU = Average Revenue Per User = Durchschnittlicher Umsatz pro Nutzer (bzw. Kunde), aber nicht Erlös/Gewinn pro Kunde, d.h. von diesem Umsatz müssen die Kosten/Kunde (z.B. die hohen Investitionen in den LTE Ausbau) noch abgezogen werden, bevor man den Erlös/Gewinn erhält.

    1. Hi Andy, ich habe das im Text konkretisiert, um Missverständnisse zu vermeiden. Erlös bedeutet in unserem Fall jedoch lediglich Umsatz.

  2. Man sollte auch beachten, dass Südkorea doppelt so viele Einwohner pro Quadratkilometer hat als Deutschland.

    Außerdem leben allein im Ballungsraum um Seoul fast die Hälfte der Südkoreanischen Bevölkerung. Weitere 16 Mio. Menschen in den 10 größten Städten. Insgesamt leben 81% der Südkoreaner in großen Städten.

    Zum Vergleich dazu leben in Deutschland gerade einmal die Hälfte der Bevölkerung in Motropolregionen.

  3. Bin Telekom Kunde, und würde mich ja schon über 3 G in den Grosstätten freuen aber die investieren ja gar nichts in den Netzausbau .

    LTE können wir in Deutschland nur träumen, das geht nur 100 Meter im Umkreis der Telekom Läden. Selbst in Afrika haben die ein
    besseres 3G netzt als wir in Deutschland.

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